Kreativ im Homeoffice: So entstehen neue Ideen von zu Hause aus

  • Wegen der Corona-Pandemie arbeiten immer noch viele Menschen im Homeoffice.
  • Nach monatelangem Arbeiten alleine kann es manchmal schwer sein, kreativ zu werden.
  • Experten erklären, dass es helfen kann, dann an einen Reizgegenstand zu denken.
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Heidelberg/Sauerlach. Homeoffice steht nach wie vor für viele täglich oder zumindest wochenweise im Kalender. Inzwischen haben sich die meisten wahrscheinlich gut eingegroovt. Aber das bringt auch Probleme mit sich: Wer wochenlang in seinem eigenen Süppchen kocht, hat irgendwann keine Ideen mehr.

Stattdessen braucht es Meetings, Brainstorming und vielleicht ein gemeinsames Feierabendbier, um kreative Ideen zu entwickeln. Oder? Experten erklären, wie Kreativität entsteht, wie man im Homeoffice kreativ arbeiten kann und was bei einer Blockade zu tun ist.

Mit dem Begriff Kreativität ist die Fähigkeit gemeint, etwas Neues und Brauchbares zu schaffen, wie Prof. Rainer Holm-Hadulla erklärt. Er ist Kreativitätsforscher und Berater an der Universität Heidelberg.

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Klare Strukturen für die Fantasie

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Grundsätzlich sei Kreativität etwas sehr Individuelles, aber dennoch haben die meisten Menschen etwas gemeinsam: “Alle brauchen klare Strukturen, um innerhalb dieses Rahmens frei fantasieren zu können”, weiß Holm-Hadulla. “Nicht umsonst haben alle bedeutenden Künstler, Wissenschaftler und politisch Aktive feste Arbeitsrituale.”

Kreativität ist also nicht unbedingt etwas, das einen plötzlich überfällt. Laut Holm-Hadulla ist Kreativität vielmehr ein Prozess, der aus fünf Phasen besteht: Die erste Phase ist die Vorbereitung, sie dient dem Wissenserwerb aus dem Bereich, in dem man kreativ werden möchte. Danach folgt die Inkubation – eine Phase der Ruhe, in der das erworbene Wissen sortiert wird und sich setzen kann. Dann folgt im Idealfall die Illumination – der Aha-Moment. “Diese Phase wird in aller Regel überschätzt”, sagt Holm-Hadulla. Phase vier, die Realisierung, ist meist die anstrengendste und verlangt Widerstandsfähigkeit. Am Ende steht die Verifikation, also die Überprüfung, wie das Ergebnis auf andere wirkt.

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Kreativität braucht Impulse

Was bedeutet das nun für kreatives Arbeiten im Homeoffice? Grundsätzlich ist Kreativität auch von zu Hause aus möglich. Aber: “Kreativität entsteht nicht im luftleeren Raum”, weiß Psychologin und Coach Cordula Nussbaum. “Um kreativ zu sein, brauchen wir Impulse von außen.”

Wie diese Impulse aussehen sollten, hängt vom Typ ab. Extrovertierte Menschen haben es im Homeoffice schwerer, denn: “Sie haben Ideen beim Reden, für sie ist der Austausch mit anderen wichtig.” Aber auch das ist im Homeoffice möglich: via Telefon oder Videokonferenz.

Für eher introvertierte Menschen kann die Arbeit von zu Hause aus gut funktionieren. Denn sie kommen auf gute Ideen, indem sie in Gedanken schwelgen. Die Impulse kommen von Dingen aus ihrer Umgebung.

Mit der Reizgegenstandmethode die Ideenfabrik ankurbeln

Bei manchen Menschen läuft das unterbewusst, andere können sich die sogenannte Reizgegenstandmethode zunutze machen. Bei dieser Kreativitätstechnik nimmt man sich einen Gegenstand, der auf den ersten Blick nichts mit der Aufgabe zu tun hat, und überlegt, was beide Dinge doch miteinander zu tun haben könnten – über die Gemeinsamkeiten entstehen ganz neue Ideen, weiß Nussbaum. “Die abgespeckte Variante ist die Reizwortmethode: statt eines Gegenstandes sucht man sich ein Wort.”

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Eine andere Technik, um die Kreativität in Schwung zu bringen, ist die Kopfstandtechnik: Bei dieser Technik überlegt man sich, wie man genau das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich möchte, wie Nussbaum erklärt. Zum Beispiel das Thema Briefwahl: Eigentlich sollten in Corona-Zeiten möglichst viele Menschen per Brief wählen, nun überlegt man sich also, was man tun kann, um das zu verhindern. Jede Stimmabgabe kostet zum Beispiel 10 Euro Porto und der Stimmzettel kann nur um Mitternacht eingeworfen werden. Hat man genug gesammelt, wird all das zurückgedreht.

Druck aufbauen hilft nichts

Von diesen Methoden können sowohl introvertierte als auch extrovertierte Menschen profitieren. “Beide Techniken kann man alleine anwenden, sie funktionieren aber auch gut im Team via Videocall”, betont Nussbaum.

Eines aber steht fest, da können die Techniken noch so gut sein: “Wer wochenlang alleine in seinem Zimmerchen sitzt, auf ein leeres Dokument starrt und wartet, dass einen die Muse küsst, der hat definitiv keine Ideen”, sagt Nussbaum. Denn wo die Impulse durch andere Menschen oder neue Umgebungen ohnehin begrenzt sind, sollte man sich nicht zusätzlich einigeln, sondern machen, was einem guttut.

Wichtig im kreativen Prozess ist laut Nussbaum auch das Zeitmanagement. Viele glauben, sie seien nur unter Druck richtig kreativ. Das treffe allerdings nur auf die wenigsten Menschen zu, weiß Nussbaum. Sie rät daher, den Druck bewusst rauszunehmen. “Man sollte sich Luft lassen, um Impulse zu sammeln, und nicht alles auf den letzten Drücker anfassen.”

Die besten Ideen kommen beim Abwasch?

Das helfe auch bei Blockaden. Nussbaum rät, in Momenten, in denen nichts mehr geht, erst einmal die Situation zu unterbrechen und Stress abzubauen. “Wer gerne joggen geht, läuft eine schnelle Runde.” Manchen helfe Meditation, andere entspannen Routinetätigkeiten wie Abwaschen oder Putzen. Dann rät sie, im Falle einer Blockade bewusst mit Kreativitätstechniken zu arbeiten – die Lieblingstechnik heraussuchen und ausprobieren, was geht.

Ebenfalls hilfreich: der Austausch mit anderen. Man könne eine Freundin oder die Lieblingskollegin anrufen und nach Ideen fragen. “Die Idee des anderen zündet bei uns oft ein Feuerwerk.”

RND/dpa

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