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  • Impfstoffproduktion 2021: Biontech plant 1,3 Milliarden Dosen im kommenden Jahr

Schnell große Mengen möglich: So plant Biontech die Impfstoffproduktion 2021

  • Von dem derzeit einzigen in Deutschland zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus sollen 2021 mindestens 1,3 Milliarden Dosen hergestellt werden. Das habe die Firmen Biontech und Pfizer angekündigt.
  • Der Vorteil des mRNA-Impfstoffs ist, dass er schnell in großen Mengen produziert werden kann. Es gibt allerdings noch wenig Erfahrung mit der Technik.
  • Im Februar soll in Marburg eine weitere Produktionsstätte in Betrieb gehen.
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Das Impfen gegen das Coronavirus in Deutschland hat begonnen. Derzeit wird nur ein einziger Impfstoff verabreicht – denn nur dieser hat bisher in Deutschland eine Zulassung. Es handelt sich um den Impfstoff BNT162b2 des Mainzer Unternehmens Biontech und des amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer. Derzeit steht nicht genügend Impfstoff zur Verfügung. Deshalb hat die Bundesregierung einen Stufenplan entwickelt, in welcher Reihenfolge die Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft werden sollen.

Deutschland sichert sich 85 Millionen Impfdosen

Biontech und Pfizer haben aber angekündigt, die Produktion nun schnell hochfahren zu können. Laut Gesundheitsministerium sollen die Firmen insgesamt 85,8 Millionen Impfdosen an Deutschland liefern. Weitere 50,5 Millionen Impfdosen sollen vom US-Pharmakonzern Moderna kommen, bei dem eine Zulassung zeitnah erwartet wird.

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Nahezu alle Impfdosen sollen laut Gesundheitsministerium 2021 ausgeliefert werden. Bei den erforderlichen zwei Impfungen pro Person könnten so im nächsten Jahr mehr als 68 Millionen Menschen in Deutschland geimpft werden. Dies wären mehr, als für die sogenannte Herdenimmunität der Bevölkerung nötig ist.

Herstellung in Mainz, Puurs und an Standorten in den USA

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Biontech verfügt nach eigenen Angaben über ein „komplexes Netzwerk an Produktionskapazitäten in Europa“. Neben der Herstellung des Ausgangsstoffs im eigenen Werk in Mainz liefen Teile der Produktion beispielsweise auch bei Partnerunternehmen wie Dermapharm in der Nähe von Halle in Sachsen-Anhalt und Polymun bei Wien, sagte eine Unternehmenssprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

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Außerdem wird der Impfstoff teilweise auch im Werk des US-Partners Pfizer im belgischen Puurs produziert und schließlich abgefüllt. Hinzu komme das Pfizer-Netzwerk in den USA mit Standorten in Kalamazoo (Michigan), Andover (Massachusetts) und Chesterfield (Missouri).

Werk in Marburg geht im Februar an den Start

Im Februar soll dann die Produktion in einem Werk in Marburg starten, das Biontech im September vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen hatte. Die rund 300 Mitarbeiter, die in dem hochspezialisierten Werk arbeiten, hat Biontech gleich behalten. Im ersten Halbjahr 2021 sollen in dem Werk 250 Millionen Impfdosen hergestellt werden. Der Jahresplan sieht 750 Millionen Dosen vor.

Die Freigabe des ersten in Hessen produzierten Impfstoffs peilt Biontech nach eigenen Angaben für Ende März an. Zwischen Produktion und Freigabe des Vakzins vergehen üblicherweise etwa vier Wochen. Die eigentliche Herstellung des Impfstoffs dauert eine Woche, die Qualitätskontrolle und Freigabe benötigen dann weitere drei Wochen.

mRNA-Impfstoff kann schnell in großen Mengen hergestellt werden

Sowohl Biontech/Pfizer als auch Moderna haben einen sogenannten mRNA-Impfstoff entwickelt. Dieser Stoff wird im Labor ohne tierische Zusätze hergestellt. Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller haben die mRNA-Impfstoffe den Vorteil, dass von ihnen große Mengen in kurzer Zeit hergestellt werden können. Das mache sie in der Corona-Pandemie besonders interessant.

Allerdings ist bislang sonst noch gegen keine Krankheit ein solcher Impfstoff auf dem Markt. Deshalb gebe es vergleichsweise wenig Erfahrung mit der industriellen Produktion, schreibt der Verband.

Wenige Kilogramm können ausreichen, viele Millionen Menschen zu impfen

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Biontech-Unternehmenschef Ugur Sahin bestätigt im Interview mit dem Helmholtzzentrum, dass man mRNA sehr schnell herstellen könne. „Für die klinischen Tests ist es ein Vorteil, dass es ein reiner, biochemisch sehr gut charakterisierter, im Labor ohne tierische Zusätze hergestellter Stoff ist. Und wir benötigen nur geringe Mengen im Mikrogramm-Bereich. Das heißt wenige Kilogramm mRNA-Wirkstoff könnten ausreichen, um viele Millionen Menschen zu impfen.“

Weltweit wollen Biontech und Pfizer im kommenden Jahr mindestens 1,3 Milliarden Dosen Impfstoff zur Verfügung stellen. Das sei aber nur der „Basisplan“ sagte Sahin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Wenn möglich, wolle Biontech noch mehr Impfdosen liefern. „Ich kann Ihnen im Moment nicht sagen, was möglich ist und wie sehr wir den Umfang erweitern können, aber wir streben eine deutliche Erweiterung an“, sagte er vor zwei Wochen. In der vergangenen Woche hatte Sahin erklärt, sein Unternehmen suche nach weiteren Partnern für die Produktion.

Viele Produktionsstätten sind schon belegt

Bei der Vielzahl an Impfstoffen, die gerade in Studien erprobt werden, sind aber viele Produktionsstätten schon belegt. So hat etwa der deutsche Chemiekonzern Wacker Chemie einen Vertrag mit dem Biotech-Unternehmen Curevac über die Produktion seines Covid-19-Impfstoffkandidaten geschlossen. Demnach soll Wacker im ersten Halbjahr 2021 in Amsterdam mit der Produktion der mRNA-Wirkstoffsubstanz beginnen.

Der Pharmariese Merck unterstützt dagegen die Produktion des Vektorviren-Impfstoffs der Firma Astra Zeneca und die Schweizer Pharmafirma Novartis hat über die US-Gentechniktochter AveXis eine Kooperation mit dem amerikanischen Krankenhaus- und Ärztenetzwerk Mass General Brigham geschlossen, die ebenfalls einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt haben.

Bayer signalisiert Bereitschaft

Andere stünden für Kooperationen noch zur Verfügung. So schreibt etwa der Leverkusener Bayer-Konzern auf seiner Internetseite, man stehe bereit, wenn es darum ginge, die Produktion eines möglichen Impfstoffs gegen das Coronavirus zu unterstützen. „Bayer produziert derzeit keine Impfstoffe, könnte jedoch innerhalb der nächsten zwölf Monate damit beginnen, wenn dies erforderlich sein sollte, um den weltweiten Bedarf zu decken“, heißt es.

mit dpa


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