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Besserer Mobilfunk in den Zügen der Bahn

Highspeed-Internet im Zug: Bahn und Vodafone versprechen das Ende der Funklöcher

Fahrgastanzeige mit Bekanntmachung der Kooperation der Deutschen Bahn und Vodafone, am Gleis 2, Bahnhof Esslingen am Neckar, Baden-Württemberg, DEU, Germany, Deutschland - Zweitverwendung nach MFM, Belegexemplar an: mail@sebastian-berger.de, Copyright notice: Sebastian Berger www.sebastian-berger.de - Instagram: @sebastianberger.photography  CREDIT: Sebastian Berger - Affalterbacher Str. 32 - 71686 Remseck - Germany - mobile +49 174 2437129 - mail@sebastian-berger.de - www.sebastian-berger.de

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Frankfurt am Main. Eigentlich eine Win-win-win-Situation. Auf der Dienstreise ganz bequem im ICE die Nachrichten im Mail-Eingang bearbeiten. Während draußen die Landschaft vorbeirauscht. Hier ein Tweet, da ein Video-Call mit Kollegen. Und zur Entspannung danach vielleicht noch eine Folge der Lieblings-Netflix-Serie anschauen.

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Der Zug als Büro, Konferenzraum und Entspannungsort – als mobiler Lebensraum der gesteigerten Kategorie. So hat es Bahnchef Richard Lutz schon mehrfach beschworen. Doch das ist bislang eher graue Theorie. Bahnfahrer erleben auf vielen Strecken noch immer die typischen Symptome des Ich-hab-kein-Netz-Zeitalters. Doch bald soll es besser werden. Nutzer, Bahn und Mobilfunker (Win-win-win) sollen von lückenlosen Funkverbindungen profitieren. Der Digitalkonzern Vodafone und die Deutsche Bahn haben am Freitagmorgen eine „Infrastrukturpartnerschaft“ bekannt gegeben. Zum Zwecke des Aufbaus eines lückenlosen Netzes für mobiles Internet entlang der Schienenstränge mit vielen Fahrgästen.

Auf den 7800 Kilometer langen Hauptstrecken, dort fahren der Intercity Express und der Intercity, soll es bis Mitte 2025 Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 225 Megabit pro Sekunde geben – das ist schneller als derzeit bei den meisten hiesigen Festnetzanschlüssen. Die höchste Ausbaustufe der 5G-Mobilfunktechnik (5G+) soll zum Einsatz kommen. Das bringt nicht nur hohe Bandbreiten, sondern auch enorm kurze Reaktionszeiten. „Videokonferenzen funktionieren dann noch ruckelfreier“, heißt es in einer Mitteilung, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorab vorlag. Läuft alles nach Plan, können Bahnfahrer dann auch Onlinespiele in virtuellen Realitäten spielen.

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Nervige Funklöcher

Neun von zehn Bahnreisenden nutzen laut Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter unterwegs das mobile Internet. Sie ärgerten sich noch immer viel zu häufig über nervige Funklöcher. Jetzt werde endgültig Abhilfe geschaffen und eines der größten Ärgernisse für viele Millionen Pendler und Reisende behoben. Dafür soll die Funktechnik mit mehr als 1000 Einzelprojekten entlang der Haupt- und Nebenstrecken aufgerüstet werden, bis 2024 soll es eine „nahezu durchgängige“ Mobilfunkversorgung in den Zügen zu haben. „Wir legen mit den zusätzlichen Ausbaumaßnahmen an den Gleisen direkt los, sodass Bahnreisende schon deutlich früher als 2025 deutliche Verbesserungen bemerken werden“, sagte Ametsreiter dem RND. Die Qualität beim Surfen und Telefonieren werde sich kontinuierlich verbessern.

„Wir wollen nächstes Jahr operativ wieder Gewinn machen“ Bahnchef Richard Lutz im Videointerview

Reisen mit der Bahn wird „deutlich attraktiver, besser und vernetzter“ – aber umgekehrte Wagenreihungen sind auch in Zukunft nicht vermeidbar, so Richard Lutz.

Der Grund für die bislang dürftige Qualität des Mobilfunks im Zug: „Der Netzausbau an den Zugstrecken ist extrem herausfordernd, vor allem in Tunneln oder Naturschutzgebieten“, erläutert Ametsreiter, der zugleich den Weg zum Besseren weist: „Gemeinsam mit der Deutschen Bahn beschleunigen wir nun Genehmigungsprozesse und die Anbindung neuer Stationen, um schnelles Netz noch schneller an die Gleise zu bringen.“ Konkret bedeutet dies, dass die Bahn unter anderem entlang der Schienen Glasfaserleitungen verlegt, an die die Funkmasten von Vodafone angeschlossen werden. Es braucht starke Signale, denn die Personenwaggons sind im Grunde Mobilfunkabwehrfahrzeuge. Vor allem die speziellen Scheiben lassen kaum die digitalen Impulse durch.

Hinzu kommt, dass die hohen Geschwindigkeiten – insbesondere beim ICE – das Funken erschweren. Das macht unter anderem den Einsatz von Verstärkern, sogenannten Repeatern, am Zug nötig. Der sehr hohe Aufwand und die entsprechenden Kosten für hohe Qualität hatten die Mobilfunker dazu gebracht, die Masten entlang des Schienenstrangs mit spitzen Fingern anzufassen. Nun dürfte die Qualität des Empfangs beim Bahnfahren zu einem neuen Unterscheidungsmerkmal in der Telco-Branche werden.

Laxe Vorgaben von der Politik

Wobei die Bundesregierung schon vor Jahren die Zügel angezogen hatte – zumindest ein bisschen. Anfang 2020 mussten die Netzbetreiber einigermaßen schnelle Internetverbindungen für alle Hauptverkehrswege nachweisen. Das ist ihnen gelungen, hat aber nur beschränkte Aussagekraft. Denn gemessen wurden Download-Geschwindigkeiten direkt an den Masten nicht in den Zügen. Tests des Fachmagazins „Connect“ ergaben hingegen im vorigen Herbst, dass sich die Erfolgsquote beim Abrufen von Youtube-Videos im fahrenden Zug bei allen drei Netzbetreibern (Vodafone, Deutsche Telekom, Telefonica/O2) sogar verschlechtert hat.

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Ein maßgeblicher Grund dafür waren die zahlreichen Baustellen der Bahn: Mehr Züge mussten auf weniger befahrene Nebenstrecken umgeleitet werden, wo es mit der Konnektivität besonders finster aussieht. Was aber dennoch ein Hinweis auf die eher dürftige Situation ist. Erheblich besser läuft es derweil in der Schweiz, trotz vieler Tunnel, hoher Berge und tiefer Täler. Von „Connect“ gab es kürzlich erneut Bestnoten für die Empfangsqualität im Abteil.

Indes hatte die Deutsche Telekom bereits im Sommer vorigen Jahres ihre Ausbauoffensive neben den Gleisen vorgestellt. Mit ähnlichen Eckpunkten wie der ewige Rivale Vodafone: mindestens 200 Megabit bis Ende 2024 für die Hauptstrecken. Ende 2026 soll es in jedem Fall 100 Megabit im gesamten Bahnnetz geben. Wie wichtig Vorstandschef Tim Höttges dieses Projekt ist, wurde just auf der Hauptversammlung am Donnerstag deutlich. Er ließ es sich nicht nehmen, auf offener Bühne mittels eines Modells eines ICE den versammelten Aktionären zu erläutern, wie schwer es für die Funksignale ist, zu den Handys der fahrenden Nutzer zu kommen. Telefonica teilte hingegen auf RND-Anfrage mit, man treibe den Netzausbau fokussiert entlang der Bahnstrecken voran. Um die Netzversorgung noch weiter zu verbessern, müssten Netzbetreiber, Bahn und Politik jedoch gemeinsam an einem Strang ziehen und kooperative Rahmenbedingungen schaffen.

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