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Günstige E-Autos: Mehrheit der Verbraucher schätzt Energiekosten falsch ein

  • E-Autos werden bei den Deutschen zunehmend beliebt, immer mehr Menschen nutzen die staatliche Kaufprämie.
  • Trotzdem schätzt die Mehrheit der Verbraucher die Kosten falsch ein, wie eine Verivox-Umfrage ergab.
  • Denn im Vergleich sind die elektrischen Modelle günstiger als Verbrenner.
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Elektroautos gelten als umweltfreundlich, aber auch als teuer. Auch bei den Kosten für den Fahrstrom. Da liegt ein Irrtum vor. Wer Strom tankt, fährt in der Regel billiger. Doch der Mehrheit der deutschen Fahrzeughalter ist das nicht bewusst. Dies geht aus einer Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Demnach schätzen 53 Prozent die Energieverbrauchskosten für Pkw falsch ein. Knapp ein Drittel geht davon aus, dass der Strom mehr kostet als das Benzin. 22 Prozent taxieren die Aufwendungen als etwa gleich hoch. Der Rest liegt damit richtig, dass der fossile Sprit das Portemonnaie stärker belastet.

Zu Hause Strom tanken spart Geld

„Viele Autofahrer behalten die Tankkosten ziemlich genau im Blick“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte von Verivox. Doch die Mehrheit liege beim Einschätzen der Aufwendungen fürs Fahren daneben. „Wer sein Auto zu Hause mit Strom auflädt, zahlt deutlich weniger als für einen vergleichbaren Benzinantrieb“, so Storck. Die Grundlage für seine Berechnungen: Laut Bundesverband E-Mobilität laden rund 80 Prozent der E-Autofahrer ihre Pkw daheim oder beim Arbeitgeber auf.

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Deshalb sei bei einem Kostenvergleich der Strompreis für private Haushalte ausschlaggebend. Und das waren nach Verivox-Berechnungen im September im Schnitt 28,65 Cent pro Kilowattstunde – an öffentlichen Ladesäulen können allerdings deutlich höhere Tarife anfallen. Aber zugleich können bei vielen Handelsketten die Kunden auf dem Parkplatz auch kostenlos die Batterie laden.

Benziner und Diesel sind im Vergleich teurer

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Der durchschnittliche Stromverbrauch der zehn E-Auto-Modelle, die im vorigen Jahr am häufigsten gekauft wurden, liegt gemäß ADAC-Ecotest bei 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Das macht 5,73 Euro aus. Der Standardbenziner schluckt 7,8 Liter auf der gleichen Strecke. Das macht bei einem Preis für Super E10 von rund 1,24 Euro pro Liter immerhin 9,71 Euro aus – eine Differenz zur elektrischen Energie von knapp vier Euro oder fast 70 Prozent. Der Abstand ist bei Diesel ist geringer. Da fallen nur 7,34 Euro für den Durchschnittswagen mit Selbstzünderaggregat (Verbrauch sieben Liter) an.

Aussagekräftiger ist indes der direkte Vergleich von Modellen, die ungefähr die gleiche Leistung bringen. Etwa beim VW Golf. Die E-Version (136 PS) benötigt einem ADAC-Test zufolge 17,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer, was 4,95 Euro entspricht. Der Benziner mit 150 PS hat laut Autoclub 6,1 Liter auf dieser Distanz benötigt, was den Fahrer 7,95 Euro kostet. Verivox-Experte Storck macht darauf aufmerksam, dass die Differenzen steigen, je höher die Fahrleitung liegt. Bei 5000 Kilometern im Jahr müssten in diesem Fall 130 Euro mehr gezahlt werden, bei 15.000 Kilometern seien es schon fast 400 Euro.

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ADAC vergleicht Gesamtkosten

Allerdings verschwindet in Anbetracht der aktuell günstigen Spritpreise der Vorteil beinahe vollständig beim sparsamen Diesel-Golf (4,8 Liter Verbrauch). Beim durchschnittlichen Oktoberpreis von knapp 1,05 Euro, den das Portal Clever-Tanken ermittelt hat, ist der Stromer nur noch etwa acht Cent billiger auf 100 Kilometern. Das zeigt, wie stark die Kostenkalkulationen von den heftigen Schwankungen bei den Notierungen für die fossilen Treibstoffe abhängen.

Das ist zwar ein wichtiger Faktor, aber andere kommen hinzu, wenn man eine Gesamtkostenrechnung aufstellt. So hat der ADAC beim Vergleich der verschiedenen Varianten des Golf einen deutlichen Vorsprung des Stromers in puncto Sparsamkeit errechnet, und zwar durchgängig bei Fahrleistungen zwischen 10.000 und 30.000 Kilometer pro Jahr. Das Gleiche gilt beim Kleinwagen Up, der mit einem Benziner verglichen wurde. Das Minimodell und seine Geschwister von den Konzernmarken Seat und Skoda (Mii und Citigo) haben es in der Rangliste des Autoclubs auf die ersten Plätze geschafft. Sie kamen auf Gesamtkosten von um die 20 Cent pro Kilometer bei 30.000 Kilometern pro Jahr.

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Die ADAC-Experten haben dabei über fünf Jahre den Wertverlust, die Aufwendungen für Inspektionen, Verschleißteile, Reifen, Öl, Versicherung und Steuer berücksichtigt. Hinzu kommen die staatlichen Kaufprämien – bis zu 9000 Euro für Vollelektrische. Bei den Treibstoffkosten wurden die Preise von Juli berücksichtigt, die seinerzeit noch zwischen sechs und acht Cent über den aktuellen Niveau lagen. Dafür wurde beim Strom aber auch ein Tarif von 36 Cent pro Kilowattstunde unterstellt.

Kaufpreise für E-Autos müssen weiter sinken

Zu den überraschenden Ergebnissen gehört, dass die drei Modelle des US-Autobauers Tesla fast allesamt preiswerter sind als die Rivalen mit Verbrennerantrieben von BMW, Mercedes, Porsche und Jaguar. Allerdings kann es der neue E-Sportwagen Taycan aus Zuffenhausen mit den Amerikanern auch kostenmäßig aufnehmen. Bemerkenswert ist außerdem, dass ausgerechnet der Kleinwagen Zoe von Renault – das hierzulande mit Abstand beliebteste Elektroauto – teurer ist als seine Schwestern Clio, die Benzin und Diesel angetrieben werden.

„Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb werden kostengünstiger“, so das Fazit der ADAC-Experten. Die Umweltprämie und höhere Stückzahlen würden dazu beitragen. Durch verbesserte Batterietechnik seien bereits reale Reichweiten von deutlich mehr als 300 Kilometer möglich. Damit die Kostenbilanz der rein elektrisch betreiben Fahrzeuge aber besser ausfalle, „müssen auch die Kaufpreise weiter sinken und dürfen nur geringfügig über denen eines vergleichbaren konventionellen Modell liegen“.

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