IWF-Prognose: Handelskrieg bremst das globale Wachstum

  • Erst kürzlich verkündete Präsident Trump einen Waffenstillstand im Zollkonflikt mit China.
  • Doch das reicht nach Ansicht des IWF längst nicht aus.
  • Kanzlerin Merkel wirbt erneut für einen Kurs der offenen Märkte.
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Washington/Berlin. Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelskonflikt zwischen den USA und China lastet weiter auf der Weltwirtschaft. Daran wird nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch die jüngst verkündete Teileinigung der beiden größten Volkswirtschaften kaum etwas ändern. Der IWF senkte am Dienstag seine globale Wachstumsvorhersage für dieses Jahr auf nunmehr 3 Prozent - es war die vierte Reduzierung in Folge. Im Juli hatte der IWF noch ein Wachstum von 3,2 Prozent vorausgesagt. Auch für Deutschland wurde die Konjunkturprognose leicht gesenkt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Konjunkturentwicklung derweil als "besorgniserregend". Die CDU-Politikerin verwies bei einem Maschinenbau-Treffen in Berlin auf Handelskonflikte und Unsicherheiten über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. "Wir werden bis zur letzten Minute daran arbeiten, dass ein geregelter Austritt Großbritanniens erfolgt", sagte sie. Deutschland sei aber auch auf den anderen Fall vorbereitet.

Brexit als Risiko

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Ein ungeordneter Brexit könnte die Wirtschaft Großbritanniens innerhalb von zwei Jahren um 3 Prozent bis 5 Prozent einbrechen lassen, warnte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath in Washington vor Journalisten. Der IWF rechne in seiner jüngsten Wirtschaftsprognose aber mit einem geordneten Austritt Großbritanniens, sagte sie.

Neben dem Klimawandel, Brexit und anderen geopolitische Risiken - etwa im Nahen Osten - bezeichnete der IWF vor allem die Handelskonflikte als Wachstumsbremse. Für das kommende Jahr schraubte der IWF seine Prognose ebenfalls leicht herunter - auf jetzt 3,4 Prozent. 2018 war die Weltwirtschaft noch um 3,6 Prozent gewachsen.

Der IWF geht davon aus, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China die globale Wirtschaftsleistung bis 2020 um bis zu 700 Milliarden US-Dollar - oder 0,8 Prozent der Wirtschaftsleistung - schwächen könnte. Angesichts der jüngst verkündeten Teileinigung der Konfliktparteien würden es eventuell nur 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung sein, erklärte IWF-Chefökonomin Gopinath. Vieles sei aber noch unklar. "Wir sind gespannt auf die Einzelheiten des Handelsabkommens", sagte Gopinath. Sollten die bereits für Dezember geplanten Strafzölle - wider Erwarten - wegfallen, würde das Wachstum wohl nur um 0,6 Prozent geschwächt, erklärte sie weiter.

Merkel wirbt für offene Märkte

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Eine für Dienstag geplante Anhebung von US-Strafzöllen von 25 auf 30 Prozent auf chinesische Importe wurde in der Folge der Einigung auf Eis gelegt. Damit kommt zumindest Entspannung in den seit mehr als einem Jahr andauernden Konflikt, gelöst ist er aber noch lange nicht. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatten sich in dessen Verlauf immer weiter gegenseitig mit Strafzöllen überzogen.

Merkel warb erneut für weltweit offene Märkte. Mit Blick Trumps Kurs sagte sie, es gebe derzeit erhebliche Schwierigkeiten beim Multilateralismus. Sie werde sich mit aller Kraft dagegen stemmen. Auch der IWF mahnte, Länder müssten Handelsstreitigkeiten gemeinsam lösen und Hemmnisse abbauen. "Multilaterale Zusammenarbeit ist unverzichtbar, um einige der kurz- und langfristigen Probleme zu bewältigen." Entscheidungsträger müssten zusammenarbeiten, "um Spannungen im Handel zu beseitigen, die die globale Konjunktur geschwächt und Vertrauen verletzt haben", erklärte der IWF.

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Das schwächere Wirtschaftswachstum in China sei nicht nur auf die "eskalierenden Strafzölle" zurückzuführen, sondern auch auf eine sinkende Nachfrage im Land, betonte der IWF. Für 2019 wird ein leicht nach unten korrigiertes Wachstum von 6,1 Prozent in der Volksrepublik erwartet, im kommenden Jahr von 5,8 Prozent. Vergangenes Jahr hatte die chinesische Wirtschaft noch um 6,6 Prozent zugelegt.

Prognose für Deutschland korrigiert

Für Deutschland sei die internationale Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" in der ersten Jahreshälfte geringer gewesen als erwartet. Deshalb sei die Prognose leicht nach unten korrigiert worden, hieß es. Nun wird ein Wachstum von lediglich 0,5 Prozent erwartet. 2020 soll das Plus dann 1,2 Prozent betragen. Das sind 0,5 Prozentpunkte weniger als in der vorangegangenen IWF-Prognose im Juli. Für die Eurozone sagt der IWF ein Wachstum von 1,2 Prozent voraus. Im Juli lag die Prognose bei 1,3 Prozent. 2020 sollen es 1,4 Prozent werden.

Auch für die USA sagt der IWF schwächeres Wachstum voraus: Nach einem Plus von 2,9 Prozent im vergangenen Jahr wird 2019 nur noch ein Zuwachs von 2,4 Prozent erwartet. Die Prognose liegt für 2020 bei 2,1 Prozent und damit geringfügig besser als noch im Juli erwartet (1,9 Prozent). Sowohl Konsum als auch die Beschäftigung hätten sich positiv entwickelt. IWF-Chefsvolkwirtin Gopinath warnte allerdings, sowohl in der Eurozone als auch in den USA zeige der wichtige Dienstleistungsbereich bereits Schwächen.

Die neue Konjunkturprognose wurde im Rahmen der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington vorgestellt. Bei dem mehrtägigen Treffen beraten Zentralbanker, Finanzminister und Chefs von Großbanken aus aller Welt über die Herausforderungen für die Weltwirtschaft.

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RND/dpa