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Hannover-Messe digital: Die deutsche Industrie zeigt sich zum Auftakt zuversichtlich

Die erste digitale Hannover-Messe startete am Montag mit erfreulichen Nachrichten: Schon vor der Eröffnung schraubte die deutsche Industrie ihre Prognosen deutlich nach oben.

Frankfurt am Main.Die erste digitale Hannover-Messe startete am Montag mit erfreulichen Nachrichten. Schon vor der Eröffnung durch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schraubte die deutsche Industrie ihre Prognosen deutlich nach oben. Karl Haeusgen, Chef des Maschinenbau-Verbandes VDMA, ließ durchblicken, dass er selbst von der neuen Dynamik nach dem Horrorjahr 2020 überrascht ist.

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Seine Branche zeige „eine bemerkenswerte Resilienz“. Die Aussichten auf weiteres Wachstum für die Schlüsselbranche seien gut – insbesondere in den wichtigsten Exportmärkten China und USA. Der Auftragseingang liege klar auf Wachstumskurs. Die Chancen, dass die Fertigung im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr wachse, seien hoch. Deshalb geht der VDMA nun davon aus, dass der Wert produzierter Maschinen in diesem Jahr um 7 Prozent steigt, bislang traute sich die Branche nur ein Plus von 3 Prozent zu.

Zuversicht ließ die Investitionsbereitschaft ansteigen

Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), glaubt einen wesentlichen Faktor für den jähen Rückenwind entdeckt zu haben: Psychologie. Seit Ende vorigen Jahres sei die Zuversicht der meisten Unternehmen deutlich gestiegen. Damals wurden in Europa und anderswo die ersten Impfstoffe gegen Corona zugelassen. Das habe die Stimmung und die Investitionsbereitschaft gesteigert. Die Auftragseingänge lägen mittlerweile „bereits über Vorjahres- und sogar Vorkrisenniveau“.

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Der Außenhandel werde in diesem Jahr eine zentrale Rolle spielen. Nordamerika und Asien brächten die Weltwirtschaft auf Trab. Russwurms Schlussforderung: „Für die Industrieproduktion erwarten wir ein kräftiges Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr“. Der BDI hob seine Prognose fürs Wirtschaftswachstum von 2,5 auf 3 Prozent an. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Pandemie „bis zum frühen Herbst“ endlich unter Kontrolle gebracht werden kann.

Merkel: Heimische Impfstoffproduktion muss gesteigert werden

Merkel machte in ihrer letzten Eröffnungsrede einer Hannover Messe deutlich, dass sie die Nachricht verstanden hat: Die wirtschaftliche Entwicklung hänge davon ab, wie schnell die dritte Covid-Welle gebrochen werden könne. Auch deshalb müsse die heimische Impfstoffproduktion gesteigert werden, immerhin sei es schon gelungen, in kürzester Zeit in Marburg ein zusätzliches Werk für die Produktion des Vakzins von Biontech herzurichten.

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7000 Produkte aus aller Welt vorgestellt

Immunität der deutschen Industrie gegen internationale Konkurrenz sieht die Nochkanzlerin indes nicht. Im Gegenteil: Gerade die Hannover-Messe sei der Ort, „wo der Wind des Wettbewerbs um die Ohren pfeift“.

Tatsächlich wird auf der virtuellen Industrieschau einiges aufgefahren: Rund 1800 Aussteller aus aller Welt zeigen rund 7000 Produkte. Dazu gehören die neuesten Roboter und 3-D-Drucker, die sich vor allem in größeren Firmen immer stärker durchsetzen. Es gibt Dutzende Präsentationen, die demonstrieren, wie maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz Produktivität steigern können.

Aber auch neue Lösungen für klimaneutrale Fertigung und Elektromobilität gehören laut Messe-Chef Jochen Köckler zu den Schwerpunkten. Als Medizin für eine langfristige ökonomische Resilienzsteigerung Deutschlands sieht Merkel derweil unter anderem die Digitalisierung der Verwaltung oder das staatlich unterstützte Cloud-Computing-Projekt Gaia X.

Transformationsdruck vor allem beim Klimaschutz steigt

Auch Russwurm mahnte: Der Transformationsdruck steige, deshalb müsse die Innovationsdynamik gesteigert werden, und zwar mit einem „industriefreundlichen regulatorischen Rahmen“. Welche Konflikte da ganz konkret schon bald – nämlich nach der Bundestagswahl im September – anstehen können, wurde bei einer digitalen Diskussionsrunde mit der potenziellen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) deutlich. Sie sieht den Transformationsdruck vor allem beim Klimaschutz, da müssten mit der Industrie Pfade in Richtung null CO₂-Emissionen gefunden werden. Da seien Regulierungen immer auch eine Chance.

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Wenn etwa mit strengen EU-Regeln beim Stromverbrauch von Elektrogeräten Innovationen ausgelöst würden, die europäische Firmen wettbewerbsfähiger machten. In der Autobranche seinen solche Mechanismen hin zur Elektromobilität wegen lascher Abgasnormen leider verpasst worden. So etwas könne man sich für die Industrie nicht noch einmal leisten.

Wertvoller Ökowasserstoff soll gezielter eingesetzt werden

Ein entschiedener Einspruch kam von Maschinenbau-Präsident Haeusgen. Regulierungen dürften nicht zum Korsett werden. Und der Umbau in der Autobranche müsse doch bitte schön technologieneutral geschehen. Schließlich sei an Verbrennungsmotoren nicht die Technik, sondern der Kraftstoff fossil. Er brachte mit erneuerbarem Strom erzeugten grünen Wasserstoff und damit hergestellte synthetische Kraftstoffe als Ersatz ins Spiel.

Widerspruch von Baerbock: Der wertvolle Ökowasserstoff dürfe nicht für Pkw verschwendet werden, er müsse gezielt in der Luftfahrt, der Chemie- und der Stahlindustrie eingesetzt werden. Um die Klimaschutzrevolution zu organisieren, brauche es klare Vorgaben von der Politik, da die Dinge ansonsten wie bislang „vor sich hinplätschern“. Immerhin konnten sich die Kontrahenten darauf einigen, das die CO₂-Preise angehoben werden müssen, um einen Wandel zu initiieren.

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