Bundesnotbremse sorgt für überraschende Ladenöffnungen in Hannover

  • Eigentlich sollte die sogenannte Bundesnotbremse für Verschärfungen sorgen, um das Corona-Infektionsgeschehen deutlich zu verlangsamen.
  • Doch in Hannover sorgt die Gesetzesänderung für Lockerungen beim Shopping: Nach über vier Monaten Dauer-Lockdown darf der innenstädtische Einzelhandel wieder öffnen.
  • Vor der Bundesnotbremse waren die Einzelhandelsregelungen in Niedersachsen teils strenger.
Curdt Blumenthal
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Hannover. Endlich wieder Shopping – das werden sich einige Bürgerinnen und Bürger Hannovers am vergangenen Montag gedacht haben, die, ausgestattet mit einem Shoppingtermin und einem negativen Corona-Schnelltest, durch die Fußgängerzone flanierten. Die vergangene Woche verabschiedete Bundesnotbremse sorgt nämlich dafür, dass der Einzelhandel in Hannovers Innenstadt das erste Mal seit dem 15. Dezember seine Pforten öffnen darf. Und das, obwohl die Gesetzesnovelle dafür sorgen sollte, dass die Corona-Restriktionen verschärft werden, um die dritte Corona-Welle zu brechen.

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Die unerwartete Trendwende wurde durch die Inzidenzregelungen ausgelöst: Bis vergangene Woche war Terminshopping in Niedersachsen nur unter einer Inzidenz von 100 erlaubt. Seit dieser Woche übernimmt das Bundesland nun aber die Regelungen des Bundes. Und diese erlauben Terminshopping bis zu einer Inzidenz von 150. Mal abgesehen von zwei Tagen, hat die niedersächsische Landeshauptstadt den Inzidenzwert von 100 seit dem siebten Dezember nie unterschritten.

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Umsetzung der Bundesnotbremse bleibt inkonsistent

Die regionalen Unterschiede der Corona-Restriktionen bleiben trotz der Bundesnotbremse erhalten. Während sich Niedersachsen den vom Bund auf den Weg gebrachten Regelungen angleicht, bleibt Hamburg bei seinen eigenen Regelungen. In der Hansestadt verzichtet man auf das Click-and-meet-Modell, obwohl die Inzidenz von 150 zurzeit unterschritten wird. „Wir sind auf einem guten Weg, lassen Sie uns den weitergehen“, sagte Bürgermeister Tschentscher zuletzt auf einer Pressekonferenz. Experten rechnen mit Pendlerströmen in die angrenzenden Bundesländer.

Erleichterungen aufgrund der Bundesnotbremse gab es hingegen auch in Städten wie Karlsruhe und Münster. In Karlsruhe ist ebenfalls erst seit der Bundesnotbremse das Shoppen in den Innenstädten mit einem negativen Corona-Test gestattet. In Münster entfällt der zuvor nötig gewesene negative Corona-Test. Das Saarland hält in Landkreisen mit einer Inzidenz unter 100 an ihren Modellprojekten fest.

Händler nehmen Angebot dankend an

Das Angebot zur Ladenöffnung nahmen die Einzelhändler in Hannovers Innenstadt dankend an: „Mir ist kein Geschäft bekannt, das diese Chance nicht ergreift. Alle, mit denen ich gesprochen habe, freuen sich darauf, wieder Kunden in den Geschäften begrüßen zu dürfen“, sagte der Sprecher der City-Gemeinschaft Hannover, Martin Prenzler, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ).

Um Kunden einen möglichst einfachen und schnellen Weg zum negativen Corona-Test zu ermöglichen, wurden im Innenstadtbereich zahlreiche Schnelltestzentren aufgebaut. Um Eintritt in die Läden zu erhalten, darf der negative Schnelltest nicht älter als 24 Stunden sein.

Bis mindestens Samstag bleiben die Läden offen

Doch Hannovers Einzelhändlern droht schon wieder neues Ungemach: Die Landeshauptstadt könnte schon bald wieder in den Dauer-Lockdown zurückfallen. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts lag die Inzidenz für Hannover am Dienstag bei 155. Doch bis die Notbremse greift, würde es zumindest noch bis mindestens nächste Woche dauern. „Die Entwicklung bei den Inzidenzwerten kann keiner vorhersagen; das war und ist den Händlern bewusst“, ergänzt Prenzler.

Nach drei aufeinanderfolgenden Tagen über der Inzidenz von 150 gibt es eine Übergangszeit von zwei Tagen. Die Hannoveraner können sich also zumindest einer Woche Shopping sicher sein.

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