Schnellere ICE auf besseren Gleisen: Die Bahn will mehr Tempo

  • Die neuesten ICE-Züge sollen dank eines Softwareupdates bald schneller fahren können.
  • Zugleich kündigte die Deutsche Bahn an, das Hochgeschwindigkeitsnetz um die Hälfte vergrößern zu wollen.
  • Die Bahn setzt also auf Geschwindigkeit – auch wenn es bei der Pünktlichkeit weiterhin hapert.
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Schneller und pünktlicher soll die Bahn werden – was als Devise seit Jahren ausgegeben wird, ist in der Praxis des Fernverkehrs eine komplizierte Angelegenheit. Schließlich mangelt es sowohl an fixen Zügen als auch an schnell befahrbaren Strecken. Doch beides soll sich ändern. Im ersten Schritt soll die jüngste ICE-Generation ab August eine höhere Spitzengeschwindigkeit erreichen.

265 statt 250 Stundenkilometer wird die Höchstgeschwindigkeit der langen Varianten des ICE4 der Deutschen Bahn zufolge dann betragen. „Damit kann der ICE 4 mehr Tempo machen, was auch die Pünktlichkeit der Züge verbessert“, sagte ein Bahnsprecher am Freitag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Fahrtzeiten verändern sich dadurch nicht“, betonte er zugleich.

Möglich ist die höhere Geschwindigkeit ihm zufolge dank eines Softwareupdates, das ab August schrittweise auf die Züge aufgespielt werden soll. Insgesamt hat die Bahn derzeit etwa 75 ICE 4 in Betrieb, bis 2024 liefert Hersteller Siemens etwa 60 weitere. Die langen, bald schnelleren Varianten machen den Großteil der ICE-4-Flotte aus.

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Auch das Hochgeschwindigkeitsnetz soll wachsen

Sie sind allerdings langsamer als ihre Vorgängermodelle: Der ICE 3 kommt auf 330 km/h Spitzengeschwindigkeit. Von derartigen Ambitionen hatte sich die Bahn schon 2011 verabschiedet: 250 km/h würden reichen, hieß es bei der Bestellung des ICE 4. Für mehr brauche man deutlich mehr Energie, während Höchstgeschwindigkeiten nur auf wenigen Strecken im Netz möglich seien.

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Das ist tatsächlich ein Flickenteppich aus Abschnitten, auf denen Züge mal weniger als 200, mal bis zu 300 Stundenkilometer schnell fahren können. Geht es nach Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla, ändert sich das bald: „Wir werden die Hochgeschwindigkeitsstrecken mittelfristig um 50 Prozent ausbauen – von jetzt 1000 auf dann 1500 Kilometer“, kündigte er am Freitag gegenüber den Zeitungen Funke-Mediengruppe an.

Pro Schiene will mehr Geld für die Bahn

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Bis zu 250 Stundenkilometer sollen ihm zufolge dann etwa zwischen Stuttgart und Ulm, Frankfurt und Mannheim sowie Hannover und Hamburg drin sein. Auf einen konkreten Zeitrahmen wollte sich Pofalla nicht festlegen, realistisch seien zehn bis zwölf Jahre. „Jedes größere Infrastrukturprojekt, das wir planen, ist von Protesten und Einwänden begleitet“, warnte Pofalla, der lange für die CDU im Bundestag saß.

Die Allianz Pro Schiene ist indes überzeugt, dass sich Planungsverfahren auch ohne Einschränkungen bei Naturschutz und Mitspracherechten beschleunigen ließen. Stattdessen mangelt es Geschäftsführer Dirk Flege zufolge an Geld, um Strecken auszubauen und so das klimafreundliche Zugfahren voranzubringen: „Bislang können die Vorhaben des Bundesverkehrswegeplans nur nach und nach abgestottert werden. Wir fordern mindestens 3 Milliarden Euro pro Jahr, derzeit wird etwa halb so viel zur Verfügung gestellt“, sagte Flege dem RND.

Werden Fernzüge wieder unpünktlicher?

Das zeichnet sich derzeit ebenso wenig ab wie eine zeitnahe Verbesserung der Pünktlichkeit. Nach Pofallas Angaben werden 2021 die Fernzüge etwa zu 80 Prozent pünktlich sein. 2020 waren es – auch wegen der Corona-Pandemie – 81,8 Prozent. Bahn-Kenner rechnen damit, dass auch in der ersten Jahreshälfte 2021 die Pünktlichkeit über 80 Prozent liegt. Trotz des bald schneller fahrenden ICE 4 ist in Pofallas Zielwert also einkalkuliert, dass der Fernverkehr mit Abklingen der Pandemie wieder etwas unpünktlicher wird.

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Einen Grund zu feiern hat man bei der Bahn trotzdem: Diesen Samstag werden die ICE-Züge 30 Jahre alt. Der ICE 1 wurde am 29. Mai 1991 eingeweiht. Wenige Tage später nahmen die ersten Züge den Linienbetrieb auf – übrigens mit einer Spitzengeschwindigkeit von 280 km/h.

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