Ifo-Geschäftsklimaindex: Corona-Lockerungen bringen erste Hoffnung

  • Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft verlässt ihr historisches Tief.
  • Vor allem die exportstarke Industrie ist von Optimismus aber noch weit entfernt.
  • Besser sieht es in den von Binnennachfrage bestimmten Bereichen Dienstleistung, Handel und Bau aus.
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München. Monatelang konnte Clemens Fuest nur Katastrophenmeldungen zur deutschen Konjunktur überbringen. Nun erklärt der Chef des Münchner Ifo-Instituts: “Die ersten Lockerungen sorgen für einen Hoffnungsschimmer.” Denn für den Mai hat Ifo beim viel beachteten Geschäftsklimaindex nach dem historischen Apriltief von 74,2 Punkten nun einen Anstieg auf 79,5 Zähler errechnet. Das bedeutet eine erste und zugleich etwas stärker als von Experten erwartete Verbesserung der Stimmungslage in der heimischen Wirtschaft nach dem ökonomischen Tiefschlag durch die Corona-Pandemie. Die Signale der rund 9000 befragten Manager, die monatlich aktuelle wie künftige Geschäfte beurteilen, sind allerdings noch zwiespältig.

Die momentane Geschäftslage ist schlecht

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Ihre momentane Geschäftslage sehen die Wirtschaftsbosse mit 78,9 Punkten im Mai sogar nochmals schlechter als im April mit 79,4 Punkten. Gemessen wird der gesamte Ifo-Geschäftsklimaindex am Referenzjahr 2005 mit einem Indexwert von 100. Das gilt auch für die Erwartungen an Geschäfte in den kommenden sechs Monaten, bei denen es im Mai von 69,4 auf 80,1 Zähler deutlich aufwärts geht. Ifo führt das auf das schrittweise Auftauen der deutschen Wirtschaft zurück.

Trotz Stimmungsaufhellung im Mai erwartet demnach ein Großteil der Firmen in Deutschland aber immer noch weitere Verschlechterungen ihrer Geschäftslage, stellen die Ifo-Forscher klar. Ihre Prognosen haben sich auch in noch nie da gewesenen Pandemie-Zeiten bislang als weitgehend zuverlässig erwiesen.

Deutliche Unterschiede in den Sektoren

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Der Blick von Ifo in verschiedene Wirtschaftssektoren zeigt deutliche Unterschiede. Speziell die exportstarke deutsche Industrie sei von Optimismus noch weit entfernt, warnt Fuest. Länder, die deutsche Wirtschaftsgüter kaufen, haben mit der Pandemie auch ökonomisch weit stärker zu kämpfen als Deutschland. Das drosselt perspektivisch viele Exporte.

Besser sieht es in den von Binnennachfrage bestimmten Bereichen Dienstleistung, Handel und Bau aus. Auch hier überwiege bei den Firmen zwar noch Pessimismus, bescheinigt das Institut. Vor allem im Einzelhandel hätten die jüngsten Lockerungen und Geschäftsöffnungen aber die Stimmung deutlich verbessert.

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Relativ betrachtet, sieht es im Baugewerbe am besten aus. Insgesamt liegt die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft aber immer noch in einem Bereich, der Rezession signalisiert. Die könnte im laufenden zweiten Quartal ihren Höhepunkt erreichen, nachdem die Wirtschaftskraft Deutschlands bereits im Auftaktquartal 2020 um 2,2 Prozent gesunken war.

RND

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