Holzoptik und teure Weine: Darum muss Aldi in China so schick sein

Aldi eröffnet in China neue Filialen – die für den Discounter unerwartet schick sind. Das ist Teil einer Strategie, zu der es in China kaum Alternativen gibt.

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Peking. Wer eine Aldi-Filiale in Shanghai besucht, kommt aus dem Staunen kaum heraus – denn statt Discounter-Flair erwartet Kunden ein edles Interieur. Der deutsche Discounter versucht, so die Fehler der Konkurrenz zu vermeiden.

Der größte Einzelhändler Europas, Carrefour, kündigte vergangene Woche den Verkauf von 80 Prozent seines China-Geschäfts für rund 620 Millionen Euro an Suning.com an. Der chinesische Konzern, der bislang vor allem Elektronik-Läden betreibt, hat sich auch die Option gesichert, die übrigen 20 Prozent der französischen Kette zu übernehmen, die seit 1995 in China aktiv ist.

Für Carrefour und seine rund 200 Supermärkte in der Volksrepublik ging es zuletzt bergab. Die Umsätze waren 2018 um fast sechs Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gesunken. Der harte Wettbewerb mit heimischen Anbietern und die in China rasant wachsende Konkurrenz durch das Online-Geschäft werden dafür als Hauptgründe gesehen.

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Einen Bedientresen findet man in Deutschen Aldi-Filialen kaum.

Die britische Supermarktkette Tesco verabschiedete sich bereits vor sechs Jahren zu einem großen Teil aus China. Auch der US-Konzern Home Depot hat seine Ambitionen in China längst begraben. Zuletzt verkaufte 2018 der spanische Discounter Dia nach 15 Jahren in China seine 450 Filialen ebenfalls an die Suning-Gruppe.

Und in einem solchen Umfeld eröffnet Aldi neue Filialen?

China wird laut der Marktforscher von IDG die USA zwar in vier Jahren als  größten Lebensmittelmarkt der Welt ablösen. Doch besonders ausländische Ketten haben Probleme, sich auf die geänderten Kaufgewohnheiten der Chinesen einzustellen. Großsupermärkte, wie sie Carrefour betrieben hat, sind immer weniger gefragt.

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Chinas Mittelklasse hat keine Lust mehr, sich erst durch endlose Regalreihen zu suchen und sich dann in die langen Schlangen an den Kassen einzureihen. Warum auch, wenn man sich Obst, Fleisch und Gemüse ebenso gut an die Haustür liefern lassen kann?

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Walmart setzt auf den Onlinehandel 

Laut einer Untersuchung des Marktforschungsfirma Nielsen wurden zuletzt bereits 18 Prozent der sogenannten schnelldrehende Waren wie verpackte Lebensmittel, Getränke, Toilettenartikel, rezeptfreie Medikamente und andere Verbrauchsmaterialien in China online gekauft. In Deutschland waren es gerade mal 1,7 Prozent.

Um mithalten zu können, haben sich ausländische Ketten wie Walmart mit einem der chinesischen E-Commerce-Plattformen verbündet, wenn sie sich nicht ganz verabschiedet haben.

Chinas Onlinehandels-Giganten Alibaba und JD.com oder Lieferdienste wie Meituan und Ele.me beliefern immer mehr Kunden schnell mit Einkäufen aus dem Supermarkt oder Restaurant um die Ecke.

Online ist Aldi schon länger in China

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Der deutschen Discounter Aldi hat dies erkannt und will es besser machen als Carrefour. Vor zwei Jahren tastete sich Aldi Süd zunächst mit einer reinen Online-Präsenz auf der zu Alibaba gehörende Handelsplattform Tmall vor.

Auch in den ersten stationären Märkten setzt Aldi nun auf den Online-Trend. Kunden können dort auch mit einem Miniprogramm in der in China stark verbreiteten Allzweck-App WeChat im Laden bestellen und bekommen im Umkreis von drei Kilometern sofort geliefert. Mittelfristig sollen in China nach unbestätigten Berichten zehn Filialen aufgebaut werden - langfristig sogar 50 bis 100.

Ob Aldi’s Plan aufgeht, bleibt abzuwarten.

Im Geschäft kann der Kunde natürlich mit dem in China sehr populären WeChat- oder Ali-Pay auf dem Handy mobil bezahlen oder auch selbst Waren scannen, ohne lange an der Kasse stehen zu müssen. Auch setzt Aldi, das in elf Ländern mit 6240 Filialen aktiv ist, in China auf ein besonderes Angebot: Keine Billigware, sondern ausgesuchte, höherwertigere Produkte sollen verkauft werden.

Die Qualität soll garantiert werden, da der chinesische Kunde schon so manchen Lebensmittelskandal erlebt hat. Hochwertige Importwaren wie Rindfleisch und Milch aus Australien, Wein aus Bordeaux, Bioprodukte oder auch trendiges Craftbeer aus dem nahe gelegenen Hangzhou sind so in den ersten Shanghaier Märkten zu finden.

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Von RND/dpa