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Innenstadtgipfel: Altmaier will dem darbenden Einzelhandel unter die Arme greifen

  • Der Einzelhandel leidet massiv unter den Folgen der Pandemie – und soll nun Hilfe bekommen.
  • Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will den Geschäften stärker helfen.
  • Er macht sich für eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten und Hilfen beim Aufbau von Onlineshops stark.
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Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will eine Kampagne zur Belebung der Citys starten. „Der Erhalt der Innenstädte ist für mich auch eine Frage der kulturellen, der regionalen und der nationalen Identität“, sagte Altmaier am Dienstag nach einem virtuellen Innenstadtgipfel, an dem Vertreter des Handels, der Kommunen und Experten teilnahmen. Wichtig sei, eine Trendumkehr zu schaffen – mit einer Strategie, die dem schleichenden Verfall der Stadtzentren entgegenwirke. Kurzfristiges Ziel müsse sein, „das Sterben des Einzelhandels schon während der Pandemie deutlich zu verlangsamen, sodass es im Laufe des Jahres 2021 zum Stillstand kommt”.

Klar ist für den Minister: „Wir lassen die Einzelhändler nicht im Stich.“ Im März und April seien an mehr als zwei Millionen Betriebe Soforthilfen gezahlt worden. Zusätzliche Überbrückungshilfen seien bis zum Jahresende sichergestellt.

Altmaier regte unter anderem an, den Verkauf vor Ort mit dem Onlinehandel stärker zu verknüpfen. „Wir werden am Ende nur gute Ergebnisse erzielen, wenn wir Synergieeffekte schaffen“, betonte er. Die Vorteile von E-Commerce müssten auch dem stationären Händler zugutekommen. Der Wirtschaftsminister hatte schon vor dem Treffen angedeutet, wie das funktionieren kann: Der Kunde kauft zu Hause im Onlineshop über den Händler seiner Wahl ein und holt die Bestellung im Laden ab. Es müsse darüber hinaus unter anderem aber auch darum gehen, „attraktive Stadteilkonzepte“ zu entwickeln, so Altmaier. Er hofft dabei auch auf die Unterstützung seiner Kabinettskolleg/-innen.

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Video
Altmaier: Wir lassen die Einzelhändler nicht im Stich
1:12 min
Altmaier möchte mit Hilfe eines Handlungskonzeptes, Pleiten verhindern und die Digitalisierung vorantreiben.
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Flexiblere Ladenöffnungszeiten gefordert

Für eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten hat er sich überdies starkgemacht. Ein oder zwei zusätzliche verkaufsoffene Sonntage könnten helfen, Umsatzverluste vom Frühjahr auszugleichen. Zudem seien flexiblere Öffnungszeiten im Kampf gegen das Virus sinnvoll. So könne verhindert werden, dass sich die Menschen in dichten Trauben vor den Geschäften drängeln. Allerdings lehnt Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) derartige Lockerungen ab. Auch die Gewerkschaften und die Kirchen sind vehement dagegen.

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Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsdachverbandes HDE, betonte, dass die Kundschaft nach wie vor das Bedürfnis des „analogen Erlebnisses in der Stadt“ habe. Deshalb seien weitere staatliche Hilfen wirklich wichtig, um Händlern die Möglichkeit zu geben, ihre Produkte künftig verstärkt über verschiedene Kanäle zu offerieren. Bei der aktuellen Misere liege es nicht an mangelnder Kaufkraft. „Es liegt daran, dass die Menschen weniger in die Städte gehen.“ Die Händler seien unverschuldet in eine Lage gekommen, aus der sie allein nicht herauskommen könnten. Aktuell seien besonders in kleinen und mittelgroßen Städten bis zu 50.000 Geschäfte gefährdet, wenn nicht gegengesteuert werde.

Die Geschäftsaussichten sind mies

In den vergangenen Monaten mangelte es nicht vor Warnungen vor einem Ladensterben und vor massenhaften Pleiten in der Branche, was zu einer forcierten Verödung von Innenstädten führen könnte. Die Abwärtsspirale in vielen Stadtzentren ist zwar seit Jahren ein Thema. Durch die Pandemie sind die Nöte stationärer Händler aber noch einmal massiv gestiegen. Einer HDE-Umfrage zufolge beurteilten mehr als drei Viertel der Ladeninhaber in Hauptgeschäftslagen der Citys ihre Situation in den ersten sechs Monaten als schlechter als im Vorjahr. Und Genth machte schon vor Wochen darauf aufmerksam, dass viele Händler ihre Miete nicht mehr in voller Höhe bezahlen können.

Zu den großen Verlierern zählen die großen Warenhäuser, deren Umsätze zwischen April und Juni um mehr als ein Fünftel einbrachen. Besonders hart trifft es auch die Bekleidungsbranche. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) büßten die Modeläden in den ersten sieben Monaten fast 30 Prozent ihres Umsatzes ein. Zugleich legte der Onlinehandel massiv zu. Im zweiten Quartal, das durch den Lockdown geprägt war, kletterten die Erlöse im E-Commerce um fast ein Drittel. Die Zuwächse haben sich auch über den Sommer fortgesetzt. Im August lag das Plus laut Destatis kalender- und saisonbereinigt immer noch bei rund 23 Prozent über dem Vorjahr.

Der HDE hatte schon vor Monaten die Einrichtung eines Innenstadtfonds gefordert, der mit 500 Millionen Euro bestückt werden sollte. Mit dem Geld sollte den Kommunen geholfen werden, neue Konzepte für ihre Citys zu entwickeln. Ferner machte sich der Verband dafür stark, ein bundesweites Leerstandskataster aufzubauen. Ein Teil des Geldes sollte zudem für eine „aktive Ansiedlungspolitik“ verwendet werden – inklusive der Möglichkeit eines Vorkaufsrechts für Immobilien, um bestimmte Nutzungen zu erreichen.

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