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ISE-Berechnungen: Anteil der Ökoenergie am Strommix gesunken

Ein Windrad des Windparks Falkenhöhe steht nahe Schramberg: Der Ausbau der Windenergie kommt viel zu langsam voran.

Frankfurt/Main.Das Jahr 2021 bringt für den Klimaschutz einen heftigen Rückschlag. „Schon jetzt haben Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke deutlich mehr Strom erzeugt als im Corona-Jahr 2020. Damit steigt auch der CO₂-Ausstoß im Stromsektor im Vergleich zum Vorjahr an“, sagte Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

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Berechnungen des ISE zufolge wurden in diesem Jahr von Kraftwerken, die die fossilen Energieträger verfeuern, bereits rund 188 Terawattstunden (Stand 15. Dezember) in die öffentlichen Netze eingespeist. Im gesamten Jahr 2020 waren es nur gut 175 Terawattstunden gewesen.

Laut Burger kann sich die Stromerzeugung aus Solaranlagen nun zwar um mehr als 10 Prozent steigern. Da aber bei der Windkraft ungefähr 15 Prozent weniger als im Rekordjahr 2020 eingespeist werde und sich der Stromverbrauch gleichzeitig erhöht habe, sinke der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung. Den Energiecharts des ISE zufolge liegt deren Anteil am Strommix aktuell bei genau 47,1 Prozent.

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Im Vorjahr waren es 50,3 Prozent gewesen. Es geht dabei um die Nettostrom­erzeugung, also die elektrische Energie, die tatsächlich aus der Steckdose kommt. Die industrielle Erzeugung für den Eigenverbrauch der Unternehmen wird dabei nicht berücksichtigt.

Hinter dem Rückgang steckt auch Politikversagen. Zu weniger Wind und einem höheren Stromverbrauch komme, dass „die Politik die Weichen für die Energiewende noch nicht richtig gestellt“ habe, betont Burger. So habe es 2019 und 2020 keine Ausschreibungen für neue Offshore-Windkraft­anlagen gegeben, „wodurch der Zubau zum Erliegen gekommen ist“.

Beschlossene Gesetze waren „leider nicht ausreichend“

Der Energieexperte kritisiert direkt die Vorgänger des neuen Wirtschafts- und Klimaschutz­ministers Robert Habeck (Grüne): „Die früheren Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) hatten den Auftrag, die Gesetze zum Ausstieg aus der Kernenergie von 2011, das Pariser Klimaabkommen von 2015 und die deutschen Klimaschutz­gesetze von 2019 und 2021 in die Tat umzusetzen. Die dazu beschlossenen Maßnahmen und Gesetze waren aber leider nicht ausreichend.“

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Die ISE-Berechnungen decken sich mit den Zahlen des Energiedach­verbandes BDEW und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff­forschung Baden-Württemberg. Demnach ist der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch (inklusive Industrie) auf gut 42 Prozent gesunken – nach 46 Prozent im Vorjahr.

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Mehr CO₂-Ausstoß als vor der Pandemie?

Die aktuellen Daten legen den Schluss nahe, dass der gesamte deutsche CO₂-Ausstoß 2021 gegenüber dem Vorjahr deutlich steigen wird. Die Denkfabrik Agora Energiewende hatte bereits im Sommer Szenarien präsentiert, wonach eine Erhöhung der Kohlendioxid­mengen, die in die Luft geblasen werden, sehr wahrscheinlich ist. Möglicherweise wird sogar der Wert des Vor-Corona-Jahres 2019 übertroffen. Seinerzeit kamen 805 Millionen Tonnen zusammen.

2020 waren es – bedingt durch Lockdowns – nur 739 Millionen Tonnen. Nun aber rückt das Klimaziel für 2030 in noch weitere Ferne. Dann sollen hierzulande nur noch 438 Millionen Tonnen emittiert werden. Der mit Abstand größte Anteil kommt dabei aus der Stromerzeugung.

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Für Burger bedeuten diese Zahlen, dass es nun eines „ambitionierten Einstiegsplan in die erneuerbaren Energien“ bedürfe. „Dafür müssen die Zubauraten bei Wind und Solar mindestens um den Faktor drei erhöht werden. Zusätzlich brauchen wir Batteriespeicher“, so der ISE-Forscher. Notwendig sei ferner eine „netzdienlich gesteuerte Ladung von Elektroautos“. Es geht darum, die über den Tag schwankende Erzeugung der Erneuerbaren und den ebenfalls schwankenden Stromverbrauch aneinander anzupassen.

Und: Zur Senkung der Emissionen sollten auch die Stromexporte reduziert werden. Insbesondere im Winter bei hohen Preisen an den Strombörsen produzieren die großen Kraftwerke noch immer große Mengen fossilen Strom, der für die Nachbarländer bestimmt ist.

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Steinkohle als Übergangslösung

Burger plädiert auch dafür, den Kohleausstieg umzustrukturieren. „Wir sollten zuerst aus der Braunkohle aussteigen, denn sie hat die höchsten CO₂-Emissionen und emittiert zusätzlich viele giftige Stoffe wie Arsen, Blei und Quecksilber in großen Mengen.“

Bei Steinkohle­kraftwerken fallen hingegen nicht nur weniger Giftstoffe und weniger Kohlendioxid an. „Zudem haben sie den Vorteil, dass ihre Leistung relativ schnell hoch- und runtergefahren werden kann“, so Burger, der vorschlägt, dass diese Anlagen bis 2030 dafür eingesetzt werden, um bei Engpässen in der Stromerzeugung kurzfristig einzuspringen. Dies erhöhe auch die Versorgungssicherheit.

Der Kohle­ausstiegsplan sieht bislang vor, dass die letzten Braunkohle-Kraftwerke erst Ende 2038 stillgelegt werden. Das Abschalten zahlreicher Steinkohle­kraftwerke läuft bereits und soll in den nächsten Jahren forciert werden.

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Die Ampelkoalition strebt nun an, den Kohleausstieg bis 2030 zu schaffen. Zugleich soll dann der Anteil der Erneuerbaren bei 80 Prozent liegen. BDEW-Chefin Kerstin Andreae betont, dass zum Erreichen der Ziele „ein großes Stück Arbeit“ vor uns liege – insbesondere mit Blick auf den Stromverbrauch, der deutlich steigen werde.

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