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  • Klima: Umweltschädliche Folgen des Internets und Digitaltechnik ist Deutschen bewusst

Klimaschädliches Internet: Beim Komfort wollen viele keine Abstriche machen

  • Deutsche sind bei der Nutzung von Digitaltechnik teils klimabewusst.
  • Sie würden aber eher auf das Reisen, Fleisch oder ihren Fernseher verzichten als auf das Internet.
  • Das zeigt eine neue Studie des Digitalverbandes Bitkom.
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München. Mehr als 60 Millionen Deutsche nutzen das Internet und produzieren so indirekt erhebliche Mengen des Klimakillers Kohlendioxid (CO₂). Sie sind sich dessen in weiten Teilen bewusst und haben begonnen, klimabewusst zu handeln. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des heimischen Digitalverbands Bitkom zum Nutzungsverhalten der Deutschen mit Blick auf Internettechnologien.

„Die meisten fassen sich auch an die eigene Nase“, bilanziert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder die repräsentative Studie, zu der gut 1000 Bundesbürger befragt wurden. Demnach löschen sechs von zehn Befragten überflüssige E-Mails, deren Speichern Energie kostet. Mehr als jeder Zweite schaltet Stand-by-Funktionen an elektronischem Gerät ab.

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Wenn es um den eigenen Komfort geht, schwinde das Umweltbewusstsein dagegen, stellt Rohleder klar. So streamen gerade 13 Prozent aller Befragten Filme aus dem Internet gezielt mit geringerer Auflösung, und nur jeder Fünfte kauft Geräte mit kleinerem Bildschirm, weil die in der Regel weniger Energie verbrauchen. Ähnlich wenige dimmen deren Helligkeit. Zudem gibt es deutliche Unterschiede im Verhalten verschiedener Altersgruppen.

Befragte benutzen kaum Ökosuchmaschinen

So sagen gut drei Viertel der über 50-Jährigen, sie würden elektronisches Gerät mit Internetzugang so lange wie möglich nutzen. Dazu sind aber nicht einmal mehr sechs von zehn 16- bis 29-Jährigen bereit. Allerdings aktivieren diese in ähnlicher Dimension die Energiesparfunktion ihrer Laptops und Monitore, während das kein Drittel aller 65-Jährigen tut. Allgemein dünn wird es beim Nutzen ökologischer Suchmaschinen wie Ecosia, wo bei Suchanfragen zum Beispiel Bäume gepflanzt werden. Solche Dienste nutzen gerade noch 6 Prozent.

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Allerdings haben vier von zehn Deutschen auch angegeben, sie wüssten schlicht nicht, wie man mit Digitaltechnik dem Klima helfen kann. Das nimmt Rohleder den Befragten auch ab und folgert, dass die Bevölkerung über entsprechende Potenziale und individuell leicht zu treffende Maßnahmen besser informiert werden müsse.

„Digitale WLAN-Thermostate kann jeder einfach an seine Heizkörper schrauben und hat damit einen unmittelbaren Effekt“, wirbt der Bitkom-Manager beispielhaft. Der nutze in dem Fall sogar gleichermaßen den Klimaschutz wie dem jeweiligen Geldbeutel durch weniger Energieverbrauch beim Heizen.

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Für einen Radikalverzicht sind vor allem jüngere Deutsche allerdings nicht zu haben, wenn es um ihre Smartphones oder das Internet geht. Zwar können sich 38 Prozent aller Bundesbürger vorstellen, für den Klimaschutz auf das Fliegen zu verzichten und auch rund drei von zehn würden dafür kein Fleisch mehr essen oder den Fernseher abschalten. Aber nur 16 Prozent wären bereit, ihr Smartphone zu opfern oder 13 Prozent den Gang ins Internet. Ein Auto abzuschaffen oder gar nicht erst zu kaufen erwägen nur 6 Prozent aller Befragten.

Auch hier kommt es oft auf das Alter an. So würde fast jeder zweite 16- bis 29-Jährige auf das Fliegen verzichten. Internetverzicht dagegen kommt in dieser Altersgruppe nur noch für einen von hundert infrage.

Bitkom will intelligenteren Umgang

Enthaltsamkeit der totalen Art propagiert auch Bitkom nicht, wohl aber intelligenteren Umgang mit Digitaltechnik. „Das CO₂-Einsparpotenzial digitaler Technologien ist fünfmal höher als ihr eigener Fußabdruck“, sagt Rohleder und beruft sich dabei auf Berechnungen seines Verbands. Haben könnten das Wirtschaft sowie Verbraucherinnen und Verbraucher, also die gesamte Gesellschaft gemeinsam. Dann könne Digitaltechnik mehr als ein Drittel dazu beitragen, dass Deutschland seine Klimaziele bis 2030 erreicht.

Die deutsche Bevölkerung denkt ähnlich. Fast neun von zehn Befragten sagen, dass nur die Gesellschaft als Ganzes dem Klima helfen kann. Nur ein Zehntel sieht einseitig Politik, Wirtschaft oder Verbraucherinnen und Verbraucher in der Pflicht.

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