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Flutschäden von der Steuer absetzen: Das müssen Hochwasseropfer beachten

Nach dem Hochwasser stellt sich die Frage, wer für die Schäden aufkommt.

Stuttgart. Für viele Menschen kamen die Wassermassen bei der Flutkatastrophe von Mitte Juli überraschend. Sie hatten oftmals keine Chance, irgendetwas von ihrem Eigentum zu sichern. Zurück blieben kaputte Autos, Hausrat und auch Häuser, die fast komplett nicht mehr benutzbar sind. Der Wiederaufbau dürfte Jahre dauern und viel Geld kosten.

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„Wir gehen von versicherten Schäden zwischen 4,5 Milliarden und 5,5 Milliarden Euro aus“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen, Ende Juli. In dieser Schätzung waren neben den Schäden aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auch Zahlen aus den anderen betroffenen Bundes­ländern, darunter Bayern und Sachsen, enthalten.

Finanzielle Hilfe vonseiten des Staates

Die jüngste Flutkatastrophe bringt einmal mehr zwei Punkte ans Tageslicht, die bei allen Unwetterschäden – abseits des aktuellen Katastrophenfalls – immer wieder auf der Agenda von Betroffenen stehen: Neben der Frage des „Bin ich richtig versichert?“ kommt auch die, wie am Ende die ganzen Kosten und Investitionen in der eigenen Steuererklärung richtig abgesetzt werden können.

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Hier ist zunächst einmal entscheidend, ob man Vermieter oder Mieter ist beziehungsweise sein Haus selbst nutzt und nicht vermietet. Für beide geschädigten Gruppen gilt, dass es vonseiten des Staates auf jeden Fall finanzielle Hilfe und steuerliche Entlastungen gibt. Im aktuellen Fall hat der Bund bereits 200 Millionen Euro an Soforthilfe bereitgestellt, und die betroffenen Bundesländer Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern helfen ebenfalls.

Reparaturkosten sind für Vermieter Werbungskosten

Im Fall von Unwetterschäden kann ein Vermieter generell die damit verbundenen Reparaturkosten als Werbungskosten absetzen. In der Steuererklärung gibt er seine Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung an. „An dieser Stelle kann er in der Regel auch die notwendigen Ausgaben rund um die Behebung unwetterbedingter Schäden als Werbungskosten geltend machen“, informiert der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH).

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Daneben gibt es laut den Experten noch die Möglichkeit, die Wiederherstellungskosten unter Umständen als Sonder­abschreibungen anzugeben. Hier empfiehlt jedoch die VLH, die individuelle Situation von einem Fachmann prüfen zu lassen.

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Außergewöhnliche Belastung

Wer die geschädigte Immobilie selbst nutzt oder Mieter ist, hat die Möglichkeit, die Kosten für die Schadensbeseitigung als außer­gewöhn­liche Belastung abzusetzen. Das heißt, die Kosten können „unter bestimmten Bedingungen als außer­gewöhn­liche Belastungen in die Steuererklärung eingetragen werden“, so die VLH.

Hierbei können als außergewöhnliche Belastungen durch Unwetter hervorgerufene Kosten für Bauarbeiten, Reparaturen oder Instandsetzungsmaßnahmen geltend gemacht werden, „die existenziell wichtige Bereiche am Haus oder an der Wohnung betreffen“, ergänzt die VLH.

Damit sind beispielsweise kaputte Fensterscheiben und Haustüren, aber auch unterspülte Grundmauern gemeint. Dagegen können laut VLH die Kosten für Gartenterrassen und Garagen nicht geltend gemacht werden. Auch Schäden am Auto oder gar das komplett geschädigte Auto fallen nicht darunter, da diese nach Angaben der Experten als nicht als existenziell notwendig angesehen werden.

Dagegen können Kosten für die Anschaffung von Möbeln, Hausrat oder Kleidung, die durch die unwetterbedingten Schäden nutzlos geworden sind, als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden.

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Auf Fristen achten

Damit das klappt, müssen aber auch bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Unter anderem darf kein eigenes Verschulden vorliegen, und es dürfen keine Ersatzansprüche gegen Dritte vorliegen. Ebenso darf der Schaden „nicht über eine übliche Versicherung – wie die Gebäudeversicherung oder die Hausratsversicherung – abgedeckt sein”, so die VLH. Eine Elementar­versicherung gegen Überschwemmung oder Erdbeben gelte nicht als „üblich“, so die Experten.

Geschädigte sollten zudem eine Frist beachten: Reparaturen sollten innerhalb von drei Jahren nach dem Schaden beginnen, da sonst die Kosten in der Steuererklärung nicht berücksichtigt werden können.

Katastrophenerlasse helfen

Entscheidend für das Durchwinken solcher Ausgaben vonseiten des Finanzamtes sind auch die sogenannten Katastrophen­erlasse. Beim Julihochwasser haben beispielsweise Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erlassen, dass Geschädigte keine Elementarschutzversicherung haben müssen, um außergewöhnliche Ausgaben geltend zu machen.

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Im Erlass von Nordrhein-Westfalen heißt es dazu: „Aufwendungen für die Beseitigung von Schäden an Gebäuden und am Grund und Boden können ohne nähere Nachprüfung als Erhaltungsaufwand behandelt werden, wenn sie den Betrag von 70.000 Euro nicht übersteigen.“ Kosten von mehr als 70.000 Euro können hingegen Geschädigte als Erhaltungsaufwand gleichmäßig auf zwei bis fünf Jahre verteilen.

Der Erlass von Rheinland-Pfalz ist an dieser Stelle gleichlautend, das heißt, auch hier können Aufwendungen von bis zu 70.000 Euro ohne nähere Nachprüfung als Erhaltungsaufwand angesetzt werden.

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