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Lieferketten

Kabelbäume fehlen: Die deutsche Autoindustrie leidet unter Putins Krieg

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BMW muss die Produktion an mehreren Standorten drosseln.

München. Kabelbäume sind ein personal- und damit kostenintensives Produkt, ohne das kein Auto gebaut werden kann. Deshalb werden sie an Billiglohnstandorten wie der Ukraine produziert beziehungsweise wegen des dortigen Kriegs derzeit nicht.

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Ein großer süddeutscher Kfz-Zulieferer, der in der West-Ukraine gleich zwei Werke mit mehreren tausend Beschäftigten betreibt, musste seine Leute wegen des Krieges nach Hause schicken. Aber auch andere Kabelbaumhersteller sind vor Ort betroffen.

Das sorgt nun nicht nur bei Volkswagen sondern auch bei BMW dafür, dass Bänder still stehen. Ab nächster Woche werde das bayerische BMW-Werk in Dingolfing, wo sonst täglich 1300 BMW vom Band laufen, nicht mehr produzieren, weil Kabelbäume fehlen, bestätigte ein Konzernsprecher auf Anfrage.

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Das ist aber nur ein Vorgeschmack. Denn betroffen ist die gesamte europäische Produktion in noch nicht klarem Ausmaß. Größere Produktionseinschränkungen drohen bei BMW wegen der Kabelbaumprobleme dem Vernehmen nach auch im Münchner Stammwerk und bei der Motorenfertigung im österreichischen Steyr oder im britischen Oxford in der dortigen Fabrik der Kleinwagenmarke Mini. Auch die Fabrik in Leipzig bleibt voraussichtlich nicht ungeschoren. Im Werk Regensburg fallen zudem wegen Chipmangel kommende Woche Schichten aus.

In China und den USA läuft die Fertigung noch

Nur BMW-Fabriken in den USA und China könnten ohne Einschränkungen weiterlaufen, sagte ein BMW-Sprecher. Komplett eingestellt sei zudem schon die Fertigung am russischen Montagestandort Kaliningrad, wo jährlich zuletzt 17.000 BMW gefertigt worden sind. Zudem exportieren die Münchner auch von anderswo keine Autos mehr nach Russland. Voriges Jahr wurden dort noch insgesamt 49.000 BMW verkauft.

Wie schnell Ersatzlieferungen für fehlende Kabelbäume organisiert werden können, kann BMW nicht abschätzen. Das tut Ferdinand Dudenhöffer. „Binnen drei bis sechs Monaten ist eine Produktion anderswo machbar“, schätzt der Autoexperte. Verglichen mit dem seit Monaten anhaltenden Chipmangel seien Kabelbäume ein kleineres Problem.

Ein kurzfristiger Schock, der sehr weh tut, sei der kurzfristige Ausfall ukrainischer Lieferanten trotzdem. Dudenhöffer glaubt, das zum Beispiel im benachbarten Rumänien relativ schnell eine Ersatzproduktion aufgebaut werden kann, aber eben nicht von heute auf morgen. Bei BMW, Leoni und anderswo in der deutschen Autoindustrie kümmern sich Krisenstäbe unter Hochdruck um das Problem.

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Totalausfall des russischen Marktes

Den sich abzeichnenden Totalausfall des russischen Markts für Autobauer auf ungewisse Zeit hat Dudenhöffer indessen genauer unter die Lupe genommen. Dabei sticht die französisch-asiatische Gruppe Renault-Nissan-Mitsubishi mit gut einem Drittel Marktanteil und 2021 gut 560.000 in Russland verkauften Fahrzeugen am bei weitem deutlichsten hervor. Auf deutscher Seite ist VW mit seinen Konzernmarken mit über 200.000 jährlich verkauften Fahrzeugen und gut zwölf Prozent Marktanteil am stärksten betroffen. Danach folgt BMW mit drei Prozent und Mercedes fast gleichauf knapp dahinter.

Zögen sich westliche und japanische Hersteller geschlossen und komplett aus dem russischen Markt zurück, blieben russischen Autofahrern bald nur noch chinesische Modelle, stellt Dudenhöffer klar. Die eigene russische Autoindustrie sei ein Zwerg und hoffnungslos veraltet. Zudem mache der Rubel-Absturz westliche Autos selbst für betuchte Russen kaum noch erschwinglich.

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