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Keine staatlichen Hilfen erhalten

Hakle beantragt Insolvenz: Chef des Toilettenpapierherstellers macht Staat mitverantwortlich

Hakle, 1928 in Ludwigsburg von dem Unternehmer Hans Klenk gegründet, war eine der ersten Toilettenpapierfabriken in Deutschland.

Hakle, 1928 in Ludwigsburg von dem Unternehmer Hans Klenk gegründet, war eine der ersten Toilettenpapierfabriken in Deutschland.

Düsseldorf. Der Düsseldorfer Hygienepapierhersteller Hakle GmbH hat wegen der stark gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das teilte das Düsseldorfer Amtsgericht am 5. September mit.

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Die „massiv gestiegenen Kosten für Material- und Energiebeschaffung sowie der Transporte“ hätten bislang nicht in hinreichendem Umfang an die Kunden im Lebensmitteleinzelhandel und den Drogeriesektor weitergegeben werden können, klagte das Unternehmen.

Wegen hoher Energiepreise: Toilettenpapierhersteller Hakle beantragt Insolvenz

Der Düsseldorfer Toilettenpapierhersteller Hakle hat kürzlich einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung gestellt.

Hakle-Chef: „Uns hätte ein siebenstelliger Betrag zugestanden“

Eine Woche später machte Hakle-Chef Volker Jung nun die verzögerte Auszahlung von Staatshilfen mitverantwortlich für die missliche Lage des Unternehmens. „Hätten wir die Staatshilfe schneller bekommen, wären wir jetzt nicht zahlungsunfähig“, sagte Jung dem „Handelsblatt“. „Wir reden von einem siebenstelligen Betrag, der uns zugestanden hätte, und den wir dringend zur Finanzierung unserer Energiekosten gebraucht hätten.“

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Der Hygienepapierhersteller habe im August sechs Mal so viel Geld für Gas und Strom bezahlt wie noch im August 2019, sagte Jung weiter. Unternehmen wie Hakle sollten durch das Energiekostendämpfungsprogramm des Staates unterstützt werden. Hakle habe eigenen Angaben zufolge am 18. Juli einen Antrag gestellt - allerdings bis heute „keinen Cent gesehen“. „Vom zuständigen Amt hieß es, dass sie noch das IT-System dafür aufbauen müssten“, erklärte Jung, dessen Unternehmen mittlerweile nicht mehr empfangsberechtigt sei.

Hakle-Chef fordert Energiepreisdeckel

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte dem „Handelsblatt“ mit, es habe „fehlende Angaben und Unterlagen“ gegeben. Von einer bevorstehenden Insolvenz sei nicht die Rede gewesen. IT-Probleme habe es nicht gegeben. Volker Jung sieht nun dringenden Handlungsbedarf von Seiten der Regierung: „Wenn die Politik es nicht schafft, die Energiepreise zügig zu stabilisieren, dann stehen wir am Beginn einer großen Insolvenzwelle in Deutschland“, sagte er weiter.

Im Geschäftsjahr 2020 hatte die Hakle GmbH nach dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss bei einem Umsatz von knapp 80 Millionen Euro noch einen Jahresüberschuss von rund 650.000 Euro ausgewiesen. Das Unternehmen Hakle hatte seit 1954 seinen Unternehmenssitz in Mainz, bis 1999 die Herstellung nach Düsseldorf verlegt wurde.

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Papierhersteller klagen über Kostendruck

Nach dem Insolvenzantrag von Hakle hat die Papierindustrie vor den Folgen der dramatisch gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise für die Branche gewarnt. „Die gesamte Papierindustrie steht unter enormem Kostendruck“, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes „Die Papierindustrie“, Gregor Geiger, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Wichtig sei es in dieser Situation, dass die Papierhersteller die gestiegenen Kosten an den Handel weitergeben könnten.

Besonders schwierig sei die Lage der Hygienepapier-Hersteller, sagte Geiger. Grund dafür seien die gasintensiven Trocknungsverfahren bei der Produktion von Toilettenpapier oder Küchenrolle.

Die Hygienepapier-Hersteller hatten schon im März vor den Folgen der explodierenden Gas- und Strompreise und eines möglichen Lieferstopps für russisches Gas gewarnt. Die Branche sei für die Produktion auf Gas angewiesen. Wegen der massiv gestiegenen Energiepreise sei die Situation teils existenzbedrohend, warnten die Firmen schon damals.

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Nachfrage ungebrochen

Dabei ist die Nachfrage nach den Produkten der Branche trotz aller Preissteigerungen ungebrochen. Dem Marktforschungsunternehmen GfK zufolge lagen die Umsätze mit Papiertaschentüchern, Toilettenpapier und Küchenrolle im Lebensmittelhandel im Juni deutlich über dem Vorjahresniveau. Den stärksten Zuwachs gab es demnach mit einem Plus von 36,2 Prozent bei Papiertaschentüchern, gefolgt von Toilettenpapier (+27,8 Prozent) und Küchenrollen (+21,7 Prozent).

RND/nis mit dpa

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