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Metall- und Elektroindustrie

7 bis 8 Prozent mehr Gehalt: Drehen die Metaller an der Lohn-Preis-Spirale?

Die IG Metall ist eine Gewerkschaft, deren Mitglieder durchaus schlagkräftig streiken können.

Gewerkschaften hatten es schon einmal leichter: Vor allem wegen des Kriegs in der Ukraine ist die Inflation auf Rekordhoch. Jede Tarifforderung wird nun argwöhnisch darauf abgeklopft, ob sie womöglich die Lohn-Preis-Spirale befeuert und so die Inflation weiter hochtreibt. In der wichtigsten Tarifrunde des Jahres zeigte sich die Gewerkschaftsführung am Montag dennoch entschlossen: Der Vorstand der IG Metall empfahl seinen Mitgliedern, in der bevorstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 7 bis 8 Prozent mehr Lohn zu fordern.

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Den Unternehmen geht es gut. Nicht gut geht es aber den Beschäftigten beim Blick auf Supermarkt- und Energierechnungen.

Jörg Hofmann,

Vorsitzender der IG Metall

Damit liegt die Empfehlung höher, als Beobachter zuletzt erwartet hatten – auch, weil die angepeilte Laufzeit des Tarifvertrags nur zwölf Monate betragen soll. „Den Unternehmen geht es gut. Nicht gut geht es aber den Beschäftigten beim Blick auf Supermarkt- und Energierechnungen“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Hofmann. „Auch angesichts der guten Auftrags- und Ertragslage ist eine ordentliche Erhöhung geboten, um über die Tarifpolitik einen Beitrag für gute Kaufkraft zu leisten“, so Hofmann weiter.

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Arbeitgeber weisen Forderung zurück

Endgültig ist der Beschluss nicht. Das letzte Wort liegt bei den – von der Basis gewählten – Tarifkommissionen, die bis Mitte Juli ihr Votum abgeben. Doch die Empfehlung des Vorstands zeigt, wohin die Reise bei den Verhandlungen im Herbst geht. Oder eben nicht: Die Arbeitgeberseite war am Montag entsetzt über den Vorschlag der Gewerkschaftsführung. „Die Forderungsempfehlung wird der Lage der Branche nicht gerecht“, sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf.

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Tatsächlich gehen die Einschätzungen derzeit weit auseinander: Trotz vieler Risiken sei die Lage in der Branche gut, vermeldete die Gewerkschaft Anfang des Monats unter Berufung auf eine Umfrage unter Betriebsräten. Von „massivem Kostendruck“ und sich deutlich eintrübenden Erwartungen berichtete hingegen der Arbeitgeberverband nach einer Umfrage unter Unternehmensleitungen.

Einigen Unternehmen geht es gut – aber nicht allen

In der Autoindustrie, in der der Tarifvertrag eine große Rolle spielt, stimme beides, meint Ferdinand Dudenhöffer. „Bei den Autobauern sind die Zahlen gut, bei den Zulieferern sieht es zum Teil deutlich schlechter aus“, sagte der Branchenexperte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Für die weitere Entwicklung sei der Fortgang des Krieges in der Ukraine entscheidend, ebenso wie der Umgang der Bundesregierung damit: Weder die Unsicherheiten bei der Strom- und Gasversorgung noch die Diskussion über ein baldiges Ende der E-Auto-Kaufprämie seien für die Branche hilfreich, so Dudenhöffer.

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Hofmann stellte zudem klar, dass der Kern eines künftigen Tarifvertrags aus tabellenwirksamen Steigerungen und nicht aus Einmalzahlungen bestehen dürfe. Auf Letztere hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in den vergangenen Tarifrunden verständigt. Nun brauche es angesichts des wohl langfristig gestiegenen Preisniveaus echte Lohnsteigerungen, sagte Hofmann. Kleinere Einmalzahlungen schloss er indes ebenso wenig aus wie Abstriche, falls sich die wirtschaftliche Situation eintrüben sollte.

Hofmann fordert weitere staatliche Entlastungspakete

Doch was ist mit der Lohn-Preis-Spirale? Vor der warnte zuletzt Finanzminister Christian Lindner immer eindrücklicher. „Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale ist real“, sagte er jüngst dem RND. Längst plant die Bundesregierung, die konzertierte Aktion wieder aufleben zu lassen: Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Regierung sollen sich zusammensetzen – und verhindern, dass steigende Löhne die Inflation weiter befeuern. Hofmann hat indes schon klargestellt, dass Lohnzurückhaltung dabei kein Thema sein dürfe.

Am Montag betonte er dann, dass die Entgeltsteigerungen erst 2023 wirksam würden. Somit müssten sie die Inflation aus zwei Jahren kompensieren. „Wir beweisen wiederholt Vernunft und Verantwortung. Die Beschäftigten haben nach vier Jahren wieder eine ordentliche Erhöhung ihrer Entgelttabellen verdient“, erklärte Gewerkschaftschef. An die Bundesregierung gerichtet erneuerte er seine Forderung nach weiteren Entlastungspaketen: „Wir können die aktuellen Teuerungsraten nicht allein über Tarifpolitik ausgleichen.“

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Insgesamt zeichnet sich bislang nicht ab, dass hiesige Tarifverträge die Inflation befeuern: 2022 lag die Steigerungsrate bei tariflichen Entgelten laut Thorsten Schulten bis heute bei etwa 3 Prozent. „Hieraus lässt sich definitiv keine Lohn-Preis-Spirale ableiten“, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs dem RND. Sollte sich die IG Metall durchsetzen, läge der Tarifabschluss freilich deutlich höher – und die Diskussion über die Lohn-Preis-Spirale würde wohl hitziger werden.

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