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Geschäfte beendet oder eingeschränkt: Versicherer dringen auf Kohleausstieg

  • Versicherungsgesellschaften ziehen sich allmählich aus der Kohleindustrie zurück.
  • Wie gut das gelingt, zeigt nun eine aktuelle Klimaanalyse.
  • In Deutschland verliert die Allianz ihren Spitzenplatz, den nun Hannover RE einnimmt.
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München. Versicherer sind eine treibende Kraft beim globalen Kohleausstieg. Das attestiert das internationale Netzwerk Insure Our Future, zu dem als deutscher Vertreter die Aktivisten von Urgewald zählen, der Branche in einer aktuellen Klimaanalyse. Für die Kohleindustrie werde es deshalb zunehmend schwerer und teurer, ihr Geschäft abzusichern.

23 von 30 der weltweit größten Versicherer hätten in den letzten drei Jahren ihre Kohlegeschäfte entweder beendet oder eingeschränkt, was fast der Hälfte des globalen Rückversicherungsmarkts entspreche. Als Treiber werden europäische und australische Versicherer identifiziert. Hierzulande sind Hannover Re, Munich Re, Talanx und die Allianz in dieser Spitzengruppe. Dem Lob folgt allerdings auch Tadel.

Allianz investiert nicht mehr in Ölsandabbau

Das trifft ausgerechnet die Allianz als selbsternannten Vorreiter beim Klimaschutz. „Während die Allianz dieses Jahr ihre Ausschlussregeln für Kohle nachgebessert hat, warten wir bislang vergeblich auf eine Richtlinie im Öl- und Gasbereich“, rügt Urgewald-Vertreterin Regine Richter. Die anderen großen deutschen Versicherer hätten dagegen zumindest Ölsandfirmen von Investitionen und Versicherung auf Projektebene ausgeschlossen.

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Die Allianz hat allerdings inzwischen reagiert. „Wir investieren nicht mehr in Unternehmen und Projekte, die Ölsandabbau betreiben“, erklärte eine Allianz-Sprecherin und machte diese neue Praxis damit erstmals öffentlich. Der Umstand, dass die Allianz in der vierten Auflage der Insure-Our-Future-Studie ihren Spitzenplatz innerhalb der heimischen Branche verloren hat und dort von Rang sieben auf elf abgerutscht ist, dürfte deshalb nur eine Momentaufnahme sein.

Hannover Re aktuell deutscher Vorzeigeversicherer

Vorerst neuer heimischer Vorzeigeversicherer in Klimafragen ist die Hannover Re, die von Platz zehn auf drei vorgestoßen ist. Davor rangieren nur noch Axa und Swiss Re. Deutlich von Platz 13 auf fünf verbessert hat sich auch Munich Re, leicht von Platz zehn auf Platz neun Talanx.

An der Versicherung der Ölsande-Industrie hält die Allianz allerdings fest. Neun global tätige Versicherer schließen sie dagegen aus. Das sind fünf mehr als noch 2019.

Im Kohlebereich sind deutsche Versicherer geschlossen mit Ausschlüssen dabei. Das erzeugt im Verbund der globalen Assekuranz einigen Druck. Kohlekonzerne sehen sich mittlerweile mit Ratensteigerungen für Policen von bis zu 40 Prozent konfrontiert, berichtet der Versicherungsbroker Willis Tower Watson.

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Auch bei Öl und Gas schnell aktiv werden

„Dass mehr und mehr Versicherer Kohle ausschließen, ist positiv“, urteilt der Koordinator der Kampagne Insure Our Future, Peter Bosshard. Der Trend müsse sich aber beschleunigen angesichts einer ausufernden Klimakrise. Als Zauderer macht der Aktivist vor allem US-Versicherer und solche aus Japan aus. Die gesamte Branche müsse zudem aufhören, die Öl- und Gasindustrie zu unterstützen, wobei nur zehn Versicherer 70 Prozent dieses Markts abdecken würden. „Europäische Versicherer haben den Rückzug aus der Kohle angeführt, nun müssen sie bei Öl und Gas aktiv werden“, fordert Lucie Pinson von der Pariser Nicht-Regierungsorganisation Reclaim Finance.


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