„Haben große Sorge“: VW stoppt Pläne für Werk in Türkei

  • Der Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien wirkt sich auch auf die deutsche Wirtschaft aus.
  • Volkswagen legt Pläne für ein neues Werk in der westtürkischen Provinz Manisa vorerst auf Eis.
  • Den Wolfsburgern bereiten die aktuellen Entwicklungen offenbar große Sorgen.
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Wolfsburg. Volkswagen hat angesichts der Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien den Beschluss für ein neues Werk nahe Izmir verschoben. „Die Entscheidung für das neue Werk wurde vom Vorstand der Volkswagen AG vertagt“, teilte ein Konzernsprecher am Dienstag mit. Das Unternehmen beobachte die gegenwärtige Lage sorgfältig und blicke mit Sorge auf die derzeitige Entwicklung. Zuvor hieß es lange Zeit, dass man in finalen Verhandlungen sei. Vieles deutete darauf hin, dass sich die Türkei als Standort etwa gegen Bulgarien durchsetzen würde.

Volkswagen hatte erst in der vergangenen Woche eine Tochtergesellschaft in das türkische Handelsregister eintragen lassen. Eine formale Entscheidung zum Bau des neuen Werks wurde im Laufe der kommenden Tage erwartet. Nötig wird das Werk aus VW-Sicht unter anderem, weil VW den Umstieg in die E-Mobilität an deutschen Standorten beschlossen hat. Zwickau wird bereits umgebaut, die Werke in Emden und Hannover sollen folgen. Deshalb braucht der Konzern neue Kapazitäten für den Passat und den Superb der Schwestermarke Skoda.

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Werk ist ohnehin umstritten

Seit Mittwoch gehen türkische Truppen mit verbündeten Rebellen gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien vor. Ankara betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen, warnte am Montag im ARD-„Morgenmagazin“ vor den Folgen der Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien. Die Angriffe der Türkei stoßen international auf Kritik.

Das VW-Werk in der Türkei war aber auch aus einem anderen Grund umstritten: Zuletzt hatte eine Gruppe von EU-Parlamentariern die EU-Kommission dazu aufgefordert, zu prüfen, ob der geplante Bau eines neuen VW-Mehrmarkenwerks in der Türkei mit EU-Vorschriften vereinbar sei. Hintergrund sollen mögliche Zuschüsse des türkischen Staates für das Werk sein – eine Unterstützung, die dem Konzern aufgrund der EU-Gesetzgebung innerhalb Europas versagt geblieben wäre.

RND/dpa/hö