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Energiekrise

Kohle statt Gas: Kraftwerksbetreiber bereiten sich auf Weiterbetrieb vor

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).

Essen/Cottbus. Kohlekraftwerke sollen in Deutschland viele Gaskraftwerke ersetzen. Dafür hat der Bundestag am Donnerstagabend grünes Licht geben. Doch ganz einfach ist die vorübergehende Rückbesinnung auf die Kohle nicht, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter großen Kraftwerksbetreibern ergab.

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Sowohl beim Wiederanfahren der bislang in die Netzreserve oder die Sicherheitsbereitschaft verbannten Kohlekraftwerke als auch beim Weiterbetrieb eigentlich zur Stilllegung vorgesehener Anlagen sind demnach einige Hürden zu überwinden. Die Probleme reichen von fehlendem Personal und zu geringen Kohlevorräten bis zu rechtlichen Hürden. Mit dem verstärkten Einsatz der Kohlekraftwerke soll angesichts der Drosselung russischer Lieferungen Gas gespart werden.

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Der Kraftwerksbetreiber Leag etwa bereitet sich darauf vor, die derzeit noch in Sicherheitsbereitschaft befindlichen 500-Megawatt-Blöcke E und F des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in Brandenburg wieder anzufahren. „Aktuell werden die beiden Kraftwerksblöcke technisch überprüft. Um sie für einen mehrwöchigen oder gar mehrmonatigen Einsatz fit zu machen, werden Instandhaltungsarbeiten notwendig sein“, teilte das Unternehmen mit.

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Zusätzlicher Personalbedarf

Auch zusätzliches Personal müsse eingestellt werden. „Für einen Dauerbetrieb der beiden Kraftwerksblöcke rechnen wir nun mit einem Personalmehrbedarf von mehr als 200 Mitarbeitern“, betonte eine Unternehmenssprecherin. Die Stellen dazu seien seit mehreren Wochen ausgeschrieben.

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Zudem müsse die Bundesregierung die Kraftwerksblöcke für die Dauer ihres geplanten Einsatzes noch von den seit dem vergangenen Jahr verschärften Immissionsschutzauflagen für Braunkohlekraftwerke befreien, betonte die Leag. Denn eine entsprechende technische Nachrüstung sei schon aus zeitlichen Gründen nicht möglich.

Der Essener Kraftwerksbetreiber Steag kann nach eigenen Angaben über den Oktober 2022 hinaus sogar zusätzlich rund 2300 Megawatt Leistung zurück an den Markt bringen. Dazu müssten drei Steinkohlekraftwerke im nordrhein-westfälischen Bergkamen und im saarländischen Völklingen über die eigentlich geplante Stilllegung Ende Oktober hinaus weiter betrieben werden. Außerdem könnten zwei Kraftwerksblöcke im Saarland aus der Netzreserve zurückgeholt werden, teilte das Unternehmen mit.

Herausforderungen sieht die Steag allerdings noch bei der ausreichenden Versorgung dieser Kraftwerke mit Kohle. „An den meisten Kraftwerksstandorten selbst reicht der Kohlevorrat derzeit nur etwa für eine Woche Volllastbetrieb aus“, betonte das Unternehmen. Denn niemand habe mit dem steigenden Bedarf an Kohlestrom gerechnet.

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Engpass beim Transport

Zwar habe die Steag Zugriff auf Steinkohlevorräte für etwa 30 Tage Volllastbetrieb der gesamten Kraftwerksflotte. Doch lagere die Kohle überwiegend in Rotterdam, und beim Transport zu den Kraftwerksstandorten gebe es einen Engpass. Denn auch die Logistikbranche habe sich auf den seit 2020 gesetzlich verankerten Kohleausstieg eingestellt und Transportkapazitäten für die Steinkohle entsprechend heruntergefahren. „Es fehlt derzeit an Binnenschiffen, Güterwaggons, Lokomotiven und Lokführern“, so die Steag.

Und das sei noch nicht alles. Steinkohle sei zwar am Weltmarkt ausreichend verfügbar. Doch fehle es aktuell für den Kraftwerksbetreiber an Planungssicherheit, weil die Verordnung zum Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz (EKBG) noch nicht vorliege, auf deren Basis die Steag die künftigen Lieferverträge abschließen könne.

Auch Personal sei knapp: „Von den beiden Blöcken am Standort Völklingen-Fenne kann insbesondere wegen Engpässen beim Fachpersonal ab November zeitgleich immer nur ein Block betrieben werden“, berichtete ein Steag-Sprecher.

Der Stromriese RWE bereitet sich darauf vor, drei 300-Megawatt-Kraftwerksblöcke, die aktuell noch in der Sicherheitsbereitschaft sind, wieder anzufahren: Die Blöcke E und F des Braunkohlekraftwerks Niederaußem und den Block C des Braunkohlekraftwerks Neurath. Kohlemangel muss der Konzern wegen des benachbarten Braunkohletagebaus wohl nicht befürchten. Doch Personalengpässe gibt es auch hier.

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„RWE Power wird ihre Personalplanung in Kraftwerken und Tagebauen an de neue Einsatzbereitschaft anpassen. Das umfasst mehrere Hundert Stellen“, betonte das Unternehmen. Der höhere Personalbedarf soll nicht zuletzt dadurch gedeckt werden, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erst später als bisher geplant in den vorgezogenen Ruhestand gehen. Weitere Stellen sollen durch die Einstellung von Ausgebildeten und durch Neueinstellungen von außen besetzt werden.

Stilllegung aufschieben

Der baden-württembergische Energieversorger EnBW will wegen des Kriegs in der Ukraine und der Lage auf dem Gasmarkt die eigentlich geplante Stilllegung des Blocks 7 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks Karlsruhe bis mindestens Ende 2023 aufschieben. Zusätzlich hat EnBW fünf Kohleblöcke, die sich in der Netzreserve befinden. Doch sieht der Konzern für ihren Einsatz Grenzen.

„Aus technischen Gründen ist es nicht möglich, dass diese ununterbrochen zur Stromerzeugung eingesetzt werden können, sie leisten aber einen wichtigen Beitrag, um Einbrüche in der Systemstabilität abzufedern und die Versorgungssicherheit jederzeit zu gewährleisten“, betonte eine Sprecherin. EnBW arbeite aktuell mit Hochdruck daran, die Kohleblöcke des Konzerns in der Netzreserve und am Markt intensiv auf den Betrieb im Winter vorzubereiten.

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Um angesichts deutlich geringerer russischer Lieferungen Gas einzusparen, soll weniger Gas zur Stromproduktion genutzt werden – stattdessen sollen wieder mehr Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen. Genutzt werden sollen künftig Kohlekraftwerke, die gegenwärtig nur eingeschränkt verfügbar sind, demnächst stillgelegt würden oder sich in einer Reserve befinden. Hintergrund ist die starke Drosselung russischer Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream. Die Probleme könnten sich noch verschärfen, wenn nach einer am 11. Juli beginnenden, in der Regel zehn Tage dauernden jährlichen Wartung von Nord Stream 1 Russland den Gashahn nicht wieder aufdreht.

RND/dpa

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