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Bis zu 3000 Euro steuerfrei

Viele Unternehmen mit Einmalzahlungen noch zögerlich

Ein älterer Mann zählt Geld an einem Tisch.

Manche Arbeitnehmer dürfen sich über einen kleinen Geldsegen freuen.

Bis zu 3000 Euro, steuerfrei und ohne Sozialabgaben – die ersten Beschäftigten freuen sich in diesen Tagen, dass die sogenannte Inflationsprämie auf ihren Konten ankommt. „In vielen Bereichen wird aber noch abgewartet“, berichtet Thorsten Schulten, der bei der gewerkschaftsnahen Hans-Boeckler-Stiftung für die Lohn- und Tarifpolitik zuständig ist.

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Mit der Inflationsprämie soll vor allem die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale verhindert werden: Angesichts der hohen Inflation könnten Beschäftigte immer höhere Löhne fordern und so wiederum für eine weiter steigende Inflation sorgen. Die Bundesregierung rief deshalb die sogenannte konzertierte Aktion ins Leben – und entschied, Einmalzahlungen im Vergleich zu dauerhaften Lohnsteigerungen attraktiver zu machen: Bekommen Beschäftigte einmalig oder in mehreren Tranchen bis zu 3000 Euro, fallen bis Ende 2024 keine Steuern und Sozialabgaben darauf an.

Einige Arbeitgeber und Gewerkschaften schöpften das prompt aus: Die insgesamt etwa 4,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und der Chemiebranche bekommen tatsächlich die vollen 3000 Euro Einmalzahlung, ähnlich sieht es beim neuen Haustarifvertrag von VW und laut Schulten auch bei einigen kleineren Tarifabschlüssen aus. „Ohne die Prämie wäre der Druck in den Tarifverhandlungen größer gewesen, insofern ist das von der Bundesregierung intendierte Ergebnis eingetreten“, meint der Tarifexperte.

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Viele Dax-Unternehmen zögern

Doch so attraktiv es auch für Firmen ist, dass bei Einmalzahlungen derzeit mehr Geld auf dem Konto von Beschäftigten ankommt, ohne dass das Arbeitgeberbrutto steigt: Bislang möchte nur gut die Hälfte aller Dax-Unternehmen davon Gebrauch machen, wie jüngst eine „Handelsblatt“-Umfrage ergab. Auch im Handel würden die 3000 Euro längst nicht immer ausgereizt, berichtet die Wirtschaftszeitung. Lidl und Kaufland etwa würden nur 250 Euro zahlen, bei Rossmann seien es maximal 500.

Ansonsten ist die Nutzung der Inflationsprämie noch eine große Unbekannte: Bis Oktober, also kurz nach Beschluss der Bundesregierung, hatten einer Umfrage der Unternehmensberatung Kienbaum zufolge nur 12 Prozent der Befragten eine inflationsbedingte Sonderzahlung bekommen. Eine Überraschung ist das nicht: Schon bei ihrer Verabschiedung hatten Wirtschaftsverbände gewarnt, vor allem kleinere und mittlere Unternehmen könnten sich angesichts hoher Energie- und Rohstoffkosten keine Sonderzahlungen leisten.

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Der Druck auf Arbeitgeber steigt

Immerhin 58 Prozent der von Kienbaum Befragten gaben aber an, vom Arbeitgeber eine Inflationsprämie zu erwarten. „Ich gehe davon aus, dass die Erwartungshaltung der Arbeitnehmenden mit jeder Information, dass andere Unternehmen von der Möglichkeit Gebrauch machen, steigt“, sagt Kienbaum-Vergütungsexperte Michael Kind. Ihm zufolge haben Beschäftigte durchaus Verständnis für wirtschaftliche Nöte des Arbeitgebers. Die Mehrheit sei bereit, geringere Einmalzahlungen sowie eine Stückelung zu akzeptieren.

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Was und wie viel Beschäftigte in Zukunft noch bekommen, ist derweil schwer absehbar: Laut Schulten dürfte die Inflationsprämie wie andere Sonderzahlungen auch bei Tarifbeschäftigten höher ausfallen. Während die Inflationsprämie bei Metallern und Chemiebeschäftigten zusätzlich zu einer Lohnerhöhung gezahlt wird, könnte sie zudem abseits von Tarifverträgen richtige Gehaltssteigerungen ersetzen. „So war es schon bei der Corona-Prämie“, sagt Schulten.

Das wollen sich Gewerkschaften auch künftig nicht bieten lassen, wie Verdi-Chef Frank Werneke bekräftigt: Sicher werde die Zahlung des Energiegelds noch in weiteren Tarifbereichen vereinbart werden. „Wichtig ist aber, dass diese Leistungen zusätzlich bei den Beschäftigten ankommen. Sie dürfen kein Ersatz für tabellenwirksame und damit dauerhafte Entgeltsteigerungen für die Beschäftigten sein“, so Werneke gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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