Oetker, Obi, Douglas: Wie helfen Unternehmen den Flutopfern – und warum?

  • Douglas gibt Betroffenen und Helfern Sonderurlaub, Obi spendet Trocknungsgeräte und Pumpen, Dr. Oetker Pizzen und die Radeberger Gruppe Getränke.
  • Dazu kommen viele Millionen an Geldspenden.
  • Warum? Laura Marie Edinger-Schons, Professorin für nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Mannheim, sagt: „Aktionäre, Eigentümer, Mitarbeiter und Kunden erwarten heute mehr von einem Unternehmen als reine Profitmaximierung.“
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Hannover. Die Douglas-Chefin Tina Müller ist selbst betroffen von der Hochwasserkatastrophe. „Mir persönlich sind die Bilder meiner Heimatstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler besonders unter die Haut gegangen. Vertraute Orte wie mein Elternhaus sind einfach nicht mehr wiederzuerkennen“, schreibt sie in einem Beitrag auf dem Karrierenetzwerk Linkedin.

Müller sagte den betroffenen Kollegen und Kolleginnen finanzielle Soforthilfe zu, außerdem sollen sie genauso wie die Mitarbeiter, die vor Ort Hilfe leisten, Sonderurlaub bekommen. Sie versprach auch, die zerstörten Douglas-Filialen wieder aufzubauen.

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„Sechsstelliger Schaden“ – Erftstädter zeigt Ausmaß der Zerstörung
2:45 min
Nach den verheerenden Überschwemmungen in Erftstadt zeigt ein örtlicher Hausbesitzer das Ausmaß des Schadens an seinem Haus.  © RND
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Unternehmen helfen mit Know-how

„Die Hilfsbereitschaft und Solidarität in Deutschland ist gerade immens. Auch Unternehmen aus verschiedensten Branchen wollen einfach und schnell helfen“, sagt Manuela Roßbach, Geschäftsführende Vorständin von Aktion Deutschland Hilft.

Neben den vielen Millionen Euro Spenden, die von deutschen Unternehmen zugesagt wurden, leisten viele Firmen Sachspenden. „Unternehmen engagieren sich auf vielfältige Weise: mit Spenden, Benefizaktionen oder Mitarbeitersammlungen. Darüber hinaus bringen sie gerne ihr explizites Know-how ein“, so Roßbach.

Beispiele dafür gibt es genügend: So hat der Pumpenhersteller KSB dem Technischen Hilfswerk fünf mobile, hochleistungsfähige Schmutzwasserpumpen zur Verfügung gestellt, dazu kommen 100 Hauswasserwerke für die Trinkwasserversorgung in den betroffenen Gebieten.

Obi verteilt gebrauchte Pumpen und Geräte

Der Baumarkt Obi hat seine Kunden aufgerufen, gebrauchte Trocknungsgeräte, Pumpen oder andere akut nützliche und schwer verfügbare Geräte und Werkzeuge im nächsten Markt abzugeben, damit das Unternehmen die Hilfsgüter schnell an die Betroffenen verteilen kann. Als Gegenleistung erhalten die Spender einen Gutschein im Wert eines neuen Geräts.

Die Autobauer Daimler und Ford haben den Rettungskräften geländegängige Fahrzeuge zur Verfügung gestellt.

Vodafone spendet Datenvolumen

Vodafone arbeitet derzeit daran, schnellstmöglich die Netzinfrastruktur vor Ort wieder aufzubauen. Alle von der Flutkatastrophe betroffenen Kundinnen und Kunden erhalten außerdem 100 Gigabyte kostenloses mobiles Datenvolumen aufs Smartphone. Konkurrent Telekom stellt der TV-Spendengala am Samstagabend 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung, die die Spendenhotline betreuen.

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Das Pizzawerk in Wittlich/Rheinland-Pfalz der Oetker-Gruppe beliefert die Helfer des Krisenkoordinationszentrums am Nürburgring mit Pizzen. Die Radeberger Gruppe liefert Mineralwasser und andere alkoholfreie Getränke in die betroffenen Gebiete, um den Trinkwasserengpass zu lindern. Und der Tierfutterhersteller Mera bringt 1,2 Tonnen Hunde- und Katzenfutter in die betroffenen Gebiete.

Zu guter Letzt bietet der Wohnungskonzern Vonovia Menschen, die ihre Bleibe verloren haben, mehrere Wohnungen im Raum Eschweiler, Köln, Leverkusen und Bonn an, die sofort verfügbar sind. Für einen Monat können die Betroffenen dort kostenlos wohnen.

Intrinsische Motivation und Imageeffekt

Doch warum engagieren sich so viele Unternehmen in dieser Katastrophe?

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Dafür gibt es verschiedene Gründe, sagt Laura Marie Edinger-Schons, Professorin für nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Mannheim. Viele Unternehmensleiter seien ehrlich schockiert von dem Ereignis, hätten vielleicht auch Standorte oder Mitarbeiter, die betroffen seien. „Das nennt man dann die intrinsische Motivation, um zu spenden“, erklärt Edinger-Schons.

Auf der anderen Seite gäbe es natürlich einen Imageeffekt, wenn ein Unternehmen sich engagiere. „Verschiedene Stakeholder, also Aktionäre, Eigentümer, Mitarbeiter oder Kunden, erwarten heute mehr von einem Unternehmen als die reine Profitmaximierung.“

So hätten zum Beispiel gut ausgebildete, junge Spitzenkräfte ganz klare Vorstellungen von den Werten, für die das Unternehmen stehen müsse, bei dem sie arbeiten. „Die Unternehmen wissen, dass sie dieses Bedürfnis befriedigen müssen, wenn sie die Spitzenkräfte einstellen wollen.“

Welche Rolle hat der Staat und welche Rolle hat die Privatwirtschaft?

Edinger-Schons sieht Vor- und Nachteile an dem gesteigerten Engagement. Positiv sei, dass Unternehmen häufig viel flexibler und deshalb schneller reagieren könnten als Regierungen.

„Gleichzeitig müssen wir uns als Gesellschaft vor Augen führen, dass Unternehmen nicht demokratisch legitimiert sind.“ Sie hätten nicht den Auftrag, öffentliche Güter bereitzustellen und übernähmen in dieser Ausnahmesituation eine politische Rolle. „Das ist kurzfristig vielleicht egal, aber langfristig müssen wir schon fragen: Welche Rolle hat der Staat und welche Rolle hat die Privatwirtschaft?“

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