Reaktion auf die Inflation

Vor dem EZB-Rat: Wie hoch dreht die Notenbank den Zins?

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), in der Eingangshalle des Zentralbank-Gebäudes.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), in der Eingangshalle des Zentralbank-Gebäudes.

Die nächste Zinserhöhung ist sicher, nur die Höhe verspricht noch ein bisschen Spannung: Wenn sich am Donnerstag der Rat der Europäische Zentralbank (EZB) trifft, könnte es um 0,5 oder 0,75 Prozentpunkte mehr gehen – wobei sich die meisten Expertinnen und Experten auf den größeren Schritt einstellen. Seit auch bei der Europäischen Zentralbank die Inflationsbekämpfung ganz oben auf der Agenda steht, gibt es einiges nachzuholen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das die Rückkehr von – niedrigen – Sparzinsen, aber auch eine Verteuerung von Krediten.

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Der für Sparerinnen und Sparer wichtigste europäische Leitzins liegt seit September bei 0,75 Prozent – zu diesem Satz können Kreditinstitute kurzfristig Geld bei der Zentralbank parken. Nach dem nächsten Schritt könnten es also 1,5 Prozent sein. Auf der anderen Seite beträgt der Zins, zu dem sich Banken Geld leihen können, bereits 1,25 Prozent, könnte also auf 2 Prozent angehoben werden. Und weitere Schritte werden folgen: EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat im September bereits auf mehrere Zinserhöhungen bis ins nächste Jahr hinein eingestimmt.

Die ersten Auswirkungen sind bereits zu spüren. So haben die Banken inzwischen die sogenannten Verwahrentgelte abgeschafft: Sparerinnen und Sparer müssen keine Gebühren mehr für hohe Guthaben auf Girokonten zahlen. Viel mehr ist allerdings noch nicht drin. Erst seit wenigen Wochen bewegt sich etwas bei Tages- und Festgeld. Das reicht aber bei Weitem nicht, um die Inflation auszugleichen. Gemessen an der Kaufkraft schmilzt der Wert von Guthaben also weiter.

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Den Anfang unter den großen Banken hat die ING gemacht, die ab 6. Dezember 0,3 Prozent für Tagesgeld zahlt. Neukundinnen und ‑kunden mit mindestens 50.000 Euro Guthaben bekommen vier Monate lang ein Prozent. Vor einigen Tagen folgte die Deutsche Kreditbank (DKB), die ab 1. Dezember 0,4 Prozent für Tagesgeld bietet. Die Deutsche Pfandbriefbank ist bereits bei 0,75 Prozent. Auch beim Festgeld bewegt sich etwas, nach Angaben des Portals Finanztip erreichen die günstigsten Angebote für ein Jahr inzwischen 2 Prozent.

Allerdings bewegen sich auch die Zinsen in der anderen Richtung: Kredite werden teurer. Laut einer Umfrage des Finanzportals Biallo reichen die Dispozinsen für Girokonten bis 14 Prozent. Die Spanne ist hier extrem groß, der Durchschnitt liege bei rund 10 Prozent. Immobilienkäuferinnen und ‑käufer haben die Zinswende schon gespürt, bevor die EZB etwas entschieden hatte. In Erwartung einer strafferen Geldpolitik steigen die Zinsen am Kapitalmarkt schon seit dem Jahresbeginn – und sie sind für Hypothekenkredite wichtiger als die Leitzinsen. Immobilienkredite liegen je nach Laufzeit mehr oder weniger deutlich über 4 Prozent.

Unsichere Prognosen

Wie weit die Entwicklung noch geht, ist weit weniger klar als der nächste Schritt. Nachdem die EZB die Inflation lange unterschätzt hat, steht sie nun unter Druck, massiv gegenzusteuern. „Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die EZB sind immer noch dabei, ihre grobe Fehleinschätzung in Sachen Inflation auszubügeln“, schreibt Jörg Angelé vom Anleihenspezialisten Bantleon in einer Analyse. Ein weiterer großer Zinsschritt noch in diesem Jahr gilt als sicher. Für die Zeit danach gehen die Prognosen allerdings auseinander – je nachdem, wie viel Inflation bekämpft werden muss.

US-Notenbank hebt Leitzins erneut kräftig an
ARCHIV - 27.07.2022, USA, Washington: Jerome Powell, Präsident der Federal Reserve, spricht während einer Pressekonferenz im Gebäude des Federal Reserve Board. Zur Bekämpfung der hohen Inflationsrate steht die US-Notenbank vor einer erneuten kräftigen Erhöhung des Leitzinses. (zu dpa «US-Notenbank Fed entscheidet über weiteren Kurs der Geldpolitik») Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Zur Bekämpfung der hohen Inflationsrate erhöht die US-Notenbank den Leitzins erneut kräftig. Er erreicht damit den höchsten Stand seit 14 Jahren.

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Die Expertinnen und Experten sind hier uneins wie selten. Einige erwarten für 2023 aber einen kontinuierlichen Rückgang der Inflation auf rund 3 Prozent zum Jahresende. Dafür könnten Energiepreisbremsen sorgen und vor allem eine Rezession: Schrumpfende Wirtschaft bedeutet weniger Nachfrage und damit niedrigere Preise. Dann könnte die EZB in der ersten Jahreshälfte schon wieder von der Bremse gehen. Angelé etwa erwartet 2023 weder in den USA noch in Europa weitere Zinserhöhungen. Zurückkehren zu einer ultralockeren Geldpolitik wie in den vergangenen zehn Jahren wird die EZB auf absehbare Zeit aber nicht.

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