WTO

IWF und WTO warnen vor Strafzöllen und Handelsbarrieren

Fernseher aus Korea, Software aus den USA und Autos aus Deutschland – die Weltwirtschaft ist zusammengewachsen. Angesichts des Handelsstreits zwischen den USA und China warnen internationale Organisationen wie IWF und WTO vor Versuchen, dies rückgängig zu machen.

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Genf. Die Welthandelsorganisation (WTO) warnt die Regierungen angesichts von Strafzöllen und anderen Handelshemmnissen vor einem „historischen Fehler“. Das auf bestimmten Regeln basierende Handelssystem zu schwächen, „wäre ein historischer Fehler - mit Auswirkungen für Jobs, Wachstum und Stabilität rund um die Welt“, sagte WTO-Chef Roberto Azevedo am Dienstag in Genf bei der Vorlage des Welthandels-Ausblicks.

Auch aus Sicht von IWF-Chefin Christine Lagarde befindet sich die Weltwirtschaft in einer heiklen Phase. Die Wachstumsgeschwindigkeit verlangsame sich weiter - unter anderem wegen anhaltender Handelsspannungen, sagte die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Dienstag in Washington. Andererseits wirkten sich die geduldigere Notenbankpolitik etwa in den USA sowie die stimulierende Geldpolitik in China positiv auf die Konjunktur aus.

WTO und IWF sind beide internationale Organisationen, die einem möglichst unbeschränkten Welthandel für eine Voraussetzung für globales Wirtschaftswachstum halten. Die WTO ist ein von vielen Ländern anerkanntes internationales Gremium zur Beilegung von Handelskonflikten. Der IWF ist eine UN-Organisation, die Ländern in Krisen beisteht und bei der Integration in die Weltwirtschaft hilft.

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Nach Einschätzung der WTO wird der Welthandel 2019 angesichts zahlreicher Unwägbarkeiten weniger zulegen als zuletzt. Die Organisation rechnet mit einem Wachstum des globalen Handelsvolumens um 2,6 Prozent, nach einem Plus von drei Prozent im vergangenen Jahr. Zuletzt war die WTO von einem Wachstum des Welthandels von 3,7 Prozent für dieses Jahr ausgegangen. Für 2020 sei mit einem Plus von drei Prozent zu rechnen.

"Der Welthandel wird 2019 und 2020 weiter starken Gegenwind spüren, nachdem er bereits 2018 aufgrund steigender handelspolitischer Spannungen und erhöhter wirtschaftlicher Ungewissheiten weniger stark als erwartet gewachsen ist", heißt es im WTO-Bericht. Eine Fortsetzung der Handelsstreitigkeiten bedeute einerseits das größte Risiko, eine Entspannung auf diesem Gebiet könne aber auch für eine positive Entwicklung sorgen.

Auch Lagarde warnte vor einer weiteren Verschärfung des Handelskrieges zwischen China und den USA. Sollten die USA Sonderzölle auf alle Warenimporte aus China erheben, würde dies die Wirtschaftsleistung in den USA um 0,6 Prozentpunkte verringern - in China sogar um 1,5 Punkte, wie der IWF errechnete.

„Es ist dringend nötig, dass wir die Spannungen lösen und uns darauf konzentrieren, den Welthandel auf einen positiven Pfad zu führen, der eine Antwort auf die wirklichen aktuellen Herausforderungen ist - wie der technologischen Revolution und dem Schaffen von Arbeitsplätzen“, sagte WTO-Chef Azevedo. Angesichts so vieler Unsicherheiten könne der Welthandel seine Rolle als Wachstumstreiber nicht wirklich voll entwickeln. Je größer die Unwägbarkeiten desto geringer fielen Investitionen und Konsum aus, warnte Azevedo.

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Von RND/dpa