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Ifo-Prognose: Corona kostet Deutschland Hunderte Milliarden - und viele Jobs

  • Die Corona-Krise wird die Wirtschaft in Deutschland so stark verändern wie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr.
  • Millionen Jobs und mehr als eine halbe Billion Euro gehen nach Prognosen von Wirtschaftsforschern verloren.
  • Ziel müsse sein, die Teilschließung der Wirtschaft zu verkürzen, ohne die Bekämpfung der Epidemie zu beeinträchtigen.
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München. Der deutschen Wirtschaft droht bei mehrmonatigen Stillständen eine Rezession in bisher unbekannten Ausmaßen von im schlimmsten Fall gut 20 Prozent. Das hat das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in einer aktuellen Studie zu den Corona-Folgen berechnet. „Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, betont Ifo-Chef Clemens Fuest.

Je nach Szenario werde die deutsche Wirtschaft 2020 zwischen 7,2 und 20,6 Prozent schrumpfen, was Kosten zwischen 255 und 729 Milliarden Euro entspreche. Die Berechnungen basieren auf der Annahme, dass die deutsche Wirtschaft zu 60 Prozent zwei bis drei Monate stillsteht. Für den Arbeitsmarkt würde das im schlimmsten Fall den Verlust von 1,8 Millionen Arbeitsplätzen kosten und Kurzarbeit für über sechs Millionen weitere Beschäftigte.

Die Verwerfungen würden die Zustände auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008/09 in den Schatten stellen, stellt Fuest klar. Schon ohne Berücksichtigung geplanter Bürgschaften und Kredite oder eventueller EU-Rettungsschirme würden die öffentlichen Haushalte dabei hier zu Lande um bis zu 200 Milliarden Euro belastet. Für eine gesamtwirtschaftliche Stabilisierung seien staatliche Rettungspakete aber nötig.

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Derzeit laufe die Wirtschaft noch auf ein weniger dramatisches Szenario zu, eine Rezession im Umfang von rund sieben Prozent auslösen würde, sagt Ifo-Experte Andreas Peichl, der die Studie mitverfasst hat. Es sei dringend nötig, die Teilschließung der deutschen Wirtschaft so kurz wie möglich zu halten, ohne dabei die Bekämpfung der Epidemie zu beeinträchtigen.

Das sei möglich, wenn man die Bevölkerung flächendeckend mit Atemschutzmasken versorgt, Risikogruppen Quarantäne in den eigenen vier Wänden verordnet und diese streng überwacht. Sonst würden italienische Verhältnisse und das noch weit schlimmere Szenario drohen. Auch ein allgemeines Rauchverbot sei erwägenswert, weil Rauchen schwere Corona-Krankheitsverläufe fördere. In öffentlichen Bereichen wie Nahverkehrsmitteln solle mehrmals täglich großflächig desinfiziert werden.

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„Es lohnt sich daher, quasi jeden denkbaren Betrag für gesundheitspolitische Maßnahmen einzusetzen“, wirbt Fuest. Die Alternative seien rasch in astronomische Höhen schnellende Kosten durch ein vielmonatiges Einfrieren großer Teile der Wirtschaft. Atemschutzmasken für alle kosten laut Ifo beispielsweise relativ günstige drei Millionen Euro pro Tag. Man müsse dringend und schnell Strategien entwickeln, die sowohl eine Bekämpfung der Seuche als auch eine rasche Erholung der Wirtschaft erlauben.

Vorige Woche hatte Ifo noch eine Rezession im Umfang zwischen 1,5 und sechs Prozent vorausgesagt. Damals sei aber noch nicht absehbar gewesen, wie schnell und umfangreich Betriebe dicht machen, erklärt Peichl. Jede zusätzliche Woche Teilschließung der deutschen Wirtschaft kostet laut Ifo bis zu 57 Milliarden Euro. Ihr Hochfahren dürfte weitere zwei bis vier Monate in Anspruch nehmen, je nachdem wie lange die Wirtschaft eingefroren bleibt. Weil es für die jetzige Situation keinen historischen Vergleicht gibt, seien alle Prognosen unsicher, räumt Ifo ein.


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