Karstadt Kaufhof: Verkleinern, um zu überleben?

  • Im Kampf um die Karstadt-Kaufhof-Filialen geraten Geschäftsführung und Verdi aneinander.
  • Der Abbau von Arbeitsplätzen wird kaum zu verhindern sein. Das klassische Warenhaus hat ausgedient.
  • Aber wenn es um innovative Konzepte geht, sind sich die Parteien näher, als sie denken, meint Frank-Thomas Wenzel.
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Den Beschäftigten und den Managern von Karstadt Kaufhof stehen anstrengende Wochen bevor. Mit hohem Einsatz auf beiden Seiten muss über die Schließung von Filialen entschieden werden – die Corona-Krise hat das höchst dringlich gemacht. Das Unternehmen braucht eine tiefgreifende und schmerzhafte Sanierung, um überleben zu können. Auf der einen Seite steht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die um jeden Arbeitsplatz und um jede Filiale kämpfen muss, das ist sie ihren Mitgliedern schuldig. Auf der anderen Seite die Geschäftsführung, die mit der Schließung von fast der Hälfte der rund 170 Warenhäuser droht.

Die Auseinandersetzung wird so schwierig, weil das Geschäftsmodell des Unternehmens zusehends zerbröselt. Das klassische Warenhaus hat ausgedient. Und kein Kunde weint ihm eine Träne nach. Denn es hat längst seine wichtigste Funktion eingebüßt. Es verdichtete das Angebot – vom Herrenanzug bis zum Kochtopf, schaffte damit Vielfalt und ermöglichte Preisvergleiche. Diese Rolle übernimmt heute längst das Internet.

Zudem kann die letzte hiesige Warenhauskette mit den Spezialisten – insbesondere im Kernsortiment Bekleidung – nicht mehr mithalten. Zara, H&M und Co. sind mit ihren Kollektionen schneller, preiswerter und oftmals auch trendiger.

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Hilft da nur noch der radikale Kahlschlag, der lediglich die großen Häuser in den besten Lagen der Metropolen verschont?

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Der Abbau von Arbeitsplätzen ist nicht zu verhindern

Keineswegs, die Sache ist komplizierter. Auch die 1A-Lagen sind bedroht. Das Missverhältnis von Verkaufsfläche und Umsatz nimmt zu. Zugleich entwickeln aber die Innenstädte der Metropolen als Erlebnisraum zum Zwecke der Freizeitgestaltung zunehmend Anziehungskraft. Und auch urbaner Büroraum bleibt trotz Corona begehrt.

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Darin steckt eine Chance für Standorte der Warenhäuser, die aber zugleich nach einem radikalen Umbau verlangt. Klar ist, dass die Verkaufsflächen verkleinert werden müssen. Neue Nutzungen werden entstehen. Das gilt in verstärktem Maß für Häuser in mittelgroßen Städten. Womöglich werden demnächst Filialen zu Hotels umgebaut. Und nur im Erdgeschoss wird noch Einzelhandel betrieben.

Bei der Entwicklung derartiger Konzepte sind sich Management und Arbeitnehmer vielleicht näher, als sie denken. Verdi fordert seit geraumer Zeit, dass die Sortimente auf die jeweilige Nachfrage vor Ort zugeschnitten werden müssen – und zwar in Kooperation mit den Verkäufern und Verkäuferinnen. Weil die am besten wissen, was der Kunde will. Das ist unerlässlich. Nur so lässt sich für viele Standorte zumindest ein lukrativer Kern des ursprünglichen Geschäfts retten – und sei es auch nur ein Feinkostmarkt.

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Zur bitteren Wahrheit gehört aber auch, dass der Abbau von Arbeitsplätzen nicht verhindert werden kann. Hier wird es in den nächsten Wochen darum gehen, die Schmerzen für die Betroffenen zu lindern. Mit fairen Angeboten für Altersteilzeit, mit Abfindungen und Fortbildungsangeboten.

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