Rechtswidrige Gebührenerhöhung: Wie Bankkunden Geld zurückfordern können

  • Laut Bundesgerichtshof sind höhere Kontogebühren ohne Zustimmung des Kunden nicht rechtens.
  • Wollen Kunden zu unrecht gezahlte Gelder zurück, müssen sie die Forderungen aktiv anmelden.
  • Lesen Sie hier, wie Sie am besten vorgehen.
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Karlsruhe/Berlin. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden: Die bisherige Gebührenerhöhungspraxis der Banken ist nicht rechtens. Nach Ansicht der Richter sind Änderungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) einer Bank unwirksam, wenn sie nur aufgrund einer stillschweigenden Zustimmung wirksam werden (Az.: XI ZR 26/20). Für Kunden kann sich das auszahlen.

Denn die obersten Richter kippten mit ihrem Urteil, das bereits im April gefallen ist, die langjährig geübte Praxis der Geldinstitute. Bisher informierten die Banken und Sparkassen ihre Kunden mindestens zwei Monate im Voraus, wenn sie ihre Preise oder Geschäftsbedingungen änderten. Widersprachen die Kunden nicht, galt die Änderung als vereinbart. „Viele Bankkunden haben erst nachträglich, beim Blick auf den Kontoauszug, die Erhöhung der Gebühren wahrgenommen“, erklärt Rechtsanwalt Max Baumeister.

Kunden können Geld zurückfordern

Nach dem neuen BGH-Urteil gilt nun: Ein Kunde muss bei einer Gebührenerhöhung aktiv Ja sagen. Treten Änderungen der Geschäftsbedingungen bei Schweigen in Kraft, wird er unangemessen benachteiligt. Das bedeutet: Die Gebührenerhöhungen der vergangenen Jahre sind unwirksam. Kunden können dieses Geld von ihrer Bank oder Sparkasse zurückfordern, erklären die Verbraucherzentralen.

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Kunden müssen jetzt aktiv werden

Im verhandelten Fall hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zwar nur gegen die Geschäftsbedingungen der Postbank geklagt. Doch das Urteil lässt sich auch auf andere Geldinstitute ausweiten. „Der BGH stellt sich mit seinem Urteil hinter den mündigen Bürger, der selbst entscheidet“, erläutert Baumeister. „Dies hat aber auch zur Folge, dass der Kunde nun tätig werden muss, da keine Bank von sich aus Bankgebühren zurückzahlen wird.“

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Entgelte sind individuell zu berechnen

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) ist nach wie vor zurückhaltend: „Zunächst gilt es nun, das BGH-Urteil auszuwerten und sodann hieraus entsprechende Konsequenzen zu ziehen“, heißt es in einer Stellungnahme. „Ob, in welcher Höhe und für welchen Zeitraum Verbraucher aufgrund des Urteils von ihrem Kreditinstitut Entgelte zurückfordern können, lässt sich nicht pauschal beantworten. Dies ist vielmehr eine Frage des individuellen Vertragsverhältnisses zwischen Kunde und Bank.“

Maßgeblich ist das Preisverzeichnis, das bei Kontoeröffnung wirksam war. Gebühren, die später eingeführt oder erhöht wurden, müssen nach Ansicht von Rechtsexperten zurückgezahlt werden. Allerdings geht das in der Regel nicht beliebig weit in die Vergangenheit zurück, sondern laut Stiftung Warentest bis zum 1. Januar 2018. Wie viel Geld man zurückfordern kann, muss man ausrechnen.

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So werden Sie tätig:

Im Prinzip kann jeder seine Forderung selber anmelden. Wer sich unsicher ist, kann seinen Fall aber auch von Juristen prüfen lassen. Rechtsanwälte bieten oft eine kostenlose Ersteinschätzung an.

Wer selbst tätig werden will, sollte seine Forderungen schriftlich anmelden, raten die Experten. Die Stiftung Warentest hat auf ihrer Homepage einen Musterbrief bereitgestellt, ebenso die Verbraucherzentralen. Der Brief sollte zum Nachweis als Einschrieben mit Rückschein verschickt werden.

Die Alternative: Den Brief einem zuverlässigen Angehörigen oder Bekannten zum Lesen geben und ihn oder sie bitten, bei der zuständigen Bank- oder Sparkassenfiliale persönlich abzugeben oder in den Briefkasten zu stecken, raten Experten der Stiftung Warentest.

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Was tun bei einer Ablehnung?

Wirklich beeilen müssen sich Verbraucher aber nicht, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Sie verjähren laut Rechtsprechung des BGH erst mit Kenntnis des Urteils (Az.: XI ZR 348/13 und XI ZR 17/14). Die Verjährung tritt erst Ende 2024 ein.

Lehnt das Geldinstitut die Forderung ab, müssen Verbraucher nicht gleich aufgeben: Sie können sich an die Schlichtungsstelle wenden. Sowohl die privaten Banken, die Volksbanken und auch die Sparkassen haben Schlichtungsstellen, an die sich Verbraucher in Streitfragen wenden können. Das Verfahren ist kostenlos.

Auch andere Unternehmen auf dem Prüfstand

Möglicherweise bleibt die Entscheidung des Bundesgerichtshofes nicht nur auf Verträge mit Geldinstituten beschränkt. „Es bleibt abzuwarten, welche Kreise diese Entscheidung ziehen wird“, erklärt Rechtsanwalt Baumeister.

Die Praxis der sogenannten Zustimmungsfiktion sei schließlich keine Besonderheit der Banken. „Auch viele andere Unternehmen, von Streamingdiensten bis hin zu Abo-Anbietern, haben oft in ihren AGB ähnliche Formulierungen, die nun auf den Prüfstand kommen werden.“

RND/dpa

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