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Gold – der legendäre Inflationsschutz?

Lohnt sich der Goldkauf oder lohnt er sich nicht? Darüber sind sich Experten bis heute uneinig.

Angeblich ist es das Maß der Dinge, absolut und faszinierend, von „göttlicher Schwere“, wie Auric Goldfinger einst dem gefesselten James Bond erklärte. Er hatte noch nichts von Warren Buffett gehört, der damals 34 Jahre jung war. Später, zum legendären Investor gereift, hatte Buffett für Gold nur Häme übrig: Das grabe man irgendwo aus, um es zu Barren zu schmelzen und in unterirdischen Tresoren wieder einzugraben. „Wenn uns Außerirdische dabei beobachten – es käme ihnen reichlich obskur vor.“

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Bis heute stehen sich die beiden Denkschulen gegenüber: Hier die Verfechter des bleibenden Werts, die sich vom Edelmetall noch Stabilität versprechen, wenn alles andere zerfällt. Dort die unternehmerisch denkenden Anleger, die nach Zins und Dividende fragen. Auch in hundert Jahren sei ein Stück Gold nur ein Stück Gold, sagt Buffett. Aber man könne dafür noch genau so viel kaufen wie vor 2000 Jahren, sagen die anderen.

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Die Inflation in Deutschland hat sich im November deutlich beschleunigt.

Der Goldpreis ändert sich derzeit kaum

In Zeiten von 5 Prozent Inflation ist das verlockend. Gold, der legendäre Inflationsschutz, müsste sehr gefragt sein, der Preis stark steigen. Doch davon ist aktuell wenig zu sehen. Der Preis für eine Unze Feingold – das sind 31,1 Gramm – schwankt seit Monaten um 1800 Dollar. Im historischen Vergleich ist das nicht wenig, aber die Inflationsdebatte zeigt kaum Wirkung. Große Schübe bekam der Goldpreis 2011 in der Euro-Krise und Mitte 2020, als Corona die Welt in die Rezession drückte. Dazwischen ging es deutlich abwärts.

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Für das nächste Jahr sehen Experten zwar Chancen, aber der Preisrekord von mehr als 2000 Dollar ist ein gutes Stück entfernt. Nitesh Shah vom Fondsanbieter Wisdom Tree hält ihn trotzdem für erreichbar. Gold sei unterbewertet, die hohe Inflation besonders in den USA „deutet auf einen Goldpreis über 2000 US-Dollar pro Unze hin“. Seiner Ansicht nach dürfte Gold, „wenn es sein traditionelles Verhalten wiedererlangt, vom heutigen Niveau steigen“.

Die Zweifel sind groß

Andere sind skeptischer. „Unter dem Strich ist wohl unmittelbar nicht mit einer erneuten Rallye des Goldpreises zu rechnen“, schreibt Alexander Posthoff vom Investmenthaus Bantleon in einer Analyse. Auch Ulrich Stephan erwartet Ende 2022 einen Goldpreis auf dem aktuellen Niveau. „Meiner Ansicht nach ist Gold nicht der Renditebringer der Stunde“, sagt der Anlagestratege der Deutschen Bank.

Tatsächlich ist es kein Patentrezept für Anleger, sinkenden Geldwert mit steigendem Goldwert auszugleichen. Inflation treibt den Goldpreis nicht automatisch nach oben, sondern vor allem dann, wenn gleichzeitig die Wirtschaft schwächelt – die berüchtigte Stagflation.

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Schürt ein Wirtschaftsboom die Inflation, bekommt Gold als Geldanlage starke Konkurrenz: Dann steigen Zinsen, Aktienkurse und Dividenden. Gold, das keine regelmäßigen Einnahmen bringt, gerät ins Hintertreffen.

In Krisenzeiten profitiert oft das Gold

Seine Stunde kann schlagen, wenn die Wirtschaft stockt, aber trotzdem hohe Inflation befürchtet wird. Dann bleiben die Zinsen niedrig, Aktien sind riskant, und Gold kann Sicherheit bieten. Völlig aus der Welt ist dieses Szenario nicht, aber die Mehrheit der Anleger sehe die Zukunft optimistischer, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: Der stagnierende Goldpreis zeige, dass sie derzeit weder an eine anhaltend hohe Inflation glaubten, noch an einen Crash.

So teilen die meisten Experten die Empfehlung von Deutsche-Bank-Experte Stephan: „Gold gehört eher wegen seines Absicherungscharakters gegen Rückschläge an Aktienmärkten oder Marktturbulenzen ins diversifizierte Depot.“ Dafür genügt aber ein Anteil von rund 10 Prozent.

Was man beim Goldkauf beachten sollte

Dieses Gold kann man physisch kaufen in Form von Münzen und Barren. Es gibt aber auch viele Wertpapiere mit Bindung an den Goldpreis. Zu den bekanntesten Anlagemünzen gehören Krügerrand aus Südafrika, Maple Leaf aus Kanada, Wiener Philharmoniker aus Österreich und der China Panda. Sie haben einen Vorteil: Bekannte Goldmünzen sind gut handelbar, und die Preise können gut verglichen werden.

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Wichtig zu wissen: Der Kauf von Anlagegold ist von der Umsatzsteuer befreit, der Kauf von Silber- und anderen Edelmetallbarren wird dagegen mit 19 Prozent Umsatzsteuer besteuert. Wer Anlagegold dann mehr als ein Jahr gehalten hat und dieses anschließend verkauft, muss Gewinne daraus nicht versteuern. Es wird nicht, wie beispielsweise bei Aktien, die Abgeltungssteuer fällig.

In Deutschland gibt es überregionale Anbieter wie Degussa oder auch Pro Aurum mit großem Filialnetz. Ihr Vorteil ist, dass man direkt vor Ort kaufen und auch bar bezahlen kann. Wer zu einem der vielen kleineren Läden geht, sollte auf eine Zertifizierung achten, etwa auf die Mitgliedschaft im Berufsverband des deutschen Münzhandels. Das gilt noch mehr beim Onlinekauf, denn dort muss Vorkasse geleistet werden. Wo man den besten Preis bekommt, sagen diverse Vergleichsportale.

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