Hightechpatente: Europa fällt bei vierter industrieller Revolution zurück

  • Für die vierte industrielle Revolution braucht es Innovationen – meist in Form von Patenten.
  • Doch wenn es um Patentanmeldungen angeht, wird Europa von den USA und zunehmend von China überholt.
  • Laut einer neuen Studie punkten in Deutschland München und Stuttgart – doch das reicht noch nicht.
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München. Die vierte industrielle Revolution nimmt ihre Sieger in Form von Patenten vorweg. Das glaubt zumindest das Europäische Patentamt in München, das dazu die Studie „Globale Technologietrends als Treiber der datengesteuerten Wirtschaft“ erstellt hat. Sie benennt im Titel schon die Entwicklungsrichtung, die um Erfindungen für das Internet der Dinge sowie angrenzende Technologien wie den Mobilfunkstandard 5G kreist. „Die vereinte Kraft von intelligent vernetzten Geräten, schnellerem drahtlosen Internet, Big Data und künstlicher Intelligenz verändert unsere Weltwirtschaft tiefgreifend“, betont Patentamtschef Antonio Campinos. Das habe eine bedeutende Verschiebung hin zu einer vollständig datengetriebenen Wirtschaft zur Folge, bei der Europa aber an Boden verliert.

USA meldete ein Drittel aller Patente an

„Es ist zutreffend, dass Europa nicht so schnell wächst wie andere Regionen“, räumt der Portugiese ein. Die Studie belegt das. Während die USA ein Drittel aller weltweiten Patente zur vierten industriellen Revolution zwischen 2000 und 2018 angemeldet haben, kommen die 38 Mitgliedstaaten der europäischen Patentorganisation nur auf ein Fünftel. Was schwerer wiegt, ist, dass die Schere zunehmend auseinander geht.

Das jährliche US-Innovationswachstum bei diesen zukunftsbestimmenden Hightechpatenten beträgt laut Studie seit 2010 rund 18,5 Prozent gegenüber 15,5 Prozent in Europa. Dazu kommt, dass mit China und Südkorea zwei asiatische Wirtschaftsmächte rasant aufholen und vor allem China 2018 schon fast zu europäischen Erfindern aufgeschlossen hat. Das verdeutlicht ein Blick auf die zehn wichtigsten Patentanmelder. Zwischen 2000 und 2009 lag der deutsche Technologieriese Siemens in dieser Rangliste hinter Samsung (Südkorea), Sony und Panasonic (beide Japan) noch auf Platz vier. Zwischen 2010 und 2018 ist Siemens aus der Top Ten gefallen, die mit Samsung und LG nun zwei Südkoreaner anführen. Danach kommen der US-Konzern Qualcomm, Sony und Chinas Hightechschmiede Huawei.

In China gibt es „rasanten Aufschwung“

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„Das verdeutlicht, welch rasanten Aufschwung Innovationen zur vierten industriellen Revolution in den letzten Jahren in China genommen haben“, stellt die Studie fest und liefert weitere Belege. Denn ein Viertel aller weltweiten Patentanmeldungen in diesem Bereich stammen von nur drei Innovationszentren. Das sind Seoul in Südkorea, Tokio in Japan und das Silicon Valley in den USA. Erst auf Rang 15 folgt mit Eindhoven ein europäisches Zentrum. Das erste deutsche ist München auf Rang 17, gefolgt von Stuttgart auf Rang 20.

Letztere fallen im Hightechrennen aber zurück. Denn während asiatische und US-Zentren fast durchweg ein jährliches Innovationswachstum von im Schnitt über 20 Prozent aufweisen, kommen München nur auf 16 und Stuttgart nur auf gut elf Prozent. Führend ist in dieser Hinsicht das Erfindercluster um die chinesische Metropole Peking mit jährlich gut 30 Prozent Zuwachs. Kaum ein Trost ist, dass auf Deutschland als europäischen Spitzenreiter mehr solcher Patentersuchen entfallen als auf Frankreich und Großbritannien zusammen.

Weckruf, dass Europa zulegen muss

Die Studie soll Industrie und politischen Entscheidungsträgern in Zeiten gewaltiger technologischer Umbrüche Orientierung geben, schreiben deren Macher. So gesehen ist sie der Weckruf, in diesen zukunftsweisenden Technologien einen Zahn zuzulegen. 2018 waren Patentanmeldungen zur vierten industriellen Revolution schon für gut ein Zehntel aller Patentersuchen weltweit verantwortlich. Ihre Zahl wächst fünfmal so schnell wie die anderer Patentanmeldungen. Das Heft bekommen dabei neben den USA zunehmend China und Südkorea in die Hand. Führende Innovatoren drücken der datengesteuerten Wirtschaft von morgen ihren Stempel auf, säumige Akteure drohen ausgelöscht zu werden, warnt die Studie.

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