Immer weniger Lehrstellen: Ausbildungsmarkt steuert auf Krise zu

  • Eine Studie zeigt, dass die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze in der Corona-Krise gesunken ist.
  • Außerdem habe die Qualität der Ausbildungen in der Krise vermutlich gelitten.
  • Die Karrierechancen von Jugendlichen könnten bereits jetzt nachhaltig geschädigt sein.
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Nürnberg. Deutschland steuert einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge auf eine Lehrstellen-Krise zu. Jeder zehnte ausbildungsfähige Betrieb könnte zum neuen Ausbildungsjahr weniger Lehrstellen anbieten als noch im Vorjahr, fanden die Nürnberger Wissenschaftler in ihrer Studie heraus, die am Montag in Berlin gemeinsam mit der OECD vorgestellt wurde.

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„Wir sind im letzten Jahr mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte IAB-Direktor Bernd Fitzenberger der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze habe um acht bis zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen - und auch die Zahl der Bewerber sei gesunken. „Die Jugendlichen konnten viel schwerer erreicht werden“, sagte Fitzenberger, es habe keine Praktika gegeben, Ausbildungsmessen hätten im Internet stattfinden müssen.

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Große Gefahr, dass Jugendliche auf der Strecke bleiben

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Die große Gefahr sei, dass die Jugendlichen auf der Strecke blieben. Nur ein Teil bleibe im Schulsystem und strebe statt einer beruflichen Ausbildung einen höheren Bildungsabschluss an. Die Erfahrung: Wenn erst einmal einige Jahre zwischen Schule und Berufsstart vergangen sind, dann ist die Chance auf eine ordentliche Ausbildung meist vertan.

Hinzu komme ein weiterer fataler Aspekt: „Die Qualität der Ausbildung im letzten Jahr hat vermutlich auch gelitten“, sagte Fitzenberger. Lehrlinge konnten nicht ohne weiteres mit zum Kunden genommen werden, eine geregelte Ausbildung unter den Bedingungen von Kurzarbeit und Homeoffice sei schwierig. „Wo nicht gekocht wird, kann man auch nicht kochen lernen“, sagte Fitzenberger.

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Karrierechancen nachhaltig geschädigt

Der IAB-Experte befürchtet nicht nur, dass viele Jugendliche auf der Strecke bleiben und ihre Karrierechancen nachhaltig geschädigt werden - mit gesellschaftlichen Folgen wie häufiger Arbeitslosigkeit als Langzeiteffekt. Die nicht ausgebildeten Fachkräfte fehlten auch dem Arbeitsmarkt der Zukunft. „Arbeitsmarkt und Konjunktur werden sich nach der Krise sehr schnell erholen. Dann werden die Fachkräfte fehlen“, sagte Fitzenberger. Erfahrungen aus der Finanzkrise von 2009 zeigten: „Es besteht die Gefahr, dass Jugendliche, die jetzt keine Ausbildung beginnen können, dies später auch nicht mehr nachholen.“

Fitzenberger sprach sich dafür aus, dringend die Ausbildungsprämie zu verlängern und deren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. „Wir müssen über eine Verlängerung reden“, sagte er. Finanzielle Anreize alleine reichten jedoch nicht zur Lösung des Problems. Es müssten auch Praktika und Berufsberatung an den Schulen wieder ermöglicht werden. „Sonst verlieren wir die Jugendlichen für das Ausbildungssystem“, betonte der Wissenschaftler.

RND/dpa

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