Nach großspuriger Ankündigung: Kommt das E-Auto für 10.000 Euro?

  • Auf der IAA zeigen die Hersteller in diesem Jahr auch viele serienreife E-Autos.
  • Bislang setzen sie aber vor allem auf hochpreisige Stromer, günstige Modelle sind selten.
  • Geht es nach dem Chef von Renault, könnte sich das allerdings innerhalb von fünf Jahren ändern.
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Die Präsentationen der deutschen Autobauer am Dienstag auf der IAA hatten einiges gemeinsam. Überall waren Windräder zu sehen. Alle Vorstandschefs und Topmanager legten ein Bekenntnis zum Klimaschutz ab. Nachhaltig ist in diesen Tagen eine der Lieblingsvokabeln in der Branche. Und Ola Källenius, Daimler-Boss, formulierte, was sämtliche Autobauer als ihre zentrale Message verbreiten wollten: „Wir sind elektrisch.“

Er sagte das, als auf der großen Bühne in der Frankfurter Festhalle eine breite Phalanx an Mercedes-Modellen aufgefahren war. Allerdings waren die allermeisten nur teilelektrisch, nämlich Plug-in-Hybride. Trotz aller Bekenntnisse sind die reinrassigen Stromer auf der Autoschau vielfach noch im Hintertreffen.

Noch gibt es viele E-SUVs

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Denn die Wahrheit ist: Wer sich demnächst ein E-Fahrzeug kaufen will, hat es gar nicht so leicht. Auf der Festhallenbühne stand zwar auch ein vollelektrischer EQC von Mercedes. Ein wuchtiges SUV, das nach Werksangaben eine beruhigende Reichweite von mehr als 400 Kilometern hat. Aber für den Wagen muss der Käufer auch die stolze Summe von mindestens 70.000 Euro hinlegen. Das sind aber immerhin noch gut 10.000 Euro weniger als für einen E-Tron, der am Audi-Stand steht. Dafür kann der Sportgeländewagen aber auch eine Leistung von 360 PS entfalten.

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Die wuchtigen Fahrzeuge mit dem höheren Einstieg sind ein Trend in der Elektromobilität, der insbesondere bei den sogenannten Premiumherstellern zu erkennen ist. Sie sind auch als Rivalen des weltweit erfolgreichen Model X von Tesla konzipiert, das schon einige Jahre auf den Straßen unterwegs ist.

Kaum günstige E-Autos

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Wer kompakte Stromer für kleinere Geldbeutel sucht, muss sich schon etwas genauer umschauen. Immerhin stand aber auf der Festhallenbühne auch ein elektrischer Smart der neuesten Generation. Er ist als agiler zweisitziger Cityflitzer konzipiert. „Mit einem Smart kannst du in Stadt und Umland alles erreichen: Bis zu 159 km Reichweite sind dafür mehr als genug“, heißt es auf der Website der Kleinstwagenmarke von Daimler. Allerdings muss der Käufer auch dafür mehr als 20.000 Euro hinblättern. Für das gleiche Geld gibt es erheblich mehr Auto, wenn der Kunde doch wieder einen Verbrenner kauft.

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Mit einer Elektrooffensive wollen Autobauer den weltweit schärfer werdenden Klimaauflagen gerecht werden.  © AFP
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Denn die Batterie macht den Unterschied. Sie ist der mit Abstand teuerste Kostenposten bei den Autos mit den neuen Antrieben. Das bedeutet: Mit steigender Reichweite steigen auch die Preise. So kommt der Elektro-Corsa von Opel zwar bei vorsichtiger Fahrweise zwar gut 300 Kilometer weit. Aber der Rüsselsheimer Autobauer gibt auch einen Listenpreis ab 29.900 Euro an. Das hemmt die Elektromobilität. Laut Kraftfahrtbundesamt wurden im August gerade einmal 5001 Stromer neu zugelassen. Das entspricht einem Marktanteil von 1,6 Prozent.

Renault-Chef wettet auf 10.000-Euro-Elektroautos

Renault-Chef Thierry Bolloré hat das Problem erkannt. Die Preise für E-Autos müssten dramatisch sinken, sagte er dem Handelsblatt. Aber man dürfe nichts überstürzen. Damit die neue Mobilität auch tatsächlich nachhaltig sei, müsse sie auch profitabel sein. Bolloré ist gleichwohl fest davon überzeugt, dass es weniger als fünf Jahre dauern wird, bis es in Europa Elektroautos für 10.000 Euro geben werde.

Der Renault-Chef wettet damit auf die nächste Generation der Batterien, die über eine höhere Leistungsdichte verfügen, bei denen das Recycling einfacher funktioniert und bei denen weniger seltene Erden benötigt werden – das sind extrem teure Rohstoffe, die zudem vielfach unter höchst fragwürdigen Bedingungen gefördert werden. Zahlreiche Studien gehen davon aus, dass sich die Batteriepreise bis 2025 halbieren könnten. Auch weil Dutzende Gigafactories weltweit geplant sind, die jeweils riesige Stückzahlen herstellen können: Mit steigender Menge schrumpfen die Kosten pro Lithium-Ionen-Zelle.

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Greenpeace demonstriert vor den Toren der IAA gegen die „Klimakiller“. Drinnen versuchen die Autohersteller mit neuen Elektromodellen dagegen zu halten.  © dpa

Die Wartezeiten sind enorm

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Wem das zu lange dauert, der könnte auf die Idee kommen, sich einen e.GO bei dem gleichnamigen Aachener E-Auto-Startup zu bestellen. Schließlich handelt es sich mit einem Einstiegspreis von 15.900 Euro um das bislang preiswerteste Elektroauto hierzulande. Doch nachdem der Run auf das kleine Stadtauto riesig war und die erste Serie ausverkauft ist, müssen Kunden sich in Geduld üben. Selbst Vorbestellungen werden nur noch im Showroom in Aachen und über zwei weitere Vertriebspartner angenommen.

Das ist kein Einzelfall. Bei einer ganzen Reihe von Stromern sind die Lieferfristen enorm lang. Wer etwa den E-Niro, ein kompaktes SUV von Kia, haben will, muss länger als ein Jahr warten. Offensichtlich wurden Autobauer von wachsender Nachfrage überrascht.

Eine Chance für Volkswagen?

Der Volkswagen-Konzern will diese Situation nun offenbar nutzen. Nicht nur mit dem kompakten ID.3, der erst im nächsten Jahr kommt. Vertriebschef Jürgen Stackmann sprach auf der IAA-Präsentation vom „Einstieg in die Elektromobilität für alle“. Er meint damit den Kleinwagen E-Up. Dessen neueste Version bekommt nicht nur eine stärkere Batterie als sein Vorgänger. Sie soll künftig 260 Kilometer schaffen. Für den Wagen kündigte er auch eine Sonderaktion an, die vom 18. September bis 31. Oktober läuft. Das Auto wird für eine Leasingrate von 159 Euro im Monat offeriert – ohne Anzahlung. Die Konzernschwester Skoda schickt zugleich den fast baugleichen Citigo-E für 145 Euro ins Rennen.

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