Von App bis Sparschwein: So lernen Kinder den richtigen Umgang mit Geld

  • Experten betonen, wie wichtig es ist, dass Kinder den richtigen Umgang mit Geld erlernen.
  • Denn heute wird viel Finanzielles über das Internet geregelt, sodass es schwer fallen kann, den Überblick zu behalten.
  • Helfen können etwa spezielles Taschengeld-Apps für Kinder.
Alena Hecker
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Etwas mehr als drei Euro Taschengeld zahlen Eltern ihren sechs- bis neunjährigen Kindern hierzulande im Durchschnitt pro Woche. Bei den meisten plumpsen Geldstücke ins Sparschwein – zu Recht, wie Experten einhellig betonen.

Grenzensetzen ist wichtig

“Bargeld lässt sich besser kontrollieren”, so Finanzberaterin Adrienn von Tóth. “Wir gehen bewusster damit um, setzen automatisch Prioritäten. Bei virtuellem Geld stellt sich kein Gefühl ein, es fördert den Konsum.” Sie bietet unter anderem Elternkurse zum Thema “Kinder und Finanzen” an und nennt in dem Zusammenhang gerne das Beispiel ihres eigenen Sohns, dem die Eltern ein Bowlingspiel für die Spielekonsole geschenkt hatten. “Er hat viel gespielt und war richtig gut.” Umso größer die Enttäuschung, als er eines Tages vor der echten Bowlingbahn stand und lernen musste, wie schwierig das Spiel in der Realität war. Ihre Empfehlung: “Bitte immer reale Erfahrung vor der virtuellen Erfahrung.”

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Doch spätestens, wenn Kinder ihr eigenes Smartphone besitzen, bekommt auch virtuelles Geld einen Reiz: Klingeltöne bestellen, Kleinigkeiten fürs Onlinespiel einkaufen, kostenpflichtige Apps laden – für all das genügt ein kleiner Fingertipp und das Geld ist unterwegs.

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Wenn es um Einkäufe im Internet und per App geht, rät von Tóth den Eltern, im Gespräch mit ihrem Kind zu bleiben und gemeinsam zu klären, was es sich kaufen wolle und warum. “Da geht es um Medienpädagogik und Konsumkompetenz, das geht über die reine Gelderziehung hinaus.” Eltern sollten nicht reflexhaft alles verbieten, aber auch keine Scheu davor haben, Grenzen zu setzen.

Eine App für das Taschengeld

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In anderen Ländern gehören Geld-Apps für Kinder und Jugendliche schon zum Alltag. In Schweden ist Gimi, ein Art Spar-App, seit ein paar Jahren auf dem Markt und rund eine Million Mal heruntergeladen worden. Eltern können ihren Kindern darüber Taschengeld aufs Konto laden oder sie für kleine Hilfsarbeiten bezahlen.

In der Schweiz regeln fast zwei Millionen Menschen ihre Geldgeschäfte mithilfe der App Twint. Jugendliche lassen sich darüber das Taschengeld überweisen, verleihen Geld oder schicken geliehene Beträge an Freunde zurück. Noch funktioniert Twint ausschließlich in der Schweiz, doch das Unternehmen kündigte bereits an, ins Ausland expandieren zu wollen und in Kooperation mit anderen Anbietern eine europäische Alternative zu den großen Bezahldiensten wie Google Pay oder Apple Pay schaffen zu wollen.

Hierzulande hat der Deutsche Sparkassenverlag mit der KNAX-Taschengeld-App eine Möglichkeit geschaffen, Kinder mit virtuellem Geld vertraut zu machen. Nach einer Registrierung können Eltern für ihre Kinder beliebig viele Konten eröffnen und festlegen, wann wie viel Geld darauf eingehen soll. So ist sichergestellt, dass niemand den Zahltag des Taschengeldes verpasst. Ein echtes Konto ist nicht notwendig, als Bank fungieren die Eltern: Zusammen mit ihnen können Kinder den Kontostand einsehen, Sparziele festlegen und auch von unterwegs Beträge ein- oder auszahlen lassen.

Vorsicht mit Prepaid-Kreditkarten

Für den Fall, dass der Nachwuchs unabhängig von den Eltern im Internet shoppen gehen oder kostenpflichtige Apps kaufen will, bieten Banken Prepaid-Kreditkarten an. Wie beim Handy wird diese Karte mit einem bestimmten Betrag aufgeladen, den das Kind verbrauchen kann. Dabei ist wichtig zu wissen: Auch mit der Prepaid-Kreditkarte kann das Konto überzogen werden und ins Minus rutschen – etwa, wenn ein Kind die Karte zum Bezahlen im Laden nutzt, der nicht übers Internet den aktuellen Kontostand prüft.

Das Verbraucherportal Finanztip hat verschiedene Prepaid-Kreditkarten getestet. Für Kinder zwischen zehn und 18 Jahren empfiehlt es die zum Kinderkonto “My First Giro” gehörende Prepaid-Karte der Volkswagen Bank. Ebenfalls empfehlenswert ist laut Finanztip die DKB-Prepaid-Karte zum Jugendkonto Cash U18. Bei der Commerzbank können Jugendliche ab 14 Jahren eine Prepaid-Karte bekommen, ohne vorher ein Konto dort eröffnet zu haben. Mit vielen Karten ist es auch möglich, kontaktlos zu bezahlen. Geldabheben ist für Minderjährige mit den Karten immer kostenlos.

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Schutz vor ungewollten Einkäufen

Manchmal reicht schon ein Tipp aufs Werbebanner oder ein versehentlicher Wisch, um Abos abschließen oder Geld auszugeben für kostspielige Kleinigkeiten. Doch es gibt Möglichkeiten, um solche ungewollten Ausgaben zu verhindern.

  • Drittanbietersperre einrichten. Sie schützt davor, dass ungewollte Käufe über die monatliche Handyrechnung abgewickelt werden können. Beauftragt werden kann sie per Brief, per Mail oder über die App des Mobilfunkanbieters. Oft lassen sich Kategorien wie “Abo”, “Erotik”, “Software” und weitere getrennt voneinander sperren.
  • Family Link nutzen. Bei Google können Eltern darüber für ihr mindestens 13 Jahre altes Kind ein eigenes Konto anlegen und darüber entscheiden, welche Inhalte es sehen und ob bzw. was es darüber kaufen darf.
  • In-App-Käufe sperren. Durch bestimmte Einstellungen im Smartphone stellen Eltern sicher, dass ihre Kinder nicht ungewollt Geld für Spielfeatures ausgeben. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Apple und Android bietet die Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite an.
  • Zahlungsdaten nicht speichern. Wenn im App Store keine Zahlungsdaten hinterlegt sind, hat das Kind gar nicht erst die Möglichkeit, Geld für Apps und andere Store-Inhalte auszugeben. Beim Google-Play-Konto ist es zudem möglich, entsprechende Jugendschutzeinstellungen zu aktivieren, um die Nutzung bestimmter Apps oder Funktionen für Kinder und Jugendliche einzuschränken.
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