Betrug auch bei Euro-6-Motor? VW dementiert, Grüne rügen Scheuer

  • Laut einem Bericht hat VW auch in neuere Dieselmotoren mit der Abgasnorm Euro 6 eine Schummelsoftware eingebaut.
  • Der Konzern dementiert. Er habe in neuere Dieselautos keine unzulässigen Abschaltvorrichtungen eingesetzt.
  • Grünen-Verkehrsexperte Cem Özdemir ruft Andreas Scheuer zum Handeln auf.
Anzeige
Anzeige

Berlin/Wolfsburg. Volkswagen hat nach eigener Darstellung in neueren Dieselautos keine unzulässigen Abschaltvorrichtungen zur Manipulation der Abgaswerte eingebaut. Nach aktuellem Stand sei „nichts illegales passiert“, sagte ein VW-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Er reagierte damit auf einen Bericht des SWR, nach dem auch in neuere Dieselmotoren mit der Abgabsnorm Euro 6 eine Software eingebaut sei, die erkenne, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet, eine sogenannte „Zykluserkennung“. Konkret geht es dem SWR-Bericht zufolge um den Nachfolger des Skandalmotors EA189, EA288.

Cem Özdemir: Scheuer muss endlich handeln

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

In Reaktion darauf wirft der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Cem Özdemir (Grüne), der Bundesregierung Versagen im Umgang mit dem Diesel-Skandal vor. Es wäre „ein Paukenschlag, wenn sich jetzt bewahrheitet, dass VW auch bei Euro 6-Dieseln munter weiterbetrogen hat“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„‚Warum nicht weitermachen‘, werden sich die Verantwortlichen gedacht haben, denn zu befürchten haben sie ja nichts“, kritisierte der Grüne. „Seit Jahren vernachlässigen die CSU-Verkehrsminister und nachgelagerte Behörden ihre Kontrollaufgabe gegenüber der Autoindustrie. Dass sie damit Deutschlands wichtigstem Industriezweig mehr schaden als nützen, scheinen sie immer noch nicht begriffen zu haben“, sagte Özdemir. „Verkehrsminister Scheuer ist es den geschädigten Autobesitzern und Bürgern schuldig, endlich ernsthaft gegen Betrug vorzugehen und für saubere Luft zu sorgen."

Volkswagen: Software nicht verboten

Ein VW-Sprecher erklärte, es sei nicht verboten, sogenannte „Fahrkurven“ festzulegen. Dabei werden bestimmte Eigenschaften eines Autos so eingestellt, dass prinzipiell auch erkannt werden kann, ob es sich gerade in einem Prüfstandstest befindet. Diese Einstellungen dürften von Entwicklern aber nicht dazu genutzt werden, etwa die Abgassteuerung zu beeinflussen. Hinweise darauf, dass so etwas geschehen sein könnte, habe man nicht.

Anzeige

Auch auf SWR-Nachfrage bestritt der VW-Konzern den Vorwurf: Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA288 enthielten „keine Zykluserkennung“ und demnach auch keine unzulässige Abschalteinrichtung.

Manipulationsverdacht bereits im Herbst 2015

Anzeige

Bereits im Herbst 2015, kurz nach dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals mit dem Motor EA189 im Zentrum, war der Verdacht aufgekommen, auch das neuere Aggregat EA288 könne von Manipulationen betroffen sein. Schon damals kam VW „nach gründlicher Prüfung“ zu dem Ergebnis, dass in beiden EA288-Varianten – mit Euro 6 und der früheren Abgasnorm Euro 5 – „keine Software verbaut ist, die eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne der Gesetzgebung darstellt“. Der SWR beruft sich nun auf interne VW-Unterlagen von Ende 2015, in denen detailliert beschrieben werde, wie eine „Zykluserkennung“ im EA288 funktioniere.

Bei der vor vier Jahren in den USA aufgedeckten Abgasaffäre, die den VW-Konzern bereits viele Milliarden Euro gekostet hat, geht es rein technisch darum, dass eine VW-Software erkennt, dass das Auto auf einem Abgasprüfstand getestet wird. Die Einstellungen werden dann so geändert, dass die Richtwerte erreicht werden. Draußen auf der Straße im Alltag sind die Werte dann höher, und die Angaben aus der Laborsituation werden deutlich überschritten.

RND/dpa