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Hundeversicherung – welcher Schutz wirklich sinnvoll ist

  • Die Corona-Pandemie hat zu einem Hundeboom in Deutschlands Familien geführt.
  • Eine Hundehaftpflicht sollte laut Experten ein Muss für jeden Hundehalter sein.
  • Viele Hundehalter denken auch oft über den Abschluss einer Krankenversicherung für den Vierbeiner nach.
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Die coronabedingte Isolation von Teilen der Familie und von Freunden hat in Deutschland im vergangenen Jahr zu einem Boom bei Haustieren geführt. Katzen, Kleintiere und Hundewelpen sind gefragt wie nie. Viele Menschen sind vor allem sprichwörtlich „auf den Hund gekommen“ – zumindest spiegeln das die Zahlen vieler Versicherer wider, die teilweise Rekordzahlen bei Tierversicherungen verbuchten.

Deutlicher Anstieg bei Tierversicherungen

So berichtet beispielsweise die Gothaer Versicherung, dass das Neugeschäft bei der Tierhalterhaftpflichtversicherung im Jahr 2020 um 20 Prozent im Vergleich zu 2019 gestiegen ist. Die Tierkrankenversicherung hat sich laut der Gothaer an Neuverträgen sogar mehr als verdoppelt.

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Auch der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), der größte Dachverband für Hundezucht und Hundesport in Deutschland, spricht laut Verbandssprecher Udo Kopernik von acht Prozent mehr Hunden, die bundesweit 2020 im Vergleich zu Nicht-Corona-Jahren gekauft wurden.

Ist erst einmal ein Welpe oder ein Hund im Haushalt angekommen, sind die Erwartungen an den Vierbeiner klar gesetzt: Stubenrein soll er sein oder werden, wohlerzogen und natürlich eine gute Bindung zu allen Hausbewohnern haben, sprich ein echter Familienhund.

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Hund nicht in der privaten Haftpflicht mitversichert

Doch dieser sollte auch entsprechend versichert sein – auch wenn er am Ende aufs Wort hört, gut an der Leine läuft und alles andere als bösartig ist. Es kann immer passieren, dass der Hund doch so reagiert, dass es zu Schäden oder gar einem Verkehrsunfall kommt. Je nachdem, wie schwer die Folgen solcher Unglücksfälle sind, kann es dann für den Hundehalter teuer werden.

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Daher sollte die Tierhalterhaftpflicht, auch Hundehaftpflicht genannt, ein Muss für jeden Hundehalter sein, denn der Hund ist nicht in der regulären privaten Haftpflichtversicherung integriert.

In vielen Bundesländern schon Pflicht

Nur eine Hundehaftpflicht haftet derweil für Schäden, die der Hund verursacht – auch dann, wenn man selbst keine Schuld hat. „Die Hundehaftpflichtversicherung ist aus gutem Grund in immerhin sechs Bundesländern für alle Hunde Pflicht, in allen anderen Bundesländern – außer Mecklenburg-Vorpommern – zumindest für bestimmte Hunderassen. Denn von Hunden verursachte Schäden sind im Unterschied zu Schäden durch andere Haustiere nicht über die Privathaftpflichtversicherung abgedeckt“, sagt Versicherungsexperte Heiko Vollmer von Fingenium.

Wer eine solche Hundehaftpflichtversicherung nicht hat, muss bei etwaigen Schäden und Folgeschäden dann persönlich mit dem kompletten Vermögen haften, wenn der eigene Hund nachweislich einen Schaden verursacht.

Die Art der Schäden, das zeigen Daten der Versicherer aus der Vergangenheit, sind breit gestreut. „Von angenagten Möbeln im Hotel oder Ferienhaus über Bisswunden bei anderen Hunden beim Spielen im Park bis hin zu schweren Verletzungen an Menschen von Hunden die ‚nie‘ beißen“, so Heiko Vollmer weiter. „Letztlich sind es alles Situationen, von denen jeder schon gehört hat und die man definitiv auch beim vierbeinigen Familienmitglied nicht ausschließen kann.“ Übrigens: Auch viele Hundeschulen verlangen bei der Anmeldung zu Kursen den Nachweis einer vorhandenen Hundehaftpflicht für den „Schüler“.

Auf eine ausreichende Deckungssumme achten

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Bei der Auswahl der Versicherung sollte man laut dem Versicherungsexperten neben einer ausreichenden Deckungssumme vor allem darauf achten, dass Schäden von Familienangehörigen abgesichert sind und „der Hund auch versichert ist, wenn er von Dritten gehütet wird beziehungsweise die Hundeschule besucht. Diese Punkte sollten obligatorisch abgedeckt sein, sind es aber nicht immer“, sagt Vollmer.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband rät, bei der Hundehaftpflicht eine Deckungssumme für Personen- und Sachschäden von mindestens 5 Millionen Euro zu haben. Solche Versicherungen sind am Ende gar nicht mal so teuer. Die Jahresprämie für Hunde liegt deutlich unter 100 Euro. Wichtig zu wissen: Bei Besitzern von Katzen deckt laut der Verbraucherschützer eine private Haftpflichtversicherung mögliche Folgen von unkalkulierbarem Verhalten ab.

Eine Krankenversicherung für den Hund?

Mit dem Hundeboom ist auch eine weitere Versicherung im vergangenen Jahr in den Fokus vieler Familien gerückt. Die Tierkrankenversicherungen. Viele hadern damit, inwieweit diese notwendig und sinnvoll ist. Klar ist: Wenn der eigene Hund erkrankt oder sogar operiert werden muss, kann der Besuch beim Tierarzt den Familiengeldbeutel schnell mal belasten.

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Dafür ist laut der Versicherer eine entsprechende Absicherung durch die Tierkrankenversicherungen vorhanden. Hier kann der Hund – ähnlich wie Frauchen und Herrchen in der Privaten Krankenversicherung – aus einem breiten Portfolio mit verschiedenen Bausteinen versichert werden. Eine Tierkrankenversicherung kann die Tierarzt- und Operationskosten für ambulante, stationäre und chirurgische Behandlungen, die Medikamente, Unterbringung und die Diagnostik erstatten.

Ein komplexer Versicherungsschutz ist nicht günstig

Bei den Krankenversicherungen sollten Hundehalter auf folgendes achten:

  • Es werden nur medizinisch notwendige Behandlungen übernommen, die Kosten für eine Kastration oder Sterilisation ohne medizinische Not übernehmen beispielsweise viele Versicherungen nicht.
  • Preislich ist das Ganze nur bedingt günstig. Es beginnt bei einem monatlichen Betrag unter 20 Euro und kann aber auch über 35 Euro pro Monat kosten. Die Beiträge sind meist abhängig von der (Hunde-)Rasse, der Größe, dem Gewicht, dem Alter des Tieres und der Art der Haltung.
  • Verbraucherschützer sind bei den Krankenversicherungen für Haustiere skeptisch und sehen deren Nutzen als beschränkt an. Die Policen seien zu teuer, und nicht alle Behandlungen würden bezahlt, so die Einschätzung. Zudem werden meist nur gesunde Tiere versichert.
  • Nicht selten geben die Versicherer zudem ein Mindest- und ein Höchstalter für das Tier vor, damit ein Abschluss überhaupt möglich ist. Ebenso kann es sein, dass die Versicherungen bei älteren Tieren oder bei Vorerkrankungen ein tierärztliches Gutachten über den Gesundheitszustand anfordern. Laut Verbraucherschützer Bundesverband kann ein Hundehalter sich diese Faustregel merken: Je älter das Tier bei Vertragsabschluss ist, desto teurer wird der Beitrag.

Versicherungskonditionen und Preise vergleichen

Einmal mehr lohnt sich an dieser Stelle als Verbraucher ein Versicherungsvergleich, denn die Preisunterschiede und die jeweils abgedeckten Risiken schwanken deutlich. Die bekannten Vergleichsportale weisen viele Daten und Konditionen übersichtlich auf.

Wer auf eine Tierkrankenversicherung verzichtet, der könnte den Rat von Verbraucherschützern beherzigen und statt monatlich Beiträge zu bezahlen für den Ernstfall lieber eine Rücklage bilden und Geld auf dem Konto für Notfälle reservieren.

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