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Klimaschutz: Mit diesen vier Maßnahmen kann jeder seine CO₂-Bilanz verbessern

  • Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat ausgerechnet, wie viel CO₂ jeder Einzelne sparen könnte, wenn er seinen Alltag ein wenig umstellt.
  • Dazu gehört, weniger Lebensmittel wegzuschmeißen und weniger Fleisch zu essen.
  • Aber auch Shopping ist ein wichtiger Faktor.
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Hannover. Mehr als elf Tonnen CO₂-Äquivalente verursacht jeder Bundesbürger im Durchschnitt pro Jahr. Das geht aus Zahlen des Bundesumweltamts hervor. Dazu zählt Kohlendioxid (CO₂), aber auch Gase, die eine ähnlich klimaschädliche Wirkung haben wie Methan oder Lachgas. Die Treibhausgase werden von jedem Bundesbürger zum Beispiel durchs Wohnen und Heizen oder den Stromverbrauch verursacht. Aber auch Reisen, Konsum und Ernährung spielen eine Rolle.

Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben nun errechnet, wie unsere täglichen Konsumentscheidungen die persönliche CO₂-Bilanz verbessern können. Sie schlagen vier Maßnahmen vor, mit denen jeder Einzelne pro Jahr Hunderte Kilogramm CO₂ einsparen kann.

1. Weniger Lebensmittelverschwendung: 74 Kilogramm CO₂

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Rund 75 Kilogramm Lebensmittel werden in Deutschland pro Jahr und Person weggeschmissen, etwa die Hälfte davon sind Obst und Gemüse. Das ist auch ein Problem fürs Klima. Denn vor allem Obst und Gemüse verursachen beim Anbau viele Treibhausgase. „Ackerbau, Bewässerung, Treibhäuser, Dünger, das alles belastet das Klima“, sagt IW-Autor Roland Kube. Wenn die Lebensmittel dann gar nicht gegessen, sondern weggeworfen werden, wurden die Emissionen umsonst in die Luft geblasen.

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Würde jeder bei sich zu Hause nur noch die Hälfte der Lebensmittel wegschmeißen, könnte laut dem IW-Bericht jeder Einzelne seinen ökologischen Fußabdruck um 74 Kilogramm CO₂-Äquivalente pro Jahr reduzieren.

2. Weniger Fleisch: 120 Kilogramm CO₂

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Der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland liegt bei 57 Kilogramm pro Person und Jahr, was laut den IW-Forschern etwa 630 Kilogramm CO₂-Äquivalente bedeutet. Wer seinen Fleischkonsum um nur 20 Prozent reduziert, könnte also rund 120 Kilogramm Emissionen einsparen.

Dabei kommt es aber auch darauf an, welches Fleisch wir essen. Denn die Produktion von Rindfleisch ist wesentlich emissionsintensiver als die von anderen Masttieren. So verursacht die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch etwa 30 Kilogramm CO₂-Äquivalente, bei Schweinefleisch und Geflügel sind es nur vier Kilogramm. „Das liegt vor allem daran, dass Rinder durch ihre Verdauung sehr viel Methan emittieren. Außerdem brauchen Rinder mehr Nahrung und Wasser, um ein Kilogramm Fleisch anzusetzen“, erklärt Kube.

3. Weniger Kleidung: 140 Kilogramm CO₂

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Mode wird immer schnelllebiger. 56 neue Kleidungsstücke kauft jeder Bundesbürger durchschnittlich pro Jahr und verursacht damit laut IW rund 680 Kilogramm CO₂-Äquivalente. Würde jeder 20 Prozent weniger Kleidung kaufen, also jedes fünfte Kleidungsstück im Geschäft lassen, würde das laut IW einer Einsparung von 140 Kilogramm Treibhausgasen pro Person und Jahr entsprechen.

„Der Fast-Fashion-Trend ist definitiv ein Emissionstreiber“, sagt IW-Klimaforscher Kube. „Auf der einen Seite wird die Mode immer kurzlebiger, und viele Kleidungsstücke werden nach nur einer Saison schon nicht mehr getragen. Auf der anderen Seite halten Kleidungsstücke auch oft nicht mehr lange.“ Kube verweist außerdem darauf, dass die Herstellung von Kleidung klimafreundlicher werden muss. Das reiche von einem sparsameren Einsatz von Chemikalien bis zu energieeffizienteren Maschinen.

4. Weniger Flugreisen: 270 Kilogramm CO₂

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Flugreisen gehören zu den Klimakillern schlechthin. Schon auf einer kurzen innerdeutschen Flugstrecke etwa von Hamburg nach München verursacht jeder Reisende auf dem Hin- und Rückweg etwa 310 Kilogramm CO₂. Würden Reisende die gleiche Strecke mit der Bahn fahren, könnten sie laut den IW-Forschern mehr als 270 Kilogramm CO₂ einsparen. „Inlandsflüge kann man gut ersetzen. Das ist eine sehr einfache, aber effiziente Maßnahme, um CO₂ zu reduzieren, für die sich niemand groß einschränken muss“, sagt Kube.

Schwieriger ist das beim Sommerurlaub, aber auch hier lohnt sich mit Blick aufs Klima ein Verzicht. „Wenn Sie mit einer vierköpfigen Familie von Düsseldorf nach Mallorca fliegen, setzt das für Hin- und Rückflug mehr als zwei Tonnen CO₂ frei. Das ist in etwa so viel, als würden Sie 12.000 Kilometer mit dem Auto fahren.“

Hintergrund

Treibhausgase sind mitverantwortlich für den Klimawandel. Denn mit einer größer werdenden Konzentration dieser Gase in der Atmosphäre gelangt immer weniger langwellige Wärmestrahlung in den Weltraum. Dadurch heizt sich die Erde immer weiter auf.

Um dem zu begegnen, hat die Staatengemeinschaft im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbart, den Ausstoß an Treibhausgasen deutlich zu verringern. Die deutschen Minderungsziele sind im Klimaschutzgesetz festgelegt, das gerade nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aktualisiert wurde. Demnach soll Deutschland 2045 treibhausgasneutral sein, also nicht mehr Treibhausgase erzeugen als zum Beispiel durch Pflanzen gebunden werden.

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2020 wurden in Deutschland 739 Millionen Tonnen und damit 8,7 Prozent weniger Treibhausgase freigesetzt als noch 2019. Das ist der größte Rückgang seit 1990, Forscher sprechen von einem „Corona-Effekt“. Im Vergleich zu 1990 sanken die Emissionen bis 2020 um 40,8 Prozent.

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