Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Kosten der Flut: Allein die Allianz rechnet mit 900 Millionen Euro

Die Folgen des Hochwassers kommen auch die Allianz-Versicherung teuer zu stehen. Mit Kosten von 900 Millionen Euro rechnet der Konzern in Deutschland und anderen Teilen Europas.

München. Allianz-Chef Oliver Bäte ist ein eloquenter Redner. Er spricht ruhig, flüssig und pointiert. Aber an diesem Freitagmorgen liegt hörbar Aufgeregtheit in seiner Stimme. Der Vorstandsvorsitzende des Münchner Assekuranzriesen verspricht sich mehrmals, als er über das erste Halbjahr 2021 referiert.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das liegt nicht an den Zahlen. Die sind glänzend oder besser gesagt, sie sind es noch. Es liegt auch nicht an den gut 900 Millionen Euro, die der Versicherer für Flutschäden in Deutschland und anderen Teilen Europas berappen muss. Brenzlig wird es in den USA, wo die Allianz von Anlegern verklagt wird. Dort geht es um mehrere Milliarden Euro, was Bätes Tonfall mehr als verständlich macht.

„Es ist nicht perfekt gelaufen im Fondsmanagement”, räumt er ein. Bis vorigen Sonntag hatte das anders geklungen. Unwahr und ohne Grundlage seien US-Klagen gegen die Allianz-Tochter Allianz Global Investors (AGI) zu herben Verlusten in Anlagen, die im Zuge des Corona-Börsencrashs im März 2020 unter die Räder gekommen waren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Sogenannte Structured Alpha Fonds hatte AGI an einen US-Pensionsfonds für Lehrer und andere Anleger verkauft. Mehrere dieser Investmentfonds mussten geschlossen werden, andere haben drastisch Wert verloren. Auf insgesamt gut 5 Milliarden Euro summiert sich das Desaster.

Es sei so schlimm gekommen, weil AGI gegen eigene Anlageregeln verstoßen habe, argumentieren die Kläger. Dem haben die Münchner lange widersprochen. Erst als zu Untersuchungen der US-Börsenaufsicht SEC solche des US-Justizministeriums kamen, haben Bäte und Allianz-Juristen umgedacht. Nun wird mit den Behörden „vollumfänglich” kooperiert. Auch eine eigene Untersuchung wurde Allianz-intern eingeleitet – 17 Monate nach dem Crash der Fonds.

Es war eine schreckliche Woche für uns und vor allem für mich, diese Entwicklung wird Spuren hinterlassen.

Oliver Bäte,

Allianz-Chef

Warum erst so spät, wollte Bäte nicht sagen. Es sei heikel, sich während laufender Untersuchungen in den USA zu einem Streitfall zu äußern, warb er um Verständnis. Auch die Höhe von Rückstellungen könne er deshalb weder abschätzen noch sagen, wann die kommen. Klar ist aber, dass sie kommen und zwar mutmaßlich in einer Dimension, die „erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse der Allianz Gruppe haben könnten”, heißt es in einer Formulierung, die die Handschrift von Juristen trägt.

„Es war eine schreckliche Woche für uns und vor allem für mich, diese Entwicklung wird Spuren hinterlassen”, räumt Bäte ein. Der US-Anlageflop sei aber ein absoluter Sonderfall im Allianz-Portfolio.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Sollten die Mängel im Fondsmanagement, die Bäte jetzt einräumt, zu einer Verteilung in den USA führen, droht nicht nur Schadenersatz in potentieller Milliardenhöhe sondern auch eine Strafzahlung, die in den USA oft heftig ausfällt. Deshalb stellt Allianz-Finanzchef Giulio Terzariol den Jahresüberschuss 2021 unter den Vorbehalt von Rückstellungen dafür.

Starke Erholung vom ersten Pandemiejahr

Das operative Geschäft dagegen läuft gewohnt glänzend. Zum Halbjahr stehen 6,7 Milliarden Euro operativer Gewinn vor Steuern und Zinsen zu Buche. Das sind fast zwei Drittel mehr als im stark negativ vom Pandemieausbruch geprägten Halbjahr 2020 und deutlich mehr als die Hälfte der für 2021 angepeilten zwölf Milliarden Euro Gewinn.

Die dürften trotz Überflutungsschäden locker erreicht werden. Von den 900 Millionen Euro, die Allianz deshalb an Betroffene auszahlt, bleiben nur 400 Millionen Euro in den eigenen Büchern. Für den großen Rest hat sich Allianz selbst anderswo versichert.

Merkel zu Hochwasser: „Erschreckende Schäden, entsetzliche Zustände“

Nach der Hochwasserkatastrophe hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag Bad Münstereifel besucht.

Sprudelnde Gewinne können die Münchner mit Blick auf die USA gebrauchen. Nicht schlecht wäre auch, das Geschäftsgebaren kritisch zu begutachten. Sollte sich herausstellen, dass Allianz in den USA Kunden fahrlässig hohe Verluste beschert hat, wäre das nicht das erste Imageproblem in letzter Zeit.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Hierzulande weigern sich die Münchner hartnäckig Gastwirte für Betriebsschließungen wegen der Pandemie zu entschädigen, die dafür eine Police abgeschlossen geglaubt hatten. In den USA könnte Allianz den Bogen nun endgültig überspannt haben.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.