Übersicht zum Klimapaket: 134 Euro mehr fürs Heizen, 173 Euro weniger für Strom

  • Die Einigung zum Klimapaket steht - und es wird immer konkreter, wie viel das Vorhaben Verbraucher kosten wird.
  • So könnten etwa die durchschnittlichen Heizkosten um 134 Euro steigen - während die Stromkosten um bis zu 173 Euro fallen dürften.
  • Beim Sprit sind die Auswirkungen schwer zu beziffern.
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Essen. Mit dem nun festgezurrten Klimapaket steht fest, dass klimaschädliches Verhalten teurer wird. Denn der ab 2021 geltenden Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 schlägt vor allem bei Sprit, Heizöl und Erdgas zu Buche. Zugleich sind Entlastungen beim - zunehmend aus regenerativen Quellen stammenden - Strom geplant.

Ursprünglich hatte die Große Koalition nur 10 Euro pro Tonne CO2 als Einstiegspreis für 2021 geplant. In den Nachverhandlungen vor der Bundesratsentscheidung entschied man sich nach heftiger Kritik aber für das neue Preisniveau. Bis 2025 soll der CO2-Preis auf 55 Euro steigen, während zugleich höhere Entlastungen geplant sind.

Klimapaket: Heizkosten steigen

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Der ab 2021 geltende CO2-Preis in Höhe von 25 Euro pro Tonne verteuert Heizöl und Erdgas deutlich. Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund und des Energiedienstleisters Ista gehen davon aus, dass die Heizkosten einer Durchschnittswohnung dann um 45,61 Euro pro Jahr steigen dürften. Weil der CO2-Preis in den Folgejahren weiter steigt, erwarten die Wissenschaftler 2025 Mehrkosten in Höhe von 100,34 Euro.

Bei Ölheizungen sind die Mehrkosten höher. Ab 2021 müssen diejenigen, die ihren Wohnraum mit Öl warm halten, jährlich 60,71 Euro mehr berappen. Bis 2025 steigt die durchschnittliche zusätzliche Belastung um 133,57 Euro.

Allerdings plant die Bundesregierung, Sanierungen und Umbauten zur Reduzierung des Verbrauchs zu finanzieren. Wie sich das im Einzelfall finanziell auswirkt, ist schwer zu bestimmen.

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Für den Wechsel von Ölheizungen auf klimaverträgliche Alternativen ist eine Austauschprämie in Höhe von 40 Prozent der Kosten geplant. Auch die energetische Sanierung von Wohnhäusern soll bezuschusst werden. Im Gespräch ist eine Lösung, bei der die Kosten dafür von der Steuer abgesetzt werden können - was auf etwa 20 Prozent Bezuschussung hinausliefe.

Klimapaket: Stromkosten sinken

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Von den Einnahmen, die der Staat dank des höheren CO2-Preises erzielt, sollen ab 2021 etwa 5,4 Milliarden Euro in eine Reduzierung der sogenannten EEG-Umlage fließen. Laut Bundesfinanzministerium senkt das die EEG-Umlage um etwa 2,08 Cent. Einschließlich Mehrwertsteuern bringt das bei einem Durchschnittshaushalt, der laut dem Vergleichsportal Check24 4250 Kilowattstunden verbraucht, etwa 93,50 Euro pro Jahr Ersparnis.

Bis 2025 soll die EEG-Umlage weiter reduziert werden: Das Bundesfinanzministerium geht von etwa 3,42 Cent weniger pro Kilowattstunde aus. Ausgehend von der aktuellen EEG-Umlage - die sich aber bis 2025 noch ändern kann - läge die jährliche Ersparnis des Durchschnittshaushalts etwa bei 173 Euro.

CO2-Preis: Benzin und Diesel werden teurer

Auch Benzin und Diesel werden durch den CO2-Preis in Höhe von 25 Euro pro Tonne teurer. Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit einem Preisanstieg um durchschnittlich 7 Cent (Benzin) und knapp 8 Cent (Diesel) pro Liter ab 2021. Bis 2025 könnten die Mehrkosten auf 15,5 Cent (Benzin) und 17,37 Cent (Diesel) steigen.

Bei durchschnittlichem Spritverbrauch (7 Liter/100 km) und durchschnittlichem Fahrverhalten (20.170 Kilometer pro Jahr) schlägt sich das bei Dieselfahrern mit 113 Euro Mehrkosten pro Jahr zu Buche. Ab 2025 wären es 254 Euro pro Jahr.

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Weil sie seltener als Dienstwagen eingesetzt werden, liegen Benziner nur bei 10.561 Kilometer pro Jahr, der Durchschnittsverbrauch liegt bei 7,8 Litern auf 100 Kilometer. Rechnerisch verteuert der CO2-Preis den Sprit hier also um 58 Euro pro Jahr. Ab 2025 sind es jährlich 128 Euro.

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CO₂-Preis soll höher ausfallen als bisher geplant
1:24 min
Bei den Verhandlungen über das Klimapaket haben Vertreter von Bund, Ländern und Bundestagsfraktionen eine Einigung auf einen höheren CO₂-Preis erzielt.  © Christoph Höland/dpa

Schwer bezifferbare Entlastungen

Berufspendler werden allerdings durch die geplante höhere Pendlerpauschale entlastet. Dabei gilt die Faustformel, dass ein sehr sparsames Fahrzeug tendenziell dazu führt, dass die Entlastung die geplanten Mehrkosten sogar übersteigt, wie Ökonom Bach jüngst ausgerechnet hat. Bei Geringverdienern kommt die Entlastung wegen des niedrigen Grenzsteuersatzes je weniger zum Tragen, desto mehr das Auto verbraucht.

In den Zahlen gar nicht einbezogen ist, dass die Bundesregierung andere Mobilitätsformen günstiger macht. So sinken die Preise für Zugfahrten ab 2020 um 10 Prozent. Außerdem werden derzeit E-Autos massiv subventioniert. Das dürfte den Anteil der Stromer, die keine Mehrbelastungen befürchten müssen, in absehbarer Zeit deutlich steigen lassen. Zugleich zeichnen sich mehr günstige Elektroautos für den Massenmarkt ab.

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Hinweis: Die ursprüngliche Rechnung zu den Spritpreisen wurde korrigiert.

mit dpa

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