Keine Bonpflicht mehr: Dresdner Backhaus erhält Ausnahmeregelung

  • Das Dresdner Backhaus ist nicht mehr verpflichtet, seinen Kunden Kassenbons auszustellen.
  • Die Bäckereikette hatte einen Antrag beim Finanzamt Dresden-Süd gestellt und erhielt eine Ausnahmeregelung.
  • In Frankreich wird die Bonpflicht ab 2020 eingeschränkt: Für Einkäufe von bis zu 10 Euro sollen Einzelhändler keinen Beleg mehr ausstellen.
Laura Beigel
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Dresden. Seit dem 1. Januar 2020 gilt in Deutschland die Bonpflicht. Diese verpflichtet alle Einzelhändler, für jeden Einkauf Belege auszustellen, um so Steuerhinterziehungen zu vermeiden. Andere beurteilen die Kassenbonpflicht wiederum als reine Papierverschwendung. Großer Widerstand regt sich auch bei den Bäckereien, die teilweise für Centbeträge Belege ausdrucken müssen. Das Dresdner Backhaus nimmt zukünftig allerdings eine Sonderstellung ein: Die Bäckereikette ist nicht mehr verpflichtet, Kassenbons auszustellen.

Anträge anderer Bäckereien wurden abgewiesen

Mit einem zehn Zeilen umfassenden Antrag hatte sich das Dresdner Backhaus an das Finanzamt Dresden-Süd gewandt. „Wir haben darin angegeben, wie viele Fachgeschäfte wir haben, unseren durchschnittlichen Jahresumsatz und wie viele Kunden kommen“, sagte Leiterin Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller dem MDR Sachsen. Die Radioanstalt hatte zuerst über die Sonderregelung berichtet. Eine ausführliche Begründung des Finanzamtes habe Kreutzkamm-Aumüller jedoch nicht erhalten.

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Auch die „Dresdner neuesten Nachrichten“ berichteten über den Fall.

Nach Angaben der Sächsischen Bäckerinnung hätten auch andere Bäckereien Anträge auf Ausnahmeregelung gestellt. Diese seien jedoch abgelehnt oder noch gar nicht bearbeitet worden. Warum ausgerechnet das Dresdner Backhaus eine Zusage erhielt, kann sich Kreutzkamm-Aumüller selbst nicht ganz erklären. Sie vermutet, dass es an den Umsätzen der Bäckereikette liegen könnte. Denn im Schnitt kaufe jeder Kunde nur für 3 bis 4 Euro ein – laut Kassensicherungsverordnung ein Grund für die Befreiung von der Kassenbonpflicht.

3 bis 4 Euro geben Kunden im Durchschnitt in den Geschäften des Dresdner Backhauses aus. Der geringe Umsatz ist ein Grund für die Befreiung von der Kassenbonpflicht. © Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
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Frankreich schränkt Kassenbonpflicht ab 2020 ein

Andere Bäckereien denken inzwischen um: So sollen Kunden einer Backstube im Saarland zukünftig über die App Grüner Bon einen Beleg auf ihr Smartphone bekommen. Kassierer können dann mit einem Scanner über einen QR-Code die Rechnung in die Beleg-App des Kunden übertragen. Somit muss der Bon nicht mehr ausgedruckt werden. Die Bäckerei Ways in Moosinning bei München setzt stattdessen auf einen essbaren Kassenbon. Dieser klebt auf dem sogenannten „Kassenbonkrapfen“ und besteht aus einer essbaren Zuckermasse.

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Eigentlich sollte der essbare Bon nur ein Spezialangebot für die Faschingszeit sein. Nach dem großen Erfolg könnte er jedoch länger im Angebot bleiben.

In der Bäckerei Ways in Bayern werden diese „Kassenbonkrapfen“ als Reaktion auf die Kassenbonpflicht angeboten. © Quelle: Tobias Hase/dpa

Deutschland ist mit der Kassenbonpflicht allerdings kein Einzelfall. Auch im Nachbarland Frankreich sind Einzelhändler verpflichtet, Belege auszustellen. Allerdings sollen Einkäufe bis 30 Euro ab 2022 nicht mehr automatisch ausgedruckt werden müssen. Schon ab September 2020 soll diese Regelung bereits für Warenwerte bis 10 Euro gelten.