Inflation: Welche Waren und Dienstleistungen jetzt besonders teuer werden

  • Vor allem die steigenden Energiepreise treiben die Inflation in Deutschland an.
  • Aber nicht nur Heizen und Tanken sind binnen Jahresfrist teurer geworden.
  • Auch für Lebensmittel wie Kartoffeln, für Fahrräder, Wohnmobile und Altenpflegeheime mussten die Menschen deutlich mehr Geld ausgeben.
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Hannover. Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im September um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Erstmals seit 1993 überschritt die Inflationsrate damit wieder die Vier-Prozent-Marke.

Der größte Treiber für die Preissteigerung sind die Energiekosten. Aber auch die wieder angehobene Mehrwertsteuer und Lieferengpässe wegen Staus an Häfen und fehlenden Containerkapazitäten machen sich in der Statistik bemerkbar. Für welche Waren und Dienstleistungen müssen die Verbraucher nun besonders tief in die Tasche greifen? Ein Überblick:

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Steigende Energiepreise: Das sagen Verbraucher
2:57 min
Welche Möglichkeiten es gibt, um bei den steigenden Energiepreisen mehr zu sparen, erklärt Leonora Holling, Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher.  © RND
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Heizen

Im Vergleich zum Vorjahr ist das Heizen mit Öl extrem viel teurer geworden. Laut Statistischem Bundesamt kostete Heizöl im September 76,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Allerdings hatte der Ölpreis im Herbst vergangenen Jahres durch die Corona-Krise gerade einen Tiefststand erreicht. Mit dem weltweiten Anziehen der Konjunktur steigt nun auch der Bedarf nach Energie wieder rapide an. Das wirkt sich auf die Rohölpreise aus. Außerdem wurde zu Jahresbeginn die CO₂-Abgabe von 25 Euro pro Tonne eingeführt – auch das treibt den Preis.

Ebenfalls teurer geworden ist das Heizen mit Erdgas (plus 5,7 Prozent). Der Deutsche Mieterbund und Verbraucherschützer warnen, vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen litten unter den steigenden Energiepreisen und müssten entlastet werden. „Die sogenannten energiearmen Haushalte, die nicht in der Lage sind, die Kosten für ihre Energienutzung zu decken, brauchen Unterstützung“, sagt Leonora Holling, Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, dem RND. Und weiter: „Es würde schon reichen, wenn der Staat die Nachzahlungen für die Jahresrechnung übernimmt. Wir sprechen da von Familien, die einen Zuschuss von 500€ benötigen. Da müssen wir mittelfristig über die Politik etwas hinbekommen.“ Die Verbände fordern die künftige Regierung auf, Geringverdiener vor Strom- und Gassperren zu schützen. Außerdem dürften die CO₂-Kosten nicht länger zu 100 Prozent auf die Mieter abgewälzt werden. Auch eine Erhöhung des Wohngelds ist im Gespräch.

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Tanken

Kraftstoffe sind binnen Jahresfrist um 28,4 Prozent teurer geworden. Damit haben die Preise für Diesel und Super E10 laut ADAC ein Neunjahreshoch erreicht. Nur im Rekordjahr 2012 war Sprit noch einige Cent teurer. Laut der wöchentlichen ADAC-Auswertung kostete Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Dienstag 1,526 Euro pro Liter. Das waren noch mal 4,8 Cent mehr als eine Woche zuvor. Auch E10 verteuerte sich deutlich. Am Dienstag war es mit 1,647 Euro pro Liter um 3,8 Cent teurer als vor Wochenfrist.

Grund für die Preisrallye an der Zapfsäule sind ebenfalls die hohen Rohölpreise und die neue CO₂-Abgabe, die den Treibstoff – je nach Sorte und Beimischung von Biosprit – um rund 6 bis 8 Cent pro Liter verteuert. Außerdem macht sich der stärkere Dollar bemerkbar, da Rohöl in der US-Währung abgerechnet wird.

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ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand appellierte an die zukünftigen Regierungsparteien, „jegliche Gedankenspiele über ein schnelleres Ansteigen des CO₂-Preises zu unterlassen“. Derzeit ist geplant, ihn bis 2025 auf 55 Euro je Tonne anzuheben. Das würde Sprit je nach Sorte und Bioanteil um weitere 7 bis 9 Cent teurer machen.

Lebensmittel

Auch die Preise für Lebensmittel sind überdurchschnittlich stark gestiegen. Laut den Daten des Statistischen Bundesamts kletterten sie im September um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Teurer wurde dabei vor allem Gemüse (plus 9,2 Prozent) und darunter besonders Kartoffeln (plus 9,8 Prozent).

Aber auch Speisefette und -öle (plus 6,4 Prozent), Molkereiprodukte und Eier (plus 5,5 Prozent) und Fleisch und Fleischwaren (plus 4 Prozent) wurden deutlich teurer. Moderat war der Preisanstieg dagegen bei Obst (plus 1,8 Prozent).

Fahrzeuge

Wer sich in diesem September ein neues Auto gekauft hat, musste dafür deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr (plus 6,3 Prozent). Gleiches gilt für Fahrräder, die nach wie vor sehr begehrt sind und weiter im Preis steigen (plus 7,7 Prozent). In der Corona-Pandemie sind viele Verbraucher vom öffentlichen Nahverkehr aufs Fahrrad umgestiegen, was zu teilweise erheblichen Engpässen im Angebot geführt hat. Vor allem E-Bikes sind weiter sehr beliebt.

Ein ähnliches Phänomen zeigt sich beim Kauf von Wohnmobilen, die in der Corona-Pandemie ebenfalls stark nachgefragt wurden und deshalb im Preis gestiegen sind. Binnen Jahresfrist verteuerten sich Wohnmobile und Campinganhänger laut Statistischem Bundesamt nochmals um 8,1 Prozent.

Baustoffe

Mehr Geld in die Hand nehmen muss auch, wer baut oder im eigenen Haus oder der Wohnung bauliche Veränderungen vornehmen lässt. So sind die Preise für Baustoffe für die Instandhaltung von Wohnungen und Häusern binnen Jahresfrist um durchschnittlich 6,1 Prozent gestiegen. Besonders teuer wurden Parkett und Laminat (plus 7,6 Prozent) sowie Baustoffe, Türen und Fenster (plus 6,1 Prozent).

Der Grund ist auch hier die anziehende globale Konjunktur: Weltweit werden derzeit Baumaterialien wie Holz, Stahl und Dämmstoffe verstärkt nachgefragt. Gleichzeitig kommt es zu Lieferengpässen – zum Beispiel beim Rohstoff Holz wegen der Waldbrände in Kalifornien und einer Borkenkäferinvasion in Kanada.

Dienstleistungen

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im September 2021 um 2,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. In einigen Bereichen wurde es aber deutlich teurer: So mussten Autofahrer für die Wartung und Reparatur ihres Fahrzeugs im Schnitt 5,4 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr.

Überdurchschnittlich teurer wurden auch Altenwohnheime (plus 5,4 Prozent) und die häusliche Alten- und Behindertenpflege (plus 5,8 Prozent). Für einen Restaurantbesuch mussten Verbraucher durchschnittlich 3,7 Prozent mehr bezahlen – Gleiches galt für einen Damenhaarschnitt.

Einen nur moderaten Preisanstieg gab es dagegen beim Theater-, Kino- oder Konzertbesuch (plus 1,9 Prozent).

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