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Heizöl und Sprit günstiger: Inflation in Deutschland auf niedrigstem Stand seit dreieinhalb Jahren

  • Die Inflation in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit 2016 gerutscht.
  • Die geringe Nachfrage während des Lockdowns hatte zur Folge, dass Heizöl und Kraftstoffe noch günstiger wurden.
  • Doch dauerhaft niedrige oder sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben.
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Wiesbaden. Sinkende Energiepreise in der Coronakrise haben die Inflation in Deutschland im Mai auf den niedrigsten Stand seit über dreieinhalb Jahren gedrückt. Die Jahresteuerungsrate lag bei 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Die Behörde bestätigte damit eine erste Schätzung. Die Rate schwächte sich den dritten Monat in Folge ab. Es war der niedrigste Wert seit September 2016. Viele Volkswirte gehen davon aus, dass die rückläufige Entwicklung bei den Verbraucherpreisen vorerst anhalten wird.

Von April auf Mai 2020 sanken die Verbraucherpreise um 0,1 Prozent. Energie verbilligte sich im Mai um 8,5 Prozent. Der Rohölpreis ist seit Monaten unter Druck. Mit dem weitgehenden Stillstand der Wirtschaft in vielen Ländern in der Corona-Pandemie sank die Nachfrage und der Trend verschärfte sich. Heizöl wurde gegenüber dem Vorjahresmonat 30,5 Prozent billiger, der Preis von Kraftstoffen verringerte sich um 20,7 Prozent. Nahrungsmittel verteuerten sich hingegen überdurchschnittlich um 4,5 Prozent.

Durch die Mehrwertsteuer könnten Preise für ein halbes Jahr sinken

Die Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt für den gesamten Euroraum mit seinen 19 Ländern mittelfristig eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an – weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das kann die Wirtschaft bremsen.

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Nach dem Gesetzentwurf von CDU/CSU und SPD soll eine reduzierte Mehrwertsteuer dafür sorgen, dass viele Einkäufe im Supermarkt, Möbelhaus oder Elektromarkt für ein halbes Jahr günstiger werden. Der Steuersatz soll vom 1. Juli bis zum 31. Dezember von 19 auf 16 Prozent verringert werden. Der ermäßigte Satz, der zum Beispiel für viele Lebensmittel gilt, wird von 7 auf 5 Prozent reduziert. Das Gesetz soll nun im Eilverfahren beschlossen werden.

Nach Einschätzung der Notenbank wird die Konjunktur im Euroraum infolge der Virus-Pandemie drastisch einbrechen. Erwartet wird ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 8,7 Prozent.

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Preisentwicklung wird von vielen Effekten bestimmt

Und die Inflation könnte sich noch mehr der Nullmarke annähern: Sollte die jüngst von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer vollständig an die Konsumenten weitergegeben werden, dürfte dies nach Berechnungen der Wiesbadener Statistiker einen Rückgang der Verbraucherpreise um rein rechnerisch 1,6 Prozent verursachen.

Allerdings weisen die Experten zugleich darauf hin, dass die Preisentwicklung auch von vielen anderen Effekten bestimmt wird. Zudem seien zum Beispiel Wohnungsmieten, die etwa ein Fünftel der Konsumausgaben der privaten Haushalte ausmachen, nicht von der Steuersenkung begünstigt.

Corona dämpft Lohnentwicklung und Konsumnachfrage

Im Euroraum rutschte die Inflation nach jüngsten Daten des Statistikamtes Eurostat im Mai Richtung Nulllinie: Die Verbraucherpreise lagen nur um 0,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das ist die niedrigste Inflationsrate seit Juni 2016.

Volkswirte rechnen trotz milliardenschwerer Rettungspakete von Regierungen und Zentralbanken nicht damit, dass sich daran schnell etwas ändert. Eines ihrer Argumente: Die Corona-Krise dürfte die Lohnentwicklung und die Konsumnachfrage dämpfen. Die EZB prognostiziert für das Gesamtjahr 2020 einen drastischen Konjunktureinbruch im Euroraum infolge der Corona-Krise und eine Teuerung von gerade einmal 0,3 Prozent.

RND/dpa

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