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Lebensmittelpreise: Sind die Deutschen bereit, mehr für Fleisch zu zahlen?

  • Laut dem Fleischpreisindex konsumieren die Deutschen zehn Prozent mehr Fleisch als der weltweite Durchschnitt.
  • Nach eigener Aussage wären zwei Drittel der Verbraucher bereit, mehr für tierwohlfreundliche Produkte zu zahlen.
  • Beim Kaufverhalten zeigt sich jedoch, dass die Kunden eher zu günstigen Fleischprodukten greifen.
Michèle Förster
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In Umfragen geben viele Verbraucher an, dass ihnen beim Thema Fleisch das Tierwohl am Herzen liegt. Nach eigener Aussage wären sie auch bereit, mehr für Fleisch zu bezahlen, wenn sich dadurch die Haltungsbedingungen bei den Produzenten verbessern. In der Praxis mangelt es jedoch an der Konsequenz der Umsetzung: Denn gekauft wird vor allem, was billig ist.

Preis für Schweinefleisch unter dem globalen Durchschnitt

In Deutschland werden jährlich pro Kopf mehr als 60 Kilogramm Fleisch verzehrt. Schweinefleisch macht dabei rund zwei Drittel aus, über zehn Kilogramm entfallen jeweils auf Geflügel und Rindfleisch. Laut dem Fleischpreisindex, der nach einer Marktanalyse des Unternehmens Caterwings erstellt wurde, kostet ein Kilogramm Hack aus Schweinefleisch in Deutschland durchschnittlich 6,97 Euro, Hähnchenschenkel werden für 2,74 Euro angeboten und für Schweinekoteletts bezahlen die Verbraucher 9,76 Euro.

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Damit sind bei uns besonders Geflügelprodukte und Schweinefleisch auffallend billig. Der Kilopreis für Fleisch und Wurstwaren aus Schwein ist rund sieben Prozent günstiger als der weltweite Durchschnitt. Der Fleischpreisindex geht aktuell von einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum in Höhe von 88,1 Kilogramm aus. Damit liegen die Deutschen knapp zehn Prozent über dem weltweiten Durchschnittsverbrauch.

Die Bereitschaft der Verbraucher ist da, aber ...

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28 Prozent der für den jährlichen Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft Befragten essen täglich Fleisch. Im Vergleich zu den vorigen Jahren lässt sich dabei ein leichter Rückgang erkennen: 2018 waren es 30 Prozent, 2017 noch 34 Prozent. Dabei wären mehr als zwei Drittel der Verbraucher nach eigenen Angaben bereit, bis zu fünf Euro mehr für Fleisch aus tierfreundlicher Produktion zu zahlen, wenn sich zum Beispiel die Haltungs- und Schlachtbedingungen ändern würden. Acht Prozent wären bereit, einen Aufpreis von mehr als zehn Euro pro Kilogramm zu zahlen.

Im Supermarkt zeigt sich jedoch ein anderes Kaufverhalten. „In der Realität spüren wir eine andere Entwicklung. Wir bemerken, dass die Kunden in der Regel eher zu Fleisch von konventionell gehaltenen Tieren greifen“, sagte Aldi Süd beispielsweise gegenüber dem Handelsblatt. Ob eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von sieben auf 19 Prozent dazu beitragen würde, die Haltungsbedingungen für die Tiere zu verbessern, wird von Politikern und Tierschützern immer wieder diskutiert.

Exportbeschränkungen machen Bauern zu schaffen

Die Fleischindustrie setzt laut Statistischem Bundesamt seit 2016 pro Jahr mehr als 40 Milliarden Euro um und zählt damit zu einer wichtigen Branche. Doch der aktuelle Preiseinbruch für Kälber macht den Bauern zu schaffen. Bekamen sie im Mai vergangenen Jahres noch 25 Euro in der Schlachtung für ein Kalb, waren es im Oktober 2019 nur noch 8,49 Euro. Dafür seien vor allem die Transportverbote in andere EU-Länder verantwortlich, erklärte der Bauernverband gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Durch die Exportbeschränkung würde sich ein regionales Überangebot an Rindern ergeben, das zu diesem starken Preisverfall führt.

„Die Margen der Landwirte sinken seit Jahren“, beklagt auch Dario Sarmadi von Foodwatch. Die führenden Händler, zu denen Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi gehören, kontrollieren nach Angaben des Bundeskartellamts insgesamt mehr als 85 Prozent des Lebensmittelmarktes in Deutschland.

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Die Macht der Supermärkte ist groß

Diese Position weist ihnen auch beim Thema Fleisch eine entscheidende Rolle zu: Sie bestimmen darüber, welche Produkte in den Regalen präsentiert werden und beeinflussen mit ihrer Preispolitik das Kaufverhalten der Verbraucher. „Sonderangebote für Fleisch sind im deutschen Markt ein traditionelles Mittel, um Verbraucherinnen und Verbraucher in die Geschäfte zu locken“, analysiert die Heinrich-Böll-Stiftung in ihrem Fleischatlas 2018.

Obwohl bereits einzelne Supermärkte Fleisch von unbetäubt kastrierten Schweinen oder Eier von Hühnern mit gekürzten Schnäbeln aus dem Sortiment verbannen, können diese Maßnahmen nicht den gesamten Markt regulieren. Denn so lange Supermarktketten wie Rewe die günstigen Fleischpreise mit dem Vorteil für die Verbraucher begründen, werde sich an der Wertschätzung für landwirtschaftlich erzeugte Produkte nichts ändern, kritisieren Branchenkenner der Verbraucherzentrale.

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