Kommt deutscher Spargel wirklich aus Deutschland?

Die Spargelzeit beginnt allmählich - und in den Supermärkten gibt es die erste Ware aus Deutschland. Meist – aber nicht immer – können sich Verbraucher darauf verlassen, dass diese Angabe stimmt.

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Hannover. Für Spargelkäufer ist es ein Ärgernis: Etwa seit Anfang März können sie das beliebte Stangengemüse im Supermarkt kaufen. Doch Bauern monieren immer wieder, dass dort auch vermeintlich deutscher Spargel verkauft werde, der in Wirklichkeit aus dem Ausland stammt - und zum Preis des einheimischen Gemüses über den Tresen geht. Erst jüngst berichtete das SWR-Magazin „Marktcheck“, von acht untersuchten Proben stamme eine in Wahrheit nicht aus Deutschland sondern aus Südeuropa.

Geht es nach Experten, sind solche Vorfälle allerdings selten: Weder in den norddeutschen Bundesländern noch in Bayern oder Baden-Württemberg ist nach Angaben von Verbraucherschützern im vergangenen Jahr als deutsch deklarierter Spargel entdeckt worden, der in Wirklichkeit aus dem Ausland kam. Auch den Vorjahren sahen die Ergebnisse ähnlich aus.

Für Betrüger attraktives Gemüse

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In Norddeutschland, wo das Gros des deutschen Spargels angebaut wird, ist man deshalb zufrieden: „Es gibt keine Auffälligkeiten“, sagt Hiltrud Schrandt, Sprecherin des Niedersächsischen Landesamts für Lebensmittelsicherheit. Das überprüft in Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein die Herkunftsbezeichnungen von Spargel auf Echtheit.

In Norddeutschland ist diese sogenannte „Norddeutsche Kooperation“ der Behörden seit 2004 auf der Spur von Spargelbetrügern. „Damals hat es den ein oder anderen Fall gegeben“, erinnert sich Schrandt. Spargel ist ihr zufolge besonders attraktiv für betrügerische Herkunftsangaben, „weil die Herkunft und der maximal mögliche Preis so eng verknüpft sind“. Nach der Einführung regelmäßiger Tests gebe es aber nur noch „absolute Einzelfälle“ mit falschen Herkunftsdeklarationen.

Möglich sind solche Aussagen dank eines sprichwörtlichen Fingerabdrucks, den Herkunftsregionen beispielsweise in den Sauerstoffatomen im Spargel hinterlassen. Mittels einer Isotopen-Herkunftsanalyse könne die Ursprungsregion geklärt werden, erläutert das bayerische Landesamt für Gesundheit. Isotope unterscheiden sich je nach Anbauregion, weil beispielsweise die Nähe zum Meer oder die Temperaturen Einfluss nehmen. Spargel aus Spanien ist deshalb für Wissenschaftler eindeutig identifizierbar – ebenso wie das deutsche Stangengemüse. Allein in Niedersachsen werden jährlich etwa 190 Proben auf diese Art untersucht.

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Trotzdem gilt, dass sich Fans des edlen Gemüses noch etwas gedulden sollten: Zwar gibt es mittlerweile deutschen Spargel in den Supermärkten. Doch der stammt meist aus abgedeckten und beheizten Feldern, weshalb er recht teuer ist. Weil Spargel Temperaturen ab zehn Grad bevorzugt, könnte es noch einige Tage dauern, bis der deutsche Asparagus günstig in die Geschäfte kommt.

Allerdings lohnt sich das Warten: Niedersächsische Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die empfindlichen Stangen schnell an Frische, Geschmack und Zartheit verlieren. "Kurze Transportwege garantieren deshalb die Frische – und schonen das Klima", schreibt die niedersächsische Verbraucherzentrale.

Von RND/hö

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