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Wie geht es weiter?

Das Problem der Kraft-Wärme-Kopplung – und warum sie trotzdem eine Lösung bei der Energiewende sein könnte

Kraft-Wärme-Kopplung funktioniert auch auf Basis von Biogas.

München. Christoph Riechmann ist Experte in Sachen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Gut die Hälfte aller in Deutschland betriebenen KWK-Anlagen hängt an Erdgas als Energieträger, weiß der Direktor des britischen Beratungsunternehmens Frontier Economics. Das hat für den heimischen Industrieverband Zukunft Gas soeben eine Studie zur Gegenwart und Zukunft solcher Anlagen erstellt. Die ist nicht rosig, möchte man spontan meinen.

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Zum einen ist Russland gerade dabei, auch Deutschland den Gashahn zuzudrehen. Zum anderen haben fossile Energieträger in einer klimaneutralen Zukunft keinen Platz mehr. Riechmann widerspricht. „KWK-Anlagen können einen wesentlichen Beitrag leisten, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, sie bieten eine enorme Chance“, betont der Experte.

Die Vorteile

KWK-Anlagen könnten flexibel zugeschaltet werden, wenn Wind und Sonne gerade einmal nicht genug Energie liefern. Sie würden zwar heute noch vor allem von Erdgas befeuert, könnten aber auch problemlos Biogas oder Wasserstoff verarbeiten. Zudem gebe es KWK-Anlagen in allen Größen.

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Sie könnten auch zur dezentralen Energieversorgung eingesetzt werden und teureren Netzausbau vermeiden. Nicht zuletzt seien sie äußerst effizient sowohl zur Strom- als auch gleichzeitig zur Wärmegewinnung einsetzbar.

Letzteres unterstreicht Carl Richers. „Wir haben 30 Prozent Einsparung an verwendeter Primärenergie, weil Abwärme nicht verpufft“, sagt der Marketingchef des KWK-Anlagenbauers Innio Jenbacher. Schon heute gebe es in Deutschland genug Biogas und Biomethan, um zwei Millionen Haushalte mehr klimafreundlich mit Strom und Wärme versorgen zu können, gäbe es nur genug KWK-Anlagen.

Deutschland hat natürliche Ressourcen für 2022 bereits verbraucht

Vom 4. Mai an lebt Deutschland für dieses Jahr auf Pump. Es hat bereits so viele natürliche Ressourcen verbraucht, wie in einem Jahr neu gebildet werden.

Schon jetzt erzeugen KWK-Anlagen viel Strom

Technisch sei das und auch künftiger Einsatz auf Basis grünen Wasserstoffs oder ein Mischbetrieb aus Erdgas und diesem kein Problem. Die derzeit flexibelsten KWK-Anlagen seien unter zwei Minuten volllastfähig und damit eine gute Ergänzung zu einer auf Solarparks und Windkraftanlagen basierenden Zukunft.

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Die Gegenwart sieht so aus: KWK-Anlagen erzeugen heute 22 Prozent des deutschen Nettostroms und 17 Prozent aller im Land verbrauchten Wärme, hat Frontier Economics ermittelt. Dieses Potenzial müsse mindestens erhalten, besser ausgebaut werden, findet Riechmann. Dazu müsse die Politik aber aktiv werden, Investitionsanreize schaffen und Wärmenetze ausbauen.

Ein anderes Modell für Investoren muss her

Anreize für Investoren schaffen bedeutet, dass KWK-Anlagenbetreiber in einer grünen Zukunft nicht mehr für gelieferten Strom oder gelieferte Wärme bezahlt werden, sondern für das Bereitstellen von Kapazitäten dafür. Denn wenn KWK-Anlagen nur noch die Lücken schließen, die Wind- und Solarparks übrig lassen, sinkt ihre Laufzeit. Für einen Investor rentabel sind sie damit auf Basis gelieferten Stroms oder gelieferter Wärme nicht mehr. Ein Kapazitätsmodell könnte das ändern.

Derzeit diskutiert die Politik noch, wie die Regeln für eine grüne Energiezukunft aussehen. So lange die aber nicht feststehen, wird nicht investiert. „An mangelnder Planungssicherheit krankt der Ausbau von KWK-Anlagen am meisten“, bedauert Richers. Einen solchen Ausbau wünscht sich Matthias Trunk und er wüsste auch schon, wohin mit neuen KWK-Anlagen. „Die gehören in den urbanen Raum, weil dort das Abfallprodukt Wärme am besten nutzbar ist“, findet der Vorstand des Berliner Energieversorgers Gasag.

Verlängerung des bisherigen KWK-Gesetzes?

Mit Blick auf eine grüne Energiezukunft sieht auch er solche Anlagen als wichtigen Bestandteil. „Unsere Gasnetze sind bereits zu zwei Dritteln bis drei Vierteln wasserstofffähig“, betont er und wirbt, dieses Potenzial nicht leichtfertig zu verschenken. Man müsse KWK-Anlagen flexibel machen sowie sie verstärkt dekarbonisieren, statt sie zum Auslaufmodell zu erklären.

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Vorbild Schweden: Können Häuser aus Bäumen unsere Wohnungsnot lindern?

400.000 Wohnungen sollen in Deutschland in den nächsten Jahren jährlich gebaut werden. Doch heute schon ist der Bausektor für 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich. Im Trend sind deshalb Häuser, die ganz oder in Teilen aus Holz bestehen. Ist das ein massentaugliches Modell für die Zukunft?

„Wir sollten KWK-Anlagen als festen Bestandteil einer Energiewende begreifen“, wirbt auch Timm Kehler. Danach handle die Bundesregierung bislang aber nicht, kritisiert der Chef von Zukunft Gas. Nötig sei eine Verlängerung des bisherigen KWK-Gesetzes bis 2026 mit neuen Investitionsanreizen und größeren Ausschreibungsmengen. Kontraproduktiv vorgeschlagen werde in bisherigen Überlegungen der Ampelkoalition aber unter anderem eine Streichung der Förderung von Biomethan. Das gehe in die falsche Richtung, findet der Lobbyist.

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