• Startseite
  • Wirtschaft
  • Klimaneutrales Busreisen: Vier Firmen wollen Diesel durch Wasserstoff ablösen

Vier Firmen wollen Busreisen klimaneutral machen – drei kommen aus Deutschland

  • Der Verkehr hat in Deutschland noch keinen angemessenen Beitrag zum Klimaschutz geleistet.
  • Bei Langstreckenbussen soll sich das bald ändern, findet ein Firmenkonsortium, das eine Wasserstoffbus entwickeln will.
  • Bis 2024 soll die Technik serienreif sein – der Hersteller des Busses ist aber noch geheim.
|
Anzeige
Anzeige

München. Reisebusse gelten als relativ umweltfreundliches Transportmittel. Wer 400 Kilometer im Bus statt mit dem Auto fährt, spart im Schnitt 6,6 Kilogramm des Klimakillers Kohlendioxid (CO₂) ein, hat das Umweltbundesamt berechnet. Knapp 15 Kilo CO₂ pro Person stößt der Bus auf der Strecke aber dennoch aus.

Vier Firmen treten nun an, um die Emissionen von Busreisen möglichst auf Null zu reduzieren. Hyfleet heißt das Projekt, das vom Bundesverkehrsministerium gefördert wird. Dabei treten der Münchner Fernbusanbieter Flixmobility, der hessische Technologiezulieferer Freudenberg, der Autozulieferer ZF Friedrichshafen und ein nicht genannter Bushersteller an.

Welcher Hersteller das ist, verrät das Hyfleet-Projektkonsortium noch nicht. Der Busbauer soll aus Europa, aber dem Vernehmen nach nicht aus Deutschland kommen, womit sowohl Daimler als auch MAN ausscheiden. Theoretische Kandidaten wären damit Solaris aus Polen oder Caetano in Portugal, die bereits Wasserstoffbusse für den Stadtverkehr bauen. Auch Volvo aus Schweden kommt in Frage.

Anzeige

Ziel ist es, Diesel- durch Wasserstoffantriebe abzulösen. „Wir sind stolz darauf, mit Freudenberg und ZF bis 2024 den ersten brennstoffzellenbetriebenen Fernbus in Europa zu entwickeln“, sagt Flixmobility-Chef Andre Schwämmlein.

Reichweite: Mindestens 500 Kilometer

Das Herz des zeitlich ehrgeizigen Vorhabens steuert mit einem Brennstoffzellensystem für mindestens 500 Kilometer Reichweite die Freudenberg-Tochter „Freudenberg Sealing Technologies (FST)“ bei. „Wir brauchen Lösungen für die Langstrecke“, weiß FST-Chef Claus Möhlenkamp. Denn rein batterieelektrisch könnten Busse wie Lkw nur innerstädtisch und auf anderen kurzen Strecken sinnvoll betrieben werden. Zu groß und teuer würden die Batterien für längere Distanzen.

Speziell Reisebusse müssen zudem schnell ans Ziel kommen und können sich keine langen Stopps zum Laden erlauben. An Brennstoffzellen, die unterwegs per Wasserstoff den nötigen Antriebsstrom erzeugen, führt deshalb kein Weg vorbei, meint zumindest das Projektkonsortium.

Anzeige

Es ist nicht die erste alternative Antriebsvariante, die Flixbus ausprobiert. Schon im Test sind biogasbetriebene und batterieelektrische Fernbusse auch teils mit Solarzellen bestückt. Die größten Hoffnungen setzt das 2013 gestartete Unternehmen aber auf die Wasserstofftechnik. „Brennstoffzellen als Antriebstechnik sind Teil der grünen Mobilitätsrevolution“, meint Schwämmlein.

Technologiepartner Freudenberg glaubt die bis 2024 auch schon in Serie zu bezahlbaren Preisen liefern zu können. Die Ergebnisse des Busantriebs seien auch auf den Güterverkehr mit schweren Lkw übertragbar, betonen die Hessen. Damit wären sie vor allem was die Serienreife betrifft schneller als jede andere vergleichbare Entwicklung.

Im Lkw-Bereich gilt hier zu Lande Daimler Truck als Vorreiter der Wasserstofftechnik. Mit Brennstoffzellen angetriebene Laster mit bis zu 1000 Kilometer Reichweite planen die Stuttgarter in Serie aber erst ab 2027. Eine Straßenzulassung hat der Prototyp des Mercedes GenH2 Lastwagens bereits.

Mit Volvo wurde dieses Jahr zudem das Gemeinschaftsunternehmen Cellcentric für Lkw-Brennstoffzellen gegründet. Im Busbereich mit den Marken Mercedes und Setra profitiere man von den Entwicklungen beim Lkw, gehe erste Schritte dort aber im Nahverkehr bei Stadtbussen, erklärt eine Daimler-Sprecherin.

Es hapert am Wasserstoff-Tankstellen

Anzeige

Beim Thema Reisebus auf Langstrecken beobachte Daimler noch die Entwicklung – vor allem die der Infrastruktur. Denn für diesen Anwendungsfall brauche es ein dichtes Netz an Wasserstofftankstellen. Fernbusse seien im Gelegenheitsverkehr auf ständig wechselnden Routen unterwegs. Eine Grundversorgung an Wasserstofftankstellen entlang Hauptrouten reiche dafür anders als beim Lkw nicht.

Das sieht Flixbus für den eigenen Bedarf mit festen Fahrtrouten von Stadt zu Stadt anders. Zusammen mit über 500 Partnern betreibt das Unternehmen Europas größte Flotte mit mehr als 4000 Fernbussen im Linienbetrieb. Aus Sicht von Freudenberg können Reisebusse deshalb sogar eine Vorreiterrolle beim schnellen Umstieg auf Wasserstoffmobilität spielen. Mit ihnen wäre eine entlang der meistbefahrenen Autobahnen entstehende Tankstellen-Infrastruktur zuverlässig ausgelastet, argumentieren die Hessen.

Mit ihrem Brennstoffzellenantrieb peilen sie eine Langlebigkeit und Laufleistung von über einer Million Kilometer wie bei heutigen Dieselmotoren an, um diese im Busbereich ab 2024 vollständig ersetzen zu können. Auch gegenüber asiatischen Herstellern glaubt sich Freudenberg nicht verstecken zu müssen.

Beim Einsatz von Brennstoffzellen im Pkw seien Japaner und Südkoreaner zwar weit. Für Busse und Lkw lägen die technologischen Anforderungen aber anders. Da sei es offen, wer zuerst ans Ziel kommt.

Anzeige

Allen Ansätzen gemeinsam ist aber, dass wirklich klimaneutrale Wasserstofftechnik auch grünen Wasserstoff in ausreichender Menge benötigt. Denn nur diese Variante erzeugt bei der Herstellung kein CO₂. Flixmobility versichert, für den Betrieb von Brennstoffzellenbusse ausschließlich grünen Wasserstoff zu verwenden, der nachhaltig und mit erneuerbaren Energien hergestellt wurde.

Dazu kooperiere man mit Infrastruktur- und Energieanbietern, heißt es in dem Punkt allerdings noch recht vage.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen