Heinz Hermann Thieles Erbe wird geregelt

  • Nach dem Tod von Heinz Hermann Thiele waren viele Fragen rund um das Erbe des Milliardärs noch offen.
  • Nun ist klar: Thieles Anteile an Knorr-Bremse und Vossloh gehen in eine Familienstiftung.
  • Offen bleibt aber das Schicksal der Lufthansa-Beteiligung.
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Das Rätselraten um das Erbe des vor Monatsfrist verstorbenen Selfmade-Milliardärs Heinz Hermann Thiele hat ein Ende. Eine nicht gemeinnützige Familienstiftung soll es zumindest zum größten Teil aufnehmen. Das teilten die davon hauptsächlich betroffenen Unternehmen Knorr-Bremse in München und Vossloh im nordrhein-westfälischen Werdohl mit.

Offen bleibt dagegen vorerst weiter das Schicksal der Lufthansa-Aktien Thieles. Die Stiftung muss aber erst noch bis Ende des Jahres unter Aufsicht von Testamentsvollstrecker Robin Brühmüller gegründet werden. „Heinz Hermann Thieles Wunsch war es, sein Lebenswerk langfristig abzusichern“, erklärt der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Lufthansa-Anteile gehen in Zwischenschritt an Ehefrau

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Das werde durch die Stiftung nun umgesetzt. Hinter ihr werden nach Gründung Thieles zweite Ehefrau Nadia und seine Tochter Julia Thiele-Schürhoff stehen, nicht aber sein Sohn Hendrik, mit dem sich der eigenwillige Patriarch alter Schule vor vier Jahren zerstritten hatte. Er vererbt zum einen den Großteil der 59 Prozent Anteile am Weltmarktführer für Zug- und Lkw-Bremsen Knorr-Bremse, der bislang in der KB Familienholding gesteckt hatte.

Weitere Anteile hält Tochter Julia, die seit 2016 auch Aufsichtsrätin von Knorr-Bremse ist. Damit bleiben die 59 Prozent insgesamt komplett in Familienhand. Gleiches gilt für die 50,1 Prozent am Bahntechnikzulieferer Vossloh. Diese Anteile wandern von der KB Holding vollständig in die Stiftung. Bis die gegründet ist, gehen die Anteile des Verstorbenen an der KB Familienholding und dem Vernehmen nach auch die an der Lufthansa erst einmal an die Ehefrau des Verstorbenen. Das ist aber nur ein Zwischenschritt, heißt es.

Lufthansa-Rettungspläne drohten an Thiele zu scheitern

Während der endgültige Bestimmungsort der vererbten Anteile an Knorr-Bremse und Vossloh geregelt ist, bleibt der des rund zwölfprozentigen Anteils an der Lufthansa dagegen vorerst offen. Thiele war bei Pandemieausbruch dort bei massiv sinkenden Kursen günstig eingestiegen, zum größten privaten Eigner der Fluglinie geworden und ließ schon bald darauf bei den staatlichen Rettungsbemühungen für die Lufthansa seine Muskeln spielen.

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Die Rettungspläne standen zeitweise vor dem Scheitern, weil Thiele auf stärkeren Stellenabbau gedrängt hatte, aber dann doch zum Einlenken gebracht wurde. Von Thiele wurde dem Vernehmen nach nicht verfügt, dass auch die Lufthansa-Aktien Teil der Familienstiftung werden. Ob sie ein Familienmitglied erhält oder sie bei Erreichen eines bestimmten Kurses Gewinn bringend verkauft werden, ist unklar.

Anteile an Knorr-Bremse oder Vossloh müssen nicht verkauft werden

Insgesamt werden Werte im Umfang von mindestens 12 Milliarden Euro vererbt. Andere Schätzungen belaufen sich sogar auf 15 Milliarden Euro. Dafür muss trotz Stiftungskonstruktion Erbschaftssteuer gezahlt werden, sagt ein Erbrechtsexperte. Brühmüller, der als langjähriger Vertrauter Thieles gilt, und die betroffenen Unternehmen hüllen sich zu diesem Punkt in Schwiegen.

Es sei aber sicher, dass am Ende keine Anteile an Knorr-Bremse oder Vossloh verkauft werden müssen, um die mutmaßlich stattliche Erbschaftssteuer bezahlen zu können, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person. Dafür habe Thiele beim Börsengang von Knorr-Bremse 2018 vorgesorgt, als rund 4 Milliarden Euro an ihn geflossen sind. Das sei mit Blick auf einmal zu erwartende Erbschaftssteuer geschehen. Die 4 Milliarden Euro dürften da für ausreichend finanziellen Spielraum sorgen.

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