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Schnelles Internet auf dem Land

Deutsche-Glasfaser-Chef Dirks: „Die neue Landlust braucht schnelles Internet“

Das ist die Zukunft der Telekommunikation: Glasfaserkabel.

Frankfurt. Thorsten Dirks, Jahrgang 1963, kann man getrost einen der Veteranen der Telekommunikationsbranche nennen. Er kam 1996 zum Mobilfunker E‑Plus. Er stieg in die Geschäftsführung des Unternehmens auf. Auch als E‑Plus mit Telefonica/O2 fusioniert wurde, machte er im Topmanagement weiter. Zwei Jahre lang war er zudem Präsident des Digitalverbandes Bitkom. 2017 kam ein für viele Beobachter überraschender Wechsel in den Vorstand der Lufthansa. Vor gut einem Jahr kehrte er in die Telkobranche zurück und übernahm die Geschäftsführung bei der Deutschen Glasfaser.

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In RND-Interview berichtet Dirks vom Siegeszug der Glasfaserkabel, die inzwischen auch auf dem Land superschnelles Internet ermöglichen. Zugleich kritisiert er die Deutsche Telekom, die bei Ausbauprojekten immer wieder dazwischenfunke und so die Erschließung ländlicher Regionen mit Glasfaser bremse.

„Deutschland ist derzeit im OECD-Vergleich unter den Flop fünf, und wir müssen Top fünf werden.“

Thorsten Dirks,

Geschäftsführer der Deutschen Glasfaser über den Glasfaserausbau

Die Deutsche Glasfaser wurde im Jahr 2011 von der niederländischen Investmentgesellschaft Reggeborgh gegründet. Im Mai 2020 übernahm der schwedische Finanzinvestor EQT die Mehrheit. Das Unternehmen strebt als „Digitalversorger der Regionen“ den flächendeckenden Glasfaserausbau an. Damit werden Internetzugänge möglich, die um mehr als das Zehnfache schneller sind als die derzeit üblichen Festnetzverbindungen.

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Herr Dirks, Deutschland ist beim Glasfaserausbau spät dran im europäischen Vergleich. Was sind die Gründe?

Erstens haben wir es in Deutschland versäumt, Leerrohre für die Kabel im Boden zu verlegen. Das hätte den Ausbau erheblich vereinfacht. Zweitens hatte die Deutsche Telekom lange wenig Interesse, Glasfaserleitungen zu legen, weil sie ihr Kupferkabelnetz mit der VDSL-Technik vermarkten wollte. Ferner ist in Deutschland eine preisgünstige oberirdische Verlegung ein Tabu.

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Aber das Dahindümpeln ist doch nun vorbei?

Ja, inzwischen hat der Glasfasermarkt mit starkem Wachstum Fahrt aufgenommen – weil er für Investoren interessant wurde. Viele Pensionsfonds, Versicherungen und Private-Equity-Unternehmen sind als Investoren aktiv, da sie langfristig verlässliche Renditen erzielen können. Seit 2020 fließt sehr viel Geld für Glasfaser nach Deutschland. Bis 2025 stehen privatwirtschaftliche Investitionen in Höhe von 43 Milliarden Euro zur Verfügung. Jährlich werden zwischen 4 und 4,5 Milliarden Euro verbaut. Das Tempo ist durch die zur Verfügung stehenden Baukapazitäten begrenzt. Ende vorigen Jahres waren 7,5 Millionen Haushalte versorgt, fast 35 Millionen Haushalte sind es aber noch nicht – insbesondere nicht auf dem Land, wo fast ausschließlich wir deutschlandweit aktiv sind.

„Wenn Neubaugebiete erschlossen werden, ist die Glasfaser inzwischen fast immer obligatorisch dabei.“

Thorsten Dirks,

Geschäftsführer der Deutschen Glasfaser

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Nun wird aber immer wieder berichtet, dass die Deutsche Telekom in Kommunen, wo Ausbauprojekte von Ihrem Unternehmen oder anderen Anbietern anlaufen, mit sehr preiswerten Gegenofferten dazwischenfunkt und damit für Verunsicherung und Verzögerungen sorgt. Was tun?

Ein Doppelausbau von Glasfaser durch Überbauen oder Mitverlegung ist grundsätzlich kontraproduktiv und ergibt auch wirtschaftlich keinen Sinn. Um die PS für den Glasfaserausbau schnell auf die Straße zu bringen, braucht es eine − und zwar nur eine − Infrastruktur, die für alle Anbieter zugänglich ist. Dieser Markt mit offenen Zugängen funktioniert sehr effizient und sorgt für Anbietervielfalt im Sinne der Verbraucher. Den Glasfaserausbau mit dem doppelten Verlegen von Infrastrukturen aufzuhalten hilft dem Verbraucher dagegen überhaupt nicht.

Kommunen sollen beim schnellen Ausbau helfen

Muss da die Bundesnetzagentur als zuständige Behörde gegenüber der Telekom ein Machtwort sprechen?

Nein, das ist nicht notwendig. Letztlich setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen. Wenn der Bürgermeister und die kommunalen Parlamente sich klar für einen Anbieter entscheiden und dies auch den Bürgern mitteilen, lassen sich Störfeuer verhindern. Werden dann noch Genehmigungen schneller erteilt, sind die idealen Bedingungen für einen schnellen Ausbau da.

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Für schnelle Genehmigungen müssen Verwaltungen komplett umgekrempelt werden. Ein dickes Brett?

Ein sehr dickes Brett. Aber der politische Wille ist da. Wir haben bereits mit mehreren Landesregierungen Absichtserklärungen abgeschlossen und sind mit weiteren in Gesprächen. Wir verpflichten uns, eine gewisse Anzahl von Anschlüssen etwa bis zum Jahr 2025 zu bauen. Aber das Land muss uns bei Genehmigungsverfahren unterstützen, um zeitraubende Bürokratie zu vermeiden. So lässt sich auch dieses Brett bohren.

Pandemie hat gezeigt, wie wichtig Glasfaserleitungen sind

Gibt es immer noch Bedenken beispielsweise gegen ihr Unternehmen, weil es nicht so bekannt ist wie die Telekom?

Die Bedenken gibt es nur in zwei von 100 Fällen. Wir haben insgesamt 1400 Projekte mit Kommunen abgeschlossen. Davon sind allein 450 Projekte im vorigen Jahr dazugekommen. Und: Die Türen der Rathäuser gehen jetzt schneller auf, weil die Pandemie deutlich gemacht hat, wie wichtig Glasfaserleitungen sind. Stichwort: Homeoffice. Da sehen wir einen klaren Trend, denn die neue Landlust braucht schnelles Internet. Streamingdienste und Onlinegaming spielen natürlich auch eine Rolle.

Als Ziel für einen flächendeckenden Glasfaserausbau wird immer wieder das Jahr 2030 genannt. Viele Menschen, die auf dem Land leben, wollen nicht so lange warten. Können Sie nicht schneller?

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Wenn Neubaugebiete erschlossen werden, ist die Glasfaser inzwischen fast immer obligatorisch dabei. Und es gibt viele Neubaugebiete auf dem Land. Aber der Flaschenhals ist die beschränkte Kapazität beim Tiefbau. Wir haben nun immerhin zusätzliche Unterstützung von Bauarbeitern aus anderen Ländern. Wir wollen bis 2025 insgesamt vier Millionen Haushalte auf dem Land und in den Vorstädten anschließen. Etwa 1,3 Millionen Haushalte sind davon bereits angeschlossen. Deutschland ist derzeit im OECD-Vergleich unter den Flop fünf, und wir müssen Top fünf werden.

Könnte der Ausbau mit einer gezielten staatlichen Förderung schneller gehen?

Wir werden durch mehr staatliche Förderung nicht schneller. Die bereits genehmigten Förderprojekte haben ein Gesamtvolumen von mehr als 16 Milliarden Euro. Davon sind mehr als 12 Milliarden noch nicht verbaut. Förderung sollte gezielt dort ansetzen, wo privatwirtschaftlicher Ausbau nicht sinnvoll ist. Zum Beispiel beim Glasfaseranschluss für einen abgelegenen Bauernhof. Da geht es um einen deutlich kleineren Anteil der Haushalte.

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