Inflation: Warum die EZB nicht allein verantwortlich ist

  • Die Europäische Zentralbank steht wegen ihrer ultralockeren Geldpolitik in der Kritik.
  • Doch die EZB allein trägt nicht die Schuld für die steigende Inflation, kommentiert Andreas Niesmann.
  • Der Zeitpunkt, an dem die Währungshüter eingreifen müssen, rückt dennoch näher.
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Die EZB ist schuld – oder auch nicht? Wer die Verantwortung für die steigende Inflation einzig bei der Europäischen Zentralbank festmacht, liegt daneben. Es stimmt zwar, dass Niedrigzinsen und Anleihekäufe die Teuerungsrate in die Höhe treiben, die Frankfurter Währungshüter haben aber Gründe für ihre ultralockere Geldpolitik.

Die Zentralbank sorgt sich um die wirtschaftliche Erholung nach den Corona-Lockdowns überall auf dem Kontinent. Sie pumpt deshalb Unmengen an Geld in die Märkte, damit Unternehmen und Staaten sich zu niedrigen Kosten refinanzieren können. Die EZB schützt damit Arbeitsplätze und Wohlstand in Europa.

Zum Nulltarif ist das alles nicht zu haben, obwohl die Zentralbank über unbegrenzte Mittel verfügt, kostet ihre Politik Geld. Wer eine Lebensversicherung oder eine private Rente abgeschlossen hat, kann in den jährlichen Standmitteilungen schwarz auf weiß sehen, wie die prognostizierten Auszahlungssummen zum Ende der Laufzeit zusammenschrumpfen.

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Nicht sichtbar, aber umso spürbarer im Portemonnaie ist der Kaufkraftverlust. Vor allem Menschen mit geringem Einkommen leiden darunter. Wer jeden Cent drei Mal umdrehen muss, registriert schnell, wenn Sprit, Lebensmittel oder Strom teurer werden.

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Dass ausgerechnet die Ärmsten der Gesellschaft überproportional belastet werden, ist ungerecht. Linkspartei und Sozialverbände haben deshalb mit ihrer Forderung recht, die Hartz-IV-Sätze an die steigende Inflation anzupassen. Das ist kurzfristig möglich und sollte von der nächsten Bundesregierung zügig angegangen werden.

Mittelfristig muss die EZB die Frage beantworten, wann sie dem Vorbild der US-Notenbank Fed folgt und die Zügel wieder etwas stärker anzieht. Eine Inflationsrate von annähernd 4 Prozent kann kein Dauerzustand sein. Dagegen müssen die Währungshüter etwas tun, und das wissen sie. Die Kunst wird sein, das richtige Maß zu finden. Und den richtigen Zeitpunkt.

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