Konjunktur: Kommt nach der Krise der Boom?

  • Noch leidet die Konjunktur in Deutschland unter der Corona-Krise – besonders betroffen ist die Dienstleistungs­branche.
  • Nach dem Ende der Pandemie könnte es laut Volkswirten allerdings zu einem regelrechten Boom kommen.
  • „Wir erwarten eine kräftige Erholung im zweiten Quartal“, sagt die Wirtschaftsweise Veronika Grimm.
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Nürnberg. Dank der starken Nachfrage aus den USA und China nach Industrie­produkten made in Germany hält sich die Konjunktur in Deutschland trotz des anhaltenden Corona-Lockdowns wacker. Während die Dienstleistungs­branche weiter darbt, brummt die Industrie derzeit wie zuletzt vor der Corona-Krise. Volkswirte führender Wirtschafts- und Finanz­organisationen gehen bis zum Ende der Lockdown­maßnahmen weiter von einer zweigeteilten Konjunktur aus, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Sobald die Pandemie unter Kontrolle ist, könnte es sogar zu einem regelrechten Boom kommen. „Wir erwarten eine kräftige Erholung im zweiten Quartal. Die Auslandsnachfrage vor allem aus China und den USA treibt jetzt schon die positive Entwicklung in der Industrie und entwickelt sich sehr positiv“, sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm.

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Dienstleistungs­sektor: Erste Anzeichen für Erholung

„In den USA gingen die Einzelhandels­umsätze nach der Wieder­eröffnung um fast 10 Prozent nach oben“, sagte Katharina Utermöhl von der Allianz-Gruppe. Auch auf dem deutschen Dienstleistungs­sektor gebe es erste Anzeichen für eine Frühjahrs­belebung. „Man begibt sich in die Startlöcher“, sagte Utermöhl angesichts erster Anzeichen für Neueinstellungen selbst in der Gastronomie.

„In den nächsten Monaten kommt es darauf an, die Weichen für einen erfolgreichen Aufschwung zu stellen“, sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatlichen KfW-Gruppe. Allerdings kommen auch warnende Stimmen, die Pandemie dürfe nicht vorschnell ad acta gelegt werden.

Arbeistmarkt ist Stabilitätsanker

„Wenn wir nicht weitere Maßnahmen ergreifen, wird es zu einem Jo-Jo-Effekt kommen“, warnte Grimm. „Es braucht mehr als die Notbremse, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen. Es braucht den Impffortschritt und es braucht die Testpflicht in den Betrieben, die man konsequent umsetzen sollte“, sagte die Professorin der Universität Erlangen-Nürnberg.

Als Stabilitätsanker erweise sich derzeit der Arbeitsmarkt, auch wegen der noch immer fast zwei Millionen Menschen, die über das Instrument der Kurzarbeit mit staatlicher Hilfe von der Arbeitslosigkeit verschont werden. Marc Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank, erwartet sogar eine Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt. Saisonbereinigt werde die Zahl der Arbeitslosen im April um 12.000 sinken, prognostizierte er. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht am kommenden Donnerstag (29. April) ihre Aprilstatistik zum Arbeitsmarkt.

Langfristige Schäden durch Bildunsgmisere befürchtet

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Sowohl Köhler-Geib als auch Grimm riefen jedoch dazu auf, in den Betrieben stärker auf Qualifizierung zu setzen. „Über 3 Millionen Beschäftigte und 1,4 Millionen Arbeitslose verfügen über keinen Berufsabschluss“, sagte die KfW-Chefvolkswirtin. „Qualifizierung ist der vielversprechendste Weg, um Beschäftigten in den unteren Lohngruppen höhere Einkommen zu ermöglichen und Kurzarbeitenden weitere Perspektiven zu eröffnen.“

Grimm befürchtet langfristig negative Auswirkungen auf die Wirtschaft durch die von der Pandemie angerichtete Bildungsmisere. „Was wir aktuell an Bildung vernachlässigen, die Schüler, die wir verlieren, das wird uns noch einige Zeit beschäftigen und langfristig signifikante Effekte auf das Wachstum haben“, betonte sie.

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