Bitkom-Studie: Öffentliche Verwaltung klares Schlusslicht beim Homeoffice

  • Wegen der Corona-Pandemie arbeiten immer mehr Menschen im Homeoffice.
  • Digitale Büros sind in den Branchen aber unterschiedlich verbreitet - das Schlusslicht bilden öffentliche Verwaltungen.
  • Ein Recht auf Homeoffice wirkt dennoch überflüssig.
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Alle zwei Jahre fragt der IT-Branchenverband Bitkom in Deutschland Firmen aller Branchen nach der Verbreitung digitaler Büros. Dieses Jahr waren die im Mai und Juni eingesammelten Antworten klar. „Das sind eindeutig Corona-Effekte“, sagt Bitkom-Digitalexperte Peter Collenbusch. So habe die Smartphonenutzung in deutschen Firmen binnen zwei Jahren von 51 auf 81 Prozent zugelegt, die Verbreitung von Videokonferenzen von 48 auf 61 Prozent. 86 Prozent aller befragten Unternehmen planen ein Ende der Zettelwirtschaft mit Papier und Fax sowie deren Ersatz durch digitalisierte Kommunikation, wobei fast zwei Drittel schon so weit sind. Das sind jeweils doppelt so viele Firmen wie noch 2016. Gut jedes zweite Unternehmen sagt zudem, dass die Schübe pandemiebedingt sind.

Bitkom-Experte: Recht auf Homeoffice nicht zwingend nötig

Die Basis für ein flächendeckendes und bleibendes Homeoffice in der deutschen Wirtschaft ist damit gelegt und wird auch noch weiter ausgebaut. Sieben von zehn Firmen haben geantwortet, dass sie 2020 mindestens so viel oder noch mehr in digitale Büros investieren werden wie 2019. Das Viertel, das dafür weniger Geld bereitstellt, kann es sich wohl wegen Corona-Lasten nur nicht leisten, vermutet Collenbusch. In der Spitze habe zuletzt fast jeder zweite deutsche Arbeitnehmer von zuhause aus gearbeitet.

„Ein Recht auf Homeoffice braucht es eher nicht“, sagt der Bitkom-Experte angesichts dieser Entwicklung. Unternehmen würden das schon aus Eigeninteresse weiterhin ermöglichen und einsetzen, um ihre Prozesse am Laufen zu halten. Zudem habe sich gezeigt, dass digitales Arbeiten oft effektiver ist. Erste Politikerinnen wie die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) appellieren indessen wegen steigender Infektionszahlen an die Adresse von Firmen wieder stärker auf Homeoffice zu setzen. „Es ist jetzt wichtig, die Zahl der Kontakte so weit wie möglich zu begrenzen“, sagt sie mit Blick auf wieder steigende Pendlerzahlen.

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Wirtschaft verabschiedet sich von analoger Kommunikation

In einem anderen Bereich der Wirtschaft wäre dieser Appell aber wohl besser aufgehoben. Das sind die öffentlichen Verwaltungen. Denn dort nutzen laut Bitkom-Studie nur vier von zehn Beschäftigten aktuell beruflich Smartphone oder Computer, ohne die es beim Homeoffice nicht geht. Damit ist die öffentliche Verwaltung hier zu Lande klares Schlusslicht. In Berlin seien sogar nur 15 Prozent aller Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen homeoffice-fähig, benennt Collenbusch einen besonders krassen Fall. Im Schnitt der heimischen Wirtschaft arbeiten dagegen 55 Prozent aller Festangestellten mobil und per Internet. An der Spitze stehen Banken, Finanzdienstleister und Versicherer mit je rund neun von zehn Beschäftigten.

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Wenn Politiker wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ein jährliches Recht auf 24 Tage Homeoffice gesetzlich verankern wollen, hätte das im Gegensatz zur Privatwirtschaft in öffentlichen Verwaltungen damit schon eher eine Existenzberechtigung. Die deutsche Wirtschaft verabschiede sich in der Corona-Pandemie jedenfalls ohnehin von Papier wie analoger Kommunikation und wende sich rasant dem digitalen Büro und Homeoffice-Technologien zu, findet Bitkom. So habe allein im ersten Halbjahr 2020 mehr als jedes zweite deutsche Unternehmen ein mobiles Arbeitsgerät mit Festnetzzugang angeschafft und vier von zehn Firmen Software, um Videokonferenzen und digitale Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Öffentliche Verwaltung ist digitalisierbar

Dass die öffentliche Verwaltung nicht dazu verdammt ist, in puncto Digitalisierung die rote Laterne zu tragen, zeigt die Bitkom-Studie allerdings auch. Denn bei elektronischen Rechnungen liegt sie mit 82 Prozent einsam an der Spitze, wogegen erst drei von zehn deutschen Unternehmen darauf vorbereitet sind.

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Ab 27. November 2020 müssen alle Unternehmen, die im Auftrag des Bundes tätig sind, Rechnungen auf einem speziellen elektronischen Format übermitteln. Die Vorreiterrolle öffentlicher Verwaltungen dabei führt Bikom schlicht darauf zurück, dass digitale Rechnungen politisch in eGovernment-Beschlüssen verfügt wurden. Digitalisierbar ist also auch öffentliche Verwaltung, wenn der Wille dazu da ist.

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