Abhängig vom Öl war einmal – Russland und Saudi-Arabien in der Zwickmühle

  • Um die Ölpreise stabil zu halten, haben sich Russland und Saudi-Arabien auf eine Verlängerung der Förderbeschränkungen geeinigt.
  • Doch der Deal allein wird den Ländern nicht helfen.
  • Sie müssen darauf hoffen, dass die Energiewende langsam vollzogen wird, kommentiert Frank-Thomas Wenzel.
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Jetzt haben sie sich zusammengerauft. Russland und Saudi-Arabien. Zwei der wichtigsten Ölförderländer haben viele Jahre versucht, sich gegenseitig auszuspielen. Russland hat sich vielfach nicht an Förderlimits gehalten, die mit dem Opec-Kartell vereinbart wurden, das von den Saudis dominiert wird. Daraufhin haben diese im Frühjahr den Ölhahn bis zum Anschlag aufgedreht. Dummerweise ging der Preiskampf mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie einher. Die Folge war ein beispielloser Absturz der Rohölnotierungen – kurzzeitig wurde US-Öl sogar mit negativen Preisen gehandelt.

Es wurde klar wie nie zuvor, dass sich die Vorzeichen im globalen Geschäft mit dem zähflüssigen Rohstoff verändert haben. Die Industrienationen hängen nicht mehr am Öltropf der großen Förderstaaten wie noch in den 1970er Jahren. Jetzt sind die Opec-Staaten, Russland und einige weitere Förderländer von den großen Volkswirtschaften vor allem in Asien und Europa abhängig, während die USA mit ihrem Fracking-Öl immer mehr zum Selbstversorger werden. Nicht umsonst hat ausgerechnet Russlands Energieminister Alexander Nowak die anderen Rohöl-Exporteure gerade dringlich zu Einhaltung der nun verlängerten Förderbeschränkungen aufgerufen. Dies ist die Voraussetzung für einigermaßen stabile Preise. Nowak und seine Amtskollegen müssen zugleich darauf hoffen, dass die Wirtschaft vor allem in China und in Europa schnell wieder Tritt fasst.

Russland und Saudi-Arabien benötigen vor allem Zeit

Sollte die Weltwirtschaft weiter kränkeln, drohen gigantische Einnahmeausfälle mit schwer absehbaren Folgen. Denn die Staatshaushalte unter anderem in Russland und Saudi-Arabien sind stark vom Ölgeschäft abhängig. Und das ist nur das kurzfristige Problem. Zwecks Klimaschutz werden überall erneuerbarer Energien ausgebaut, die fossile Brenn- und Treibstoffe überflüssig machen. Russland oder Saudi-Arabien können nur darauf hoffen, dass sich diese Transformation möglichst langsam vollzieht und sie damit Zeit gewinnen, um die eigene Volkswirtschaft umzubauen. Das geht aber am besten mit billigem Öl. Eine Zwickmühle, aus der es nur schwer ein Entrinnen gibt.

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